POLITIK
20/01/2018 20:28 CET | Aktualisiert 21/01/2018 11:42 CET

Das erste Jahr der Trump-Präsidentschaft – ein Rückblick in Magazincovern

Aus eines Spiegels trügerischer Leere hebt langsam sich, und wie ins Ungefähre, aus Graun und Finsternis ein Antlitz: Trump.

Joshua Roberts / Reuters
Sieht sich gern selbst: Donald Trump
  • Seit einem Jahr ist Donald Trump der Präsident der USA - und sorgte für Chaos, Skandale und Verwirrung
  • Meist wird erst im Rückblick klar, wie verheerend jeder einzelne Moment der Trump-Präsidentschaft ist
  • Wir haben auf die Magazincover geschaut, die in dieser Zeit erschienen sind

Man muss ihn gesehen haben. Seinen weit aufgerissenen Mund, seine fuhrwerkenden Hände, seine knautschigen Gesichtsausdrücke und die seltsam menschenscheue Körpersprache.

Donald Trump ist ein visuelles Phänomen, ein wandelnder Skandal. Seit einem Jahr ist der exzentrisch-rassistische Sexist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Trump verstehen zu wollen hat längst seinen Sinn verloren. Er baldowert durch die Politik, jeder Tag ist ein Grauen erregendes Abenteuer, jede Woche so angefüllt mit Wahnsinnigkeiten, dass der Überblick verloren geht.

Meist wird erst im Rückblick klar, wie verheerend jeder einzelne Moment der Trump-Präsidentschaft ist.

► Die HuffPost blickt auf 12 Monate Trump anhand der Magazincover zurück, die der US-Präsident in dieser Zeit zierte – und auf die skandalösen Geschichten dahinter.

Januar: “Ihr seid gefeuert!”

Als Donald Trump vor einem Jahr vor dem Capitol in Washington DC als Präsident der USA eingeschworen wurde, ging eine Ära zu Ende: Die Europäische Union verlor ihren wichtigsten diplomatischen Verbündeten in der Welt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet die Vereinigten Staaten seither nicht mehr als “Freund”, sondern nur noch als “Partner”.

Eine andere Regierungschefin freute sich jedoch geradezu über Trumps Sieg: Theresa May. Die britische Regierungschefin führt ihr Land aus der EU und hatte zunächst gehofft, die “special relationship” zwischen USA und Großbritannien könnte wieder aufleben.

Das britische Magazin “The Spectator” nahm auf seinem Cover diese – letzlich haltlosen – Hoffnungen auf und zeigte einen fuchsteufelswilden Trump neben einer hexenartigen May auf dem Cover, die auf eine designierte Merkel herabblicken.

Letztlich kam es im Laufe des ersten Trump-Jahres anders: Während Merkel als neue Anführerin der freien Welt betrachtet wird, werden Trump und May als internationale Außenseiter hart kritisiert.

Februar: “America First”

Es ist das vielleicht umstrittenste Cover des ersten Jahres der Trump-Präsidentschaft: Im Februar macht der “Spiegel” Trump auf seinem Titel zu einem Terroristen.

Der US-Präsident hält ein blutiges Messer in der linken Hand, mit der rechten hält er den abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in die Höhe. Die Botschaft des “Spiegels”: Trump tötet in den USA Freiheit, Anstand und Moral.

Das Cover war eine Reaktion auf die ersten Dekrete Trumps. Der Präsident verhängte Einreiseverbote gegen mehrheitlich muslimische Länder im Nahen Osten.

Sie alle wurden von Gerichten einkassiert – doch schon im zweiten Monat seiner Amtszeit hatte Trump klar gemacht, dass er die USA und ihre Werte radikal verändern würde.

März: “Wie man eine Autokratie errichtet”

Wie radikal diese Veränderungen ausfallen könnten, damit beschäftigte sich im März eine vielbeachtete Ausgabe des US-Politikmagazins “The Atlantic”.

Autor David Frum äußerte seine Befürchtungen, dass Donald Trump in den USA eine Autokratie aufbauen könnte. Frum fürchtete vor allem Attacken des neuen US-Präsidenten auf die Justiz: “Ein Präsident, der entschlossen ist, die Gesetze zu verändern, um sich und seinen inneren Zirkel zu schützen, kann dies tun.”

Tatsächlich hat Trump in der Russland-Affäre gezeigt, wie aggressiv er gegen die Justiz vorgeht – so feuerte er im Mai den FBI-Direktor James Comey, weil dieser ihm nicht seine Loyalität schwören wollte, drohte indirekt mit der Entlassung des Sonderermittlers Mueller und bezeichnete Ermittlungen gegen sich als “Hexenjagd”.

Mehr zum Thema: Trumps Familien-Klüngel im Weißen Haus erinnert stark an die korruptesten Länder der Welt

April: “Trump der Zerstörer”

Trump als wirbelnder tasmanischer Teufel aus dem Cartoon “Looney Tunes” und als Selbstmordattentäter mit seinen Kabinettsmitgliedern als Sprengstoffgürtel: Das Magazin “Rolling Stone” stellte den US-Präsdenten im April als rücksichtslosen Vernichter dar.

“Es ist, als hätte der Wahlkampf nie geendet”, schrieb das Magazin. “Es ist immer noch alles Trump, Wahnsinn rund um die Uhr, und es wird immer schlimmer.”

Trumps Attacken auf die Medien, auf die Verbündeten der USA und seine offensichtliche Unfähigkeit zu regieren rissen Autor Matt Taibbi zu einer düsteren Vorahnung hin:

“Während wir weiter versuchen, irgendeine geheime Agenda zu entdecken, ist es doch eigentlich unsere Sucht nach dem Spektakel dieser Chaos-Präsidentschaft, die die eigentliche Gefahr ist. Trump macht uns zu Idioten, zu Komplizen, in dem er in jedem von uns das Schlechteste hervorbringt. Wir werden schon dümmer, wenn wir ihm nur zuschauen.

Selbst, wenn Trump noch das Regieren lernt: In vier Jahren werden wir vergessen haben, wie eine Zivilisation überhaupt aussieht.”

Mai: “Trumps Test der Loyalität”

Es ist der größte Skandal in einer Präsidentschaft der Skandale: Die Russland-Affäre von Donald Trump.

Noch immer fragt sich die ganze Welt, ob der US-Präsident gemeinsame Sache mit Wladimir Putins Russland gemacht hat, um an die Macht zu gelangen – und noch immer finden Ermittlungen im Senat, Kongress und durch den Sonderermittler Robert Mueller statt.

Im Mai 2017 jedoch war zu befürchten, dass Trump die Affäre einfach ersticken würde. Gerade hatte er seinen FBI-Direktor James Comey entlassen. Letztlich ein Schritt, der den US-Präsidenten nicht entlastete, sondern nur noch verdächtiger machte.

Das US-Magazin “Time” verdeutlichte das mit seinem Mai-Cover: Das Weiße Haus, halb überwuchert vom russischen Kreml.

Juni: “Was ist Donald Trumps Lieblingsessen?”

Donald Trumps gesamtes Auftreten, als Politiker wie als Person, lässt sich sehr gut mit folgendem englischen Wort beschreiben: “ham-fisted”.

Auf Deutsch bedeutet es “tollpatschig” oder “ungeschickt”, doch wörtlich übersetzt hießt es “schinken-händisch”.

Und so war es das spanische Gourmet-Magazin “Tapas”, das Donald Trump in seinem ersten Amtsjahr vielleicht am treffensten dargestellt hat: Als buchstäblich wurstigen Präsidenten.

Juli: ”Überlebenskampf im Weißen Haus”

Statt einem Regierungssitz ist das Weiße Haus von Donald Trump ein Schleudersitz. Über ein Dutzend Mitarbeiter hat der US-Präsident bereits entlassen oder durch vorzeitige Kündigungen verloren.

Im Juli 2017 fand das wohl absurdeste Schauspiel in dieser Hinsicht Stadt. Der Hauptdarsteller: Anthony Scaramucci. Scaramucci löste Trump Kommunikationsdirektro Sean Spicer ab. Trump hatte Spicer entlassen, weil er ihm zu weichgespült vorkam.

Scaramucci schaffte es in der Folge, ganze 11 Tage im Amt durchzuhalten, bevor auch er das Weiße Haus – auf Grund eines vulgären Anrufes bei einem Reporter des “New Yorker” – verlassen musste.

Die US-Boulevardzeitung “New York Post” schrieb daraufhin über die Trump-Regierung: “Das Weiße Haus ist zur verrücktesten Reality-TV-Show im Fernsehen geworden.”

August: “Hass in Amerika”

Donald Trump ist ein Rassit. In seinem ersten Jahr als US-Präsident wurde das in Folge eines brutalen Ereignisses in der Stadt Charlottesville Virginia besonders deutlich.

Tausende Neonazis und Rechtsextreme waren in die Stadt gekommen, um zu demonstrieren. Sie zogen mit Fackeln durch die Straßen und riefen “Die Juden werden uns nicht ersetzen.” Später raste ein Auto in eine Menge von Gegendemonstranten, mehrere Menschen wurden verletzt, eine junge Frau starb. 

Und wie reagierte Donald Trump? Zwei Tage lang sagte er gar nichts. Dann sprach er von “feinen Menschen auf beiden Seiten” und nahm die Rechtesextremen von Charlottesville so in Schutz.

Gleich mehrere Magazine reagierten auf diesen präsidialen Rassismus mit heftiger Kritik – und zeigten Trump mit Hitlergruß oder als Gehilfe des rechtsradikalen Ku-Klux-Klans.

September: “Insane in the membrane” 

Nicht nur auf Grund seiner offensichtlichen Fremdenfeindlichkeit wird dieser Tage wird wieder viel über Donald Trumps Geisteszustand diskutiert.

Immer wieder hatten renommierte Psychologen dem US-Präsidenten während seines ersten Amtsjahres Persönlichkeitsstörungen und Narzissmus ferndiagnostiziert.

Tatsächlich macht Trump einen durchgehend inkohärenten Eindruck

Im September 2017 fragte das Magazin “Newsweek” deshalb ganz direkt: “Ist Donald Trump nicht ganz richtig im Kopf?”

Oktober: “Amerikanischer Faschist”

Nicht nur in den USA, auch im Ausland hat Trumps Präsidentschaft für Unruhe und Empörung gesorgt. Besonders in Mexiko.

Trump hatte im Wahlkampf mexikanische Migranten als “Vergewaltiger” beschimpft, noch immer er will eine Mauer an der Grenze zum südlichen Nachbarn der USA bauen lassen.

Das mexikanische Magazin “Letras Libres” machte im Oktober 2017 klar, was es von dem rassistischen und imperialen Gehabe des US-Präsidenten hielt – mit zwei sehr eindeutig platzierten Worten.

November: “Fauler Sack”

Tatsächlich lässt Donald Trumps Arbeitsalltag vermuten, dass der US-Präsident keinen größeren Belastungen standhalten kann.

So soll Trump laut US-Medien erst um 11 Uhr mit der Arbeit beginnen – und diese manchmal bereits um 14 Uhr schon wieder einstellen. Den Rest der Zeit verbringe Trump zumeist vor dem Fernseher. Trumps Diät soll an solchen Tagen aus 12 Dosen Diet-Cola und Cheeseburgern bestehen.

Hinzu kommst: Fast ein Drittel seiner Zeit als US-Präsident hat Trump nicht in Washington, sondern auf seinen Privatgrundstücken verbracht. Mehr als drei Monate seiner bisherigen Amtszeit verbrachte er auf dem Golfplatz.

Dezember: ”Die Brecher des Schweigens”

Donald Trump ist nicht nur ein Rassist, er ist auch ein offensichtlicher Sexist und möglicher sexueller Straftäter.

Fast 20 Frauen werfen dem US-Präsidenten vor, sie sexuell belästigt oder genötigt zu haben – darunter auch eine Reporterin, an der sich Trump bei einer Wahlveranstaltung im Jahr 2016 vergangen haben soll.

Mehr zum Thema: Diese vier Frauen werfen Trump sexuelle Belästigung vor – und verlangen eine Untersuchung durch den US-Kongress

Im gleichen Jahr machte das Magazin “Time” Trump zu seiner Person des Jahres. Ein Jahr später versuchte es, seinen Fehler zu begleichen: Nicht ein mächtiger alter Mann zierte das Cover, sondern mehrere Frauen.

Frauen, die sexuelle Verbrechen öffentlich und die Gleichberechtigungs- und Anti-Sexismus-Kampagne #metoo ins Rollen gebracht hatten.

Januar 2018: “Jahr 1”

Ein Jahr lang ist Donald Trump nun Präsident. Schon im Mai schrieb die HuffPost von Trumps Inferno, dem politischen Fegefeuer, in welches er die USA stürzen würde. Was damals galt, gilt auch heute noch:

Donald Trump hingegen hat all seine Skandale bisher unbeschadet überstanden, die Vereinigten Staaten stehen unter seiner Ägide weiter in Flammen. Und es muss mittlerweile ernsthaft bezweifelt werden, ob die Verfassung des Landes dieses politische Inferno überstehen kann.

Wie zu diesen Worten passend hat das Magazin “Time” dem ersten Jahr der Trump-Präsidentschaft dieses infernale Cover gewidmet:

Bonus – Dezember 2016: “Make America Great Again”

Welche Hoffnung bleibt also, angesichts des Chaos in den USA? Angesichts eines Präsidenten, der eigentlich keiner ist und sein kann, aber der Welt sein Ego diktiert?

Eigentlich nur eine: Zurück in die Zukunft.

So, wie es das seriöse und eigentlich sehr zurückhaltende “Harpers Magazine” sich schon im Dezember 2016 wünschte. “Make America Great Again” – aber ganz ohne Trump.