POLITIK
08/03/2018 22:46 CET | Aktualisiert 09/03/2018 07:21 CET

Unterzeichnung von Strafzöllen: Trump selbst entlarvt peinliche Inszenierung

"Ihr Vater schaut vom Himmel aus zu!" – "Er lebt noch."

Chip Somodevilla via Getty Images
Trump und die Stahlarbeiter
  • Am Donnerstag hatte US-Präsident Trump auch Stahlarbeiter ins Weiße Haus eingeladen
  • Vom Vater eines Mannes behauptete Trump, dieser sei tot – obwohl das nicht stimmte

Am Donnerstag war es soweit: US-Präsident Donald Trump unterzeichnete die Proklamation zur Einführung von Zöllen auf Stahl und Aluminium.

Die Entscheidung könnte der Auftakt zu einem globalen Handelskrieg sein – der nach Meinung vieler Experten auch der US-Industrie selbst schaden wird.

Um seinen Argumenten – der unfaire Handel zulasten der USA – Nachdruck zu verleihen, hatte Trump an diesem Tag auch Stahlarbeiter in das Weiße Haus eingeladen. Bei einem Gespräch mit ihnen unterlief Trump allerdings ein kleiner Fehler – der den Auftritt als peinliche Inszenierung entlarvte.

“Ihr Vater sieht vom Himmel aus zu”

Ein Stahlarbeiter erzählte von seinem Vater, der ebenfalls als Stahlarbeiter gearbeitet hatte. Der habe seinen Job verloren – und so habe er, der Sohn erlebt, wie hart die Arbeitslosigkeit eine Familie treffe.

Eine berührende Geschichte.

Trump wollte dem Mann danken und sagte: “Ihr Vater sieht Ihnen aus dem Himmel zu und ist stolz auf Sie.”

Der aber entgegnete: “Oh, er lebt noch.”

Trump lachte und klopfte dem Stahlarbeiter auf die Schulter. “Dann ist er eben noch stolzer.”

Trump lässt das Amerika des vergangenen Jahrhunderts aufleben

Ein kleiner Fehler.

Aber er zeigte: Trump kannte die Geschichte der Männer nicht, die da neben ihm im Weißen Haus standen. Sie waren nur eingeladen, um den Anhängern des US-Präsidenten zu demonstrieren: Schaut, ich kümmere mich um euch.

Im Wahlkampf hatte Trump versprochen, der schwächelnden Stahlindustrie zu helfen – und Jobs in der Branche zu schaffen.

Wie sehr die Einfuhrzölle allerdings wirklich den Stahlarbeitern der USA helfen werden, ist unklar. Trump habe mit den Stahlarbeitern im Weißen Haus eher das Amerika der vergangenen Jahrzehnte aufleben lassen, kommentierte ein Moderator auf CNN das Schauspiel. Also jene Zeit, als die Stahlindustrie noch wirklich profitabel war.

Mittlerweile aber bedrohe die Automatisierung die Arbeitsplätze – und nicht nur der Billigstahl aus China, erklärte CNN. Seit 2000 sank die Beschäftigung daher in der US-Stahlbranche um 35 Prozent. 

Ob die Zölle an diesem Trend etwas ändern?

Der Internationale Währungsfonds warnte jedenfalls vor Schäden durch die Stahl-Zölle in den USA selbst. Auf die verarbeitende Industrie – wie die Autobranche oder auch Baufirmen – könnten höhere Preise zukommen.

Das dürften die Arbeiter in den USA dann auch spüren. Auf negative Weise. 

(mf)