POLITIK
08/04/2018 16:49 CEST

Trump treibt ihn in den Wahnsinn: Stabschef Kelly soll mit Abgang gedroht haben

Kelly gilt als Trumps Babysitter im Weißen Haus.

Kevin Lamarque / Reuters
John Kelly, der Stabschef des Weißen Hauses, hält Trump einfach nicht mehr aus. 

John Kelly ist womöglich der wichtigste Mensch der Welt. Der Stabschef des Weißen Hauses ist ein Ein-Mann-Bollwerk zwischen Donald Trump und dem Rest der Menschheit. 

Eines, das mehr und mehr Risse bekommt. Eines, das droht zusammenzubrechen. 

Denn wie sowohl die “Washington Post” als auch die Nachrichtenseite “Axios” berichten, soll Kelly mit seinem Job zunehmend frustriert sein – und Trump nach einem heftigen Streit gedroht haben, zurückzutreten. 

Kellys Trump-Family

Seit seinem Amtsantritt hat Kelly durch ein strenges Regiment und strikte Regeln versucht, dem impulsiven und jähzornigen US-Präsidenten Herr zu werden. Die vergangenen Monate haben gezeigt: Es gelingt ihm nicht. 

Wilde Personalrochaden, unzählige Leaks und Skandale um Mitarbeiter zeigen: Das Chaos im Weißen Haus gerät immer weiter außer Kontrolle. Und mit Trump tritt auch der Mann, der dieses Chaos sät, immer entfesselter auf. 

► So warf Donald Trump den Nationalen Sicherheitsberater H. R. McMaster hinaus und ersetzte ihn – gegen den Willen Kellys – durch den radikalen Kriegstreiber John Bolton. 

► Wenige Wochen zuvor verließ Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn das Weiße Haus, weil der US-Präsident gegen dessen Rat einen Handelskrieg mit China anstrebte. Cohn war einer der sogenannten “Erwachsenen” im Weißen Haus und ein Verbündeter Kellys.

Mehr zum Thema: “Er ist ungebildet und hat keine Ahnung von Wirtschaft”: Ex-Berater schimpft über Trump

► Auch mit Trumps aggressivem Gehabe in der Außenpolitik ist Kelly nicht einverstanden. Im Januar berichtete die “New York Times”, der Stabschef habe in einem Meeting Trump wegen dessen Wunsch nach einer Grenzmauer zu Mexiko als “nicht gut informiert” bezeichnet. Trump sei darüber unheimlich wütend gewesen, schreibt die Zeitung. 

Kelly stand spätestens seit diesem Zeitpunkt im Visier des US-Präsidenten, der Berichten zufolge genervt davon ist, dass ihn sein Stabschef an die Leine nehmen will. 

Und am 28. März, so berichten es “Washington Post” und “Axios”, bekam Kelly die Wut des US-Präsidenten auf ihn zu spüren. 

Lauter Streit im Oval Office

Laut “Axios”, das sich auf anonyme Quellen im Weißen Haus bezieht, kam es an diesem Tag zu einem heftigen Streit zwischen Trump und Kelly im Oval Office. Der Stabschef habe den US-Präsidenten während diesem angeschrien und habe schließlich wutentbrannt den Raum verlassen. 

Kelly habe auf dem Weg zurück in sein Büro gemurmelt, dass er kündigen werde. Ein führender Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte zu “Axios”, Kelly habe nur Frust ablassen wollen. 

Die “Washington Post” berichtet von dem gleichen Ereignis. Kelly habe zu Angestellten nach einem heftigen Wortgefecht mit Trump gesagt: “Ich bin raus, Leute.” Er habe von Kollegen beruhigt werden müssen. 

Nach Kelly die Trumpflut

Laut “Axios” sei es nicht das erste Mal gewesen, dass Kelly Trump mit seiner Kündigung gedroht habe. Zwar sei es dem Stabschef zunächst gelungen, eine gewisse Ordnung im Weißen Haus zu etablieren – mit dieser sei es aber nun vorbei. 

► Und mit Kelly selbst? 

Als es im vergangenen Herbst zu Gerüchten kam, Trump könne Kelly entlassen oder dieser hinschmeißen, behauptete der US-Präsident, Kelly würde noch “die vollen sieben Jahre” seiner Amtszeit Stabschef bleiben. 

Am Sonntag meldete sich Trump auch zu den aktuellen Berichten über Kelly – und nannte sie ”erfundenen Müll”

Eine waghalsige Aussage.

Denn Kelly, das berichten mehrere US-Medien seit Langem, hat sich mit der Trump-Familie überworfen. Intern kritisiere er, dass Trumps Tochter Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner sich in Regierungsangelegenheiten einmischten, von denen sie keine Ahnung hätten. 

► Damit hat sich Kelly mächtige Feinde geschaffen. Zu mächtige

Kelly habe im Weißen Haus keinen Einfluss mehr, schreibt die “Washington Post” unter Berufung auf 16 Interviews mit Mitarbeitern der US-Regierung und Trump-Vertrauten. 

Leon Panetta, Stabschef des Weißen Hauses unter Bill Clinton, sagte der Zeitung über den 67-Jährigen: “Wenn du die Macht im Weißen Haus verlierst, dann wirst du im Prinzip zu einem Praktikanten, einem, dem man sagen kann, was du tun oder lassen sollst.” 

Und so ein Mann wird John F. Kelly, ein ehemaliger General der US-Marine, nicht viel länger sein wollen.