POLITIK
20/04/2018 10:39 CEST | Aktualisiert 20/04/2018 11:19 CEST

Trump, Putin, Prostituierte: Die wichtigsten Passagen in den Comey-Memos

Auf den Punkt.

Joshua Roberts / Reuters
Präsident Donald Trump und der damalige FBI-Direktor James Comey bei einem Treffen kurz nach den US-Wahlen. 

James Comey ist in den USA derzeit Staatsfeind Nummer 1. Zumindest, wenn es nach US-Präsident Donald Trump geht. 

Der wütet seit Tagen über den von ihm entlassenen FBI-Chef, nennt ihn einen Lügner, Wichtigtuer und “Schleimball”. Der Grund: Comey hat ein Buch geschrieben, in dem er Trump als “Mafia-Boss” und “moralisch nicht fähig” für das Präsidentenamt brandmarkt. 

Mitten hinein in diesen medial ausgetragenen Streit platzt nun eine brisante Veröffentlichung: Das US-Justizministerium hat dem Kongress Notizen überreicht, die sich Comey nach seinen mehrfachen Treffen mit Trump vor seiner Entlassung gemacht hatte. 

Es sind Notizen über Treffen von Januar bis April 2017, die Trump schwer belasten – und die einige intime Details über das Verhalten des US-Präsidenten offenbaren. 

Die wichtigsten Passagen der Comey-Memos auf den Punkt gebracht. 

Trump erwartet von Comey Loyalität – und brisanten Gefallen

► Es ist die zwei zentralen Treffen zwischen Trump und Comey: Ein gemeinsames Essen im Green Room des Weißen Hauses am 28. Januar 2018 sowie ein Vier-Augen-Gespräch im Oval Office des Weißen Hauses am 14. Februar 2017.

► Bei dem Essen stellte der US-Präsident laut Comeys Notizen eine heikle Forderung an seinen FBI-Direktoren: “Ich erwarte Loyalität.” Comey schreibt, er habe Trump daraufhin versprochen, dass er stets ehrlich sein werde – woraus Trump die Forderung nach “ehrlicher Loyalität” gemacht habe.

 Bei dem Vier-Augen-Gespräch im Oval Office soll Trump mit Comey über den wegen Russlandkontakten entlassenden Sicherheitsberater Michael Flynn gesprochen haben. Comey zitiert den US-Präsidenten mit den Worten: “Ich hoffe, Sie können sich dazu bringen, die Sache fallen zu lassen, Flynn gehen zu lassen.” 

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Trump lobt Comey immer wieder für seine Arbeit

► Laut Comeys Aufzeichnungen war Trump zu Beginn von dessen Amtszeit alles andere als unzufrieden mit der Arbeit des FBI-Direktoren.

► Immer wieder habe er Comey in den Gesprächen mit ihm gelobt oder erwähnt, dass sein Justizminister Jeff Sessions und der Verteidigungsminister James Mattis gut über ihn sprechen würden. 

Trump habe Comey und seine Familie laut den Memos sogar zu einem privaten Essen ins Weiße Haus eingeladen – eine Offerte, auf die Comey laut seinen Notizen nicht einging. Wenige Wochen später entließ ihn Trump. 

Comey garantiert Trump, dass nicht gegen ihn ermittelt wird

► Später wird Trump zugeben, dass er dies auch wegen “der Russland-Sache” tat. Gleichzeitig hatte der US-Präsident stets betont, dass Comey ihm versichert habe, dass nicht gegen ihn ermittelt werde. 

Comey bestätigt diese Darstellung in seinen Memos. In mehreren Treffen habe er Trump wissen lassen, dass es keine Ermittlungen direkt gegen ihn gebe – und dass er solche auch nicht plane. 

Trump sei dennoch unzufrieden gewesen. Er habe von Comey verlangt, dass dieser der Öffentlichkeit mitteile, dass es keine Ermittlungen gegen den Präsidenten gebe. Comey tat dies erst bei einer Anhörung nach seiner Entlassung. 

Trump macht seinem Frust über die Russland-Ermittlungen Luft

► Immer wieder notiert Comey, dass Trump sich in den Gesprächen über die Russland-Ermittlungen gegen sein Team aufgeregt habe. 

► Vor allem das berühmte Steele-Dossier, in dem behauptet wird, Trump habe russische Prostituierte in einem Hotel auf ein Bett urinieren lassen, in dem einst die Obamas übernachteten, sei häufiger Thema gewesen. 

► Trump habe diese Geschichte “Fake News” genannt. Laut Comey mache er sich Sorgen, dass seine Frau Melania glauben könnte, dass sie wahr sei. Überhaupt sei Trump von den Russland-Ermittlungen genervt gewesen und habe sich beschwert, dass diese seiner Politik im Weg stünden

Mehr zum Thema: Wie US-Präsident Trump den Ex-FBI-Chef Comey in der Russland-Affäre diskreditieren will

Trumps hört sich gerne reden – und tut dies vollkommen wirr

► Generell habe Trump ihm gegenüber viel Druck abgelassen, schreibt Comey. Dies sei besonders beim gemeinsamen Essen im Green Room des Weißen Hauses am 28. Januar 2018 geschehen. 

“Das Gespräch war chaotisch”, schreibt der ehemalige FBI-Direktor. “Eine Unterhaltung wie ein Puzzle-Spiel.” Comey schreibt, es sei ihm schwer gefallen, Trump zu folgen. 

► Der US-Präsident habe ihn überhaupt kaum zu Wort kommen lassen. Comey schreibt über Trump: “Er sprach für den allergrößten Teil der Zeit.” 

Trump, Putin und “die schönsten Prostituierten der Welt”   

► Laut Comeys Notizen kamen bei diesem Redeschwall einige kuriose Aussagen heraus. So habe Trump unvermittelt gefragt, ob Comey seine Tweets lese. 

► Die wohl bemerkenswerteste Aussage soll Trump aber während eines Gesprächs über das Steele-Dossier und seinen Aufenthalt in Russland im Jahr 2014 gemacht haben. 

Trump habe behauptet, niemals mit Prostituierten zu schlafen – und gemeint, ein Typ wie er habe das nicht nötig. Allerdings habe ihm der russische Präsident Wladimir Putin gesagt, Russland habe “die schönsten Prostituierten der Welt”. 

Die Bedeutung der Comey-Memos auf den Punkt gebracht: 

Aus den Comey-Memos lassen sich drei zentrale Schlüsse ziehen: 

1. Donald Trump erwartet von seinen Mitarbeitern bedingungslose Loyalität – und zwar nicht dem Land, sondern direkt ihm gegenüber.

2. Der US-Präsident hat ein Problem mit der Unabhängigkeit der Justiz – er bat James Comey, seinen überführten Ex-Berater Michael Flynn zu verschonen. 

3. Trump mochte Comey – solange, bis er das Gefühl hatte, dass dieser ihm nicht treu ergeben ist. 

(lp)