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14/03/2018 17:36 CET | Aktualisiert 14/03/2018 17:37 CET

Ich bin Muslimin in New York: So hat sich mein Leben unter Trump verändert

Trump hat die Menschen zusammengebracht.

Getty
Für die Unternehmerin Melanie Elturk hat sich seit der Trump-Präsidentschaft viel verändert. 

Ich bin stolze US-Amerikanerin. Stolze Muslima. Und stolze Unternehmerin.

Ich weiß, dass das in den Augen vieler Menschen wie ein Drahtseilakt wirkt in einer Zeit, in der Donald Trump regiert und alles tut, um Muslime in Misskredit zu bringen: mit seinen Bemerkungen zu angeblich muslimischen Terroristen, seinem Einreisebann für Bürger muslimischer Staaten ...

Er hat ein gesellschaftliches Klima geschaffen, das vielen Angst gemacht hat. Er hat Rassisten und Islamophobe auch noch ermutigt, ihrem Hass freien Lauf zu lassen.

Das Kopftuch erdet mich

Ich bin in den USA geboren und aufgewachsen. Ich liebe dieses Land, weil es meine Heimat ist, meine Kultur, meine Zukunft.

Und ich trage seit der High School ein Kopftuch. Es ist Teil meiner Identität, es erdet mich, erinnert mich und andere daran, wer ich bin und was ich glaube. So gesehen ist es ein magisches Kleidungsstück.

Gott liebt Schönheit

Weil es in meiner Kindheit nur fürchterliche Hidschabs zu kaufen gab, zu hässlichzu schlecht zu pflegen, der Stoff zu dick, habe ich 2010 zusammen mit meinem Mann meine eigene Firma gegründet, Haute Hijab. Heute haben wir sieben Mitarbeiter in New York und fünf in Dubai.

Gott liebt Schönheit und möchte, dass wir alles, was wir tun, möglichst gut und wunderbar machen. Warum sollten das nur für andere Mode gelten und nicht für Kopftücher? 

haute hijab
Kopftücher, wie sie Melanie Elturk schön findet

Manchmal spürt man die aggressive Stimmung

Ich bin sicher, dass sich viele Frauen mit Kopftuch seit Trumps Amtsantritt Fürchterliches anhören müssen. Es gibt hier in den USA auch Muslimas, die aus Angst erst einmal kein Kopftuch mehr getragen haben. Hier im liberalen New York City habe ich so etwas allerdings nie erfahren. 

Ich kann es schwer beschreiben, aber manchmal spürt man, dass man angestarrt wird, spürt die aggressive Stimmung.

Das Perfide ist, dass ein solches Klima dazu führt, dass sich im eigenen Kopf etwas verändert. Wenn ich mit jemandem spreche, den ich noch nicht kenne, dann überlege ich, ob mein Gegenüber jetzt erstaunt ist, dass ich so gut Englisch spreche. 

Ich versuche, mögliche Vorurteile überzukompensieren. Etwa, indem ich massiv für Bildung werbe.

Ein Witz im Vergleich zu dem, was ich erlebt habe

Dennoch ist das, was Trump angerichtet hat, ist ein Witz, verglichen mit dem, was Muslime in den USA schon erlebt haben.

Nach 9/11 war es einfach furchtbar, für mich als Muslima war es die schlimmste Zeit, die ich erlebt habe. Ich ging damals zur High School, trug Kopftuch. Wir Amerikaner litten unter dem Terror, wir Muslime unter dem Misstrauen uns gegenüber und dem Missbrauch unserer Religion durch die Terroristen. 

Trump hat die Menschen zusammengebracht

Trumps Präsidentschaft ist also nur eine weitere Episode in einer Serie von Ereignissen, die das Klima für Muslime in den USA so schwierig gemacht haben. Und tatsächlich hat er mit manchen seiner Aktionen das Gegenteil von dem erreicht, was er wohl beabsichtigte:

Er hat die Menschen zusammengebracht.

Als er den Einreisebann erließ, gingen Tausende Menschen auf die Straße. Die Mehrheit waren keine Muslime.

Ich besuchte Schulen und erklärte den Kindern, dass Bildung jetzt wichtiger denn je ist. Viele Schüler waren zuversichtlich, dass die Gesellschaft stark genug ist, um Trump zu überstehen. Sie wollten den Kopf nicht hängen lassen. 

Die muslimische Community in New York hat darum gerungen, sich klarzumachen, dass nicht alle, die Trump gewählt haben, Islamophobe sind. Die meisten sind weiße Menschen, die sich vergessen und frustriert fühlen.

Inzwischen, nach gut einem Jahr Trump, geht das Leben wieder seinen gewohnten Gang. Die Menschen wissen, dass Trump in vielen Fällen ohnehin nicht tut, was er behauptet.

Ich will auch Berufskleidung anbieten

Mein Geschäft hat unter Trump kein bisschen gelitten. So, wie ich es erwartet habe. 90 Prozent meiner Kundinnen kommen aus den USA, sind hochqualifiziert.

Für sie wollen wir weitere Angebote schaffen. Wir denken da an Berufskleidung. Ärztinnen etwa müssen ja das Stethoskop in die Ohren stecken können, auch wenn sie ein Kopftuch tragen.

Und ich werde weiter öffentlich arbeiten. Vergangene Woche habe ich auf der SXSW-Konferenz – der weltbekannten Veranstaltungsreihe für Film, Musik und interaktive Medien – einen Vortrag über Glaube und Mode gehalten. Darin ging es natürlich auch um das Kopftuch, aber viel mehr als darüber zu sprechen wirkt, wenn eine Frau und Unternehmerin ganz selbstverständlich damit auftritt.

Wir machen Zukunft

Wir muslimischen Frauen müssen stärker sein als andere. Und wir haben daraus gelernt. Wir gehören zu den USA, wir sind Teil dieses Mosaiks USA.

Trump will das nicht verstehen. Aber ich möchte mich mit diesem Mann auch nicht weiter auseinandersetzen. Er widert mich an. Er macht Show.

Und wir Frauen, wir Muslime, wir Amerikaner, machen Zukunft.

Der Text wurde von Susanne Klaiber aufgezeichnet und aus dem Englischen übersetzt.