WIRTSCHAFT
10/08/2018 19:21 CEST | Aktualisiert 10/08/2018 20:33 CEST

Trump sanktioniert die Türkei, dort stürzt die Währung ab – das sind die Folgen

Auf den Punkt.

Im Video oben seht ihr, wie die neuen US-Strafzölle die Währungskrise in der Türkei anheizen.

Die Türkei hat am Freitag gleich der doppelte Schlag getroffen: Einerseits krachte die Nationalwährung Lira auf ein Rekordtief. Andererseits kündigte US-Präsident Donald Trump an, dass er die Verdopplung von Zöllen auf Stahl und Aluminium aus der Türkei angeordnet habe. Die Meldung ließ die Lira noch weiter abrutschen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gab sich vorerst noch gelassen, seine Landsleute rief er angesichts der sich immer weiter zuspitzenden Krise zur Ruhe auf. “Sorgt euch nicht”, sagte Erdogan. Es gehe dem Land “heute besser als gestern”. Die Türken sollen nicht vergessen, “wenn sie Dollar haben, dann haben wir Allah.“

GEOFFROY VAN DER HASSELT via Getty Images
US-Präsident Donald Trump und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan beim Nato-Treffen im Juli in Brüssel.

Es sind Durchhalteparolen. Denn die Situation in der Türkei ist alles andere als rosig. Welche Ursachen die dortige Krise und welche Auswirkungen sie auf Deutschland hat – auf den Punkt gebracht

Die Ausgangslage:

► Warum die Lira abstürzt:

Schon seit Längerem ist die türkische Wirtschaft angeschlagen – obwohl die Aussichten der Türkei eigentlich gut sind. Das Land konnte zwar viele ausländische Investoren anziehen, doch viele von ihren verlassen infolge des autoritären Kurses Erdogans das Land. Ebenso vermissen sie eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik. All dass läßt die Lira schon seit mehr als zwei Jahren abstürzen. 

Angesichts der Sorgen über Erdogans Wirtschaftspolitik fiel die türkische Währung am Freitag auf ein Allzeittief. Seit Jahresbeginn hat die Lira schon 66 Prozent ihres Wertes verloren. Der Streit mit den USA ließ die Währung derweil noch weiter einbrechen.

► Warum Trump die Zölle verdoppelt:

In der Türkei ist ein US-Pastor inhaftiert, dem wegen Spionage- und Terrorvorwürfen der Prozess gemacht wird. Bei hochrangigen Gesprächen in Washington hatten die USA und die Türkei in den vergangenen Tagen über das Schicksal des Pastors verhandelt, ohne zu einer Lösung zu kommen.

Schon Anfang August hatten die USA Sanktionen gegen zwei türkische Minister verhängt und mit weiteren Strafmaßnahmen gedroht. Die macht nun Trump war: Der Zoll auf Aluminiumimporte werde auf 20 Prozent erhöht, der auf Stahlimporte auf 50 Prozent, erklärte Trump in einem Tweet.

Er teilte zudem mit, dass die bilateralen Beziehungen “zu diesem Zeitpunkt nicht gut” seien.

Wie Erdogan reagierte:

Den Werteverfall der Lira spielte das türkische Staatsoberhaupt herunter und bezeichnete ihn schon am Donnerstag als eine “Kampagne”, um der Türkei zu schaden. Am Freitag schlug er in dieselbe Kerbe: Ausländer versuchten, der Türkei Schaden zuzufügen und einen “Wirtschaftskrieg” gegen sie zu führen.

Erdogan schlug der Bevölkerung vor: “Tauscht die Euro, tauscht die Dollar und das Gold, das ihr unter euren Kopfkissen habt, in unseren Banken in Lira. Das ist ein nationaler Kampf.” Währenddessen fiel der Lira-Kurs weiter.

Zugleich warnte Ankara, dass die US-Sanktionen den Beziehungen zwischen den beiden Nato-Verbündeten weiter schaden könnten. 

Die Folgen der Türkei-Krise für Deutschland:

Ein Analyst hielt es am Freitag für unwahrscheinlich, dass die Probleme der Lira Auswirkungen auf den europäischen Handel haben könnten. Selbst wenn der Export in die Türkei um ein Fünftel zurückginge, würde das nicht mehr als 0,1 Prozentpunkte des jährlichen Bruttoinlandsprodukts der 19 Länder der Eurozone ausmachen, sagte der Ökonom Carsten Hesse von der Bank Berenberg in London. 

Fakt ist aber: Eine schwache Lira verteuert deutsche Exporte in der Türkei zusätzlich, wie die “Süddeutsche Zeitung” bemerkt. Bereits im Juni sind die Ausfuhren aus Deutschland in die Türkei um sechs Prozent zurückgegangen.

Der Absturz der türkischen Lira habe die Verunsicherung weiter vergrößert, betonte der Präsident des Außenhandelsverband BGA, Holger Bingmann. Die Währungseinbußen würden zudem zu nachlassender Kaufkraft in der Türkei führen. “Das ist bitter, denn die Türkei ist ein bedeutender Markt für unsere Unternehmen und böte viel Potenzial”, sagte Bingmann laut ZDF.

Das alles machte sich auch an der deutschen Börse bemerkbar: Die Türkei-Krise erfasste den deutschen Aktienmarkt am Freitag mit voller Wucht. Der Dax fiel zeitweise um 2,25 Prozent und erreichte bei 12.390 Punkten den tiefsten Stand seit fünf Wochen.

Vor allem trübte der rasante Verfall der türkischen Lira die Stimmung. “Die Angst vor einer Zahlungsbilanzkrise greift um sich”, kommentierte Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen die jüngste Entwicklung in der Türkei. 

Die Folgen der Krise für die Türkei:

“Weil Erdogan viel Geld braucht, um sein Volk zu beglücken, wehrt er sich gegen eine Politik höherer Zinsen, da diese das Wirtschaftswachstum gefährden könnte”, schreibt die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (“FAZ”). 

Das Problem: Die Türkei mit einer Inflationsrate von 15 Prozent benötige aber dringend höhere Zinsen, um die Stabilität seiner Währung wiederherzustellen. Viele Türken können sich schon jetzt keine Auslandsreisen mehr leisten. Die hohe Inflation hat vor allem Lebensmittel- und Strom teurer gemacht.

“So wie Erdogan mit der Krise umgeht, riskiert er einen ernsthaften Schaden für sein Land”, kritisiert die “FAZ”. Womöglich könnte der am Ende nur durch internationale Finanzhilfe behoben werden. 

Mit Material von dpa.