POLITIK
26/08/2018 06:43 CEST | Aktualisiert 26/08/2018 10:52 CEST

Trump-Kritiker McCain stirbt – so reagiert der US-Präsident

Er wurde 81 Jahre alt.

  • Der republikanische US-Senator John McCain ist mit 81 Jahren verstorben.
  • Donald Trump sprach bei Twitter sein Mitgefühl aus – noch in den Wochen vor McCains Tod hatte Trump über diesen gespottet.
  • Im Video oben seht ihr weitere Reaktionen auf den Tod John McCains.

 

Der prominente US-Republikaner und führende Kritiker von US-Präsident Donald Trump, John McCain, ist tot.

Der Senator starb am Samstag im Kreise seiner Familie, wie sein Büro mitteilte. Er wurde 81 Jahre alt. McCain litt an einem äußerst aggressiven Hirntumor.

Seine Familie hatte am Freitag mitgeteilt, dass er sich entschlossen habe, die Behandlung gegen den Krebs einzustellen. Der Politiker hinterlässt seine Frau Cindy und sieben Kinder.

McCain saß seit 1987 im US-Senat und hat sich im Laufe der Zeit den Ruf eines “Mavericks” erworben - eines Mannes, der der Parteiräson nicht immer folgt und auch unbequeme Meinungen vertritt.

Trump reagierte per Tweet

Er zählte zu den prominentesten Mitgliedern des US-Kongresses und hatte sich über die Parteigrenzen hinweg große Achtung erworben. 2008 trat er als Präsidentschaftskandidat der Republikaner an, verlor die Wahl aber gegen Barack Obama.

McCain stand Trump sehr kritisch gegenüber. Nach dessen Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin attestierte er ihm Mitte Juli etwa Inkompetenz.

Trump reagierte per Tweet auf den Tod des berühmten Republikaners. Der Präsident schrieb: “Mein tiefstes Mitgefühl und Respekt gehen an die Familie von Senator John McCain. Unsere Herzen und Gebete sind bei Euch!” 

Trump hatte sich zuvor bei Wahlkampfauftritten in den vergangenen Wochen immer wieder abfällig über den schwerkranken Senator geäußert - allerdings ohne ihn beim Namen zu nennen.

Bei einer Rede in Florida etwa ahmte Trump nach, wie McCain im vergangenen Jahr gegen einen Gesetzentwurf seiner eigenen Partei gestimmt hatte, der die Krankenversicherung “Obamacare” in Teilen abgeschafft hätte. Diese Entscheidung des Senators missfiel Trump zutiefst.

Trumps Spott und Obamas Respekt

Trump hatte McCain schon im Wahlkampf verspottet. Im Juli 2015 behauptete er, er sei kein Kriegsheld, weil er während des Vietnam-Krieges gefangen genommen worden sei. “Ich mag Leute, die nicht gefangen genommen worden sind”, erklärte Trump damals.

Chip Somodevilla via Getty Images
McCain im Wahlkampf 2008.

McCain war als Pilot der US-Navy in Vietnam in Gefangenschaft geraten und von den Vietcong gefoltert worden. Als Politiker sprach er sich immer wieder gegen Folter aus. Er warb zudem dafür, dass das umstrittene Gefangenenlager Guantánamo geschlossen wird.

Trumps Vorgänger Barack Obama reagierte mit einer emotionalen Stellungnahme auf den Tod.

“Wenige von uns wurden so herausgefordert, wie John es einst wurde, oder mussten den Mut zeigen, den er gezeigt hat”, hieß es am Samstagabend (Ortszeit) in einer Erklärung Obamas.

“Aber wir alle können den Mut haben, das Wohl der Allgemeinheit über unser eigenes zu stellen.” McCain habe in seinen besten Zeiten gezeigt, wie das gehe. “Und dafür stehen wir alle in seiner Schuld”, fügte Obama hinzu.

Obama und McCain traten im Präsidentschaftswahlkampf 2008 gegeneinander an. Der Demokrat gewann die Wahl. 

Auch Bush wird emotional

Auch Ex-Präsident George W. Bush äußerte sich bewegt zum Tode seines Parteikollegen. Bush ließ mitteilen:

“Manche Menschenleben sind so strahlend, dass es schwerfällt sich vorzustellen, sie könnten enden. Einige Stimmen sind so kräftig, dass man nur schwer glauben kann, sie könnten verstummen. John McCain war ein Mann von tiefer Überzeugung und ein Patriot höchsten Ranges.”

Demokrat und Vize-Präsident unter Obama, Joe Biden, twitterte:

“John McCains Leben ist der Beweis, dass einige Wahrheiten zeitlos sind. Charakter, Mut, Integrität, Ehre. (...). Er hat nie die Sicht auf das verloren, an was er am meisten geglaubt habe: Zuerst das Land.”

US-Verteidigungsminister James Mattis sagte:

“Wir haben einen Mann verloren, der unerschütterlich die höchsten Ideale unseres Landes repräsentierte. (...). Senator McCain stellte den Dienst an der Nation immer vor sich selbst. Er erkannte, dass einflussreiche und leidenschaftliche Menschen dienen müssen, um unser Demokratie-Experiment lange andauern zu lassen.”

(ujo)