POLITIK
26/04/2018 06:25 CEST | Aktualisiert 26/04/2018 11:58 CEST

"Wahnsinnige" Trump-Politik: Nun kann nur Merkel helfen – das ist ein Problem

Die HuffPost-These.

Oben im Video: Geleaktes Gespräch zeigt – Merkel soll Trump verraten haben, was sie wirklich über ihre Flüchtlingspolitik denkt

Er hatte es versucht. Er war freundlich gewesen, nachsichtig, bestimmt. Er hat sich vor der ganzen Welt zum Deppen machen lassen. Und es hat rein gar nichts genützt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kehrt als gedemütigter Mann aus Washington zurück. Er wollte Donald Trump besänftigen, wollte ihn überzeugen, die westliche Allianz nicht durch radikale Manöver, wie einem Austritt aus dem Iran-Deal, zu schwächen.

► Macron hat in Trump seinen Meister gefunden.

Und er ist frustriert. Das ewige Hin und Her des US-Präsidenten in internationalen Fragen sei “wahnsinnig“, sagte Macron laut dem britischen “Guardian” kurz vor seiner Abreise. Er gehe davon aus, dass Trump den Iran-Deal sprengen werde.  

Der französische Präsident, in den vergangenen Tagen gerne als “Trump-Flüsterer“ bezeichnet, hat aufgegeben.

Jetzt liegt alles an seiner europäischen Amtskollegin, der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und das ist ein fatales Problem.

Angela Merkel ist Trumps Hassobjekt

Merkel wird am Freitag nach Washington reisen und ihrerseits versuchen, das politische Biest Donald Trump zu zähmen. Es wäre ein Wunder, sollte ihr dies gelingen.

Denn der US-Präsident hegt eine tiefe Abneigung gegen die deutsche Staatschefin. Er empfindet sie als oberlehrerinnenhaft, als überheblich und heuchlerisch. Von einer wie Merkel will sich ein Donald Trump nichts sagen lassen.

► Das zeigte sich schon beim letzten Besuch der Kanzlerin in den USA.

So wie in den vergangenen Tagen Macron von Trump gedemütigt wurde, so hatte der US-Präsident auch Merkel gedemütigt. Vor versammelter Presse verweigerte er ihr den zeremoniellen Handschlag, tat so, als könne er sie nicht hören.

Trumps Botschaft: Die Kanzlerin von Deutschland ist für den Präsidenten der Vereinigten Staaten ein kleines Licht. Eine Person, die kaum Aufmerksamkeit wert ist. 

Mehr zum Thema: “NYT”-Bericht: So führte Merkel Trump vor, nachdem er ihr den Handschlag verweigerte

Politisch trennen Trump und Merkel Welten 

Das liegt zum Einen an der persönlichen Abneigung, die Trump gegen Merkel hegt. Starke Frauen, wie es auch seine Wahlkampf-Gegnerin Hillary Clinton war, schüchtern ihn ein. 

Doch auch politisch trennen den US-Präsidenten und die Bundeskanzlerin Welten

Trump verlangt von Deutschland, dass dieses als Nato-Partner seine jährlichen Militärausgaben auf mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht – Merkel lehnt so eine Militarisierung des Bundeshaushaltes entschieden ab. 

Auch in der Wirtschaftspolitik kommen Trump und Merkel nicht zusammen: Während der US-Präsident ein neues Zeitalter des Protektionismus einläuten will und sich am Handelsdefizit der USA mit Deutschland stört, ist die Kanzlerin eine Verteidigerin der liberalen Weltwirtschaftsordnung. 

Hinzu kommt eine jeweilige Auffassung der Außenpolitik, die unterschiedlicher nicht sein könnte: Eine Zur Not mit Gewalt durchgesetzte “America First”-Doktrin trifft auf eine zurückhaltende Ausgleichsdiplomatie. 

Mehr zum Thema: Harvard-Dozent glaubt: Deutschland wird bald seinen eigenen Trump erleben

Zwei so unterschiedliche Staatschefs können nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Für Merkel wird es in Washington also darum gehen, das Schlimmste zu vermeiden – und sich nicht demütigen zu lassen. 

Sie muss versuchen, den Anstandsbesuch bei Trump mit Anstand zu Ende zu bringen. Und der “wahnsinnigen” Politik des US-Präsidenten zumindest symbolisch als Stimme der Vernunft entgegen zu treten.