POLITIK
25/02/2019 10:38 CET | Aktualisiert 27/02/2019 11:10 CET

Trump könnte Kim ein "Vietnam-Angebot" machen: Das steckt hinter dem Plan

Auf den Punkt.

ANTHONY WALLACE via Getty Images
Trump und Kim treffen sich erneut.

Noch herrscht Krieg. Noch.

Die USA und Nordkorea könnten sich nach Einschätzung des südkoreanischen Präsidialamtes noch in dieser Woche auf eine Erklärung über ein formelles Ende des Korea-Krieges einigen.

“Ich denke, das ist möglich”, sagte ein Sprecher von Präsident Moon Jae-in laut Berichten südkoreanischer Sender am Montag in Seoul.

US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un wollen sich an diesem Mittwoch und Donnerstag in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi zu ihrem zweiten Gipfel treffen. Ein Schwerpunkt ist dabei die atomare Abrüstung Nordkoreas.

Was Trump Kim womöglich anbietet: Studie: Ost-Bundesländer sind für Asylbewerber zehnmal

Die USA wollen das klare Bekenntnis Nordkoreas zur vollständigen Denuklearisierung. Beim ersten Gipfel im Juni hatte Kim zwar Offenheit signalisiert, Taten jedoch ließ er nicht folgen.

Es fehlten konkrete Zusagen, bis wann Nordkorea sein Atomwaffenarsenal abbaut. Zuletzt gab es Berichte, dass Nordkorea sogar eine weitere Langstreckenbasis in Betrieb genommen habe.

Trump, so analysiert es der US-Sender CNN, könnte dem Land eine Modell à la Vietnam bieten. Das würde bedeuten: Eine Transformation vom verbitterten Feind der USA zu einem wichtigen Partner – mitsamt Marktöffnung und US-Subventionen.

Alles, was Trump dafür verlangen könnte, wäre der Verzicht auf Atomwaffen.

Wieso Nordkorea wohl nicht anbeißt: Studie: Ost-Bundesländer sind für Asylbewerber zehnmal

Van Jackson, ehemaliger Pentagon-Insider und Korea-Experte, sagte dem Sender, erfolgversprechend sei dieses Angebot aber nicht. 

“Es gab in der Geschichte viele – ich selbst weiß von einem halben dutzend – Versuche, wichtige nordkoreanische Staatsbeamte einzufliegen und ihnen zu zeigen, wie kapitalistische Industrie aussieht. Ihnen wurde die Börse in New York gezeigt oder irgendein Technologielabor im Sillicon Valley”, erklärte Jackson.

Gewirkt aber habe all das nicht.

Experten glauben zudem: Ausgerechnet der Fakt, dass Nordkorea Atomwaffen besitzt, hindert das Land daran, sich auf einen Vietnam-Deal einzulassen.

►  Nordkorea sehe sich als mächtige Nation. Kim wisse, dass er Druck auf die USA aufbauen kann – allein aufgrund seines Waffenarsenals.

►  Gleichzeitig sei sich Kim bewusst, dass eine Aufgabe der Waffen ein erster Schritt zur eigenen Entmachtung ist – die Regime-Change-Politik der US-Vergangenheit ist auch in Nordkorea berüchtigt. 

Ein nordkoreanischer Diplomat sagte schon im vergangenen Jahr der “Zeit”: “Trump erzählt seinem Volk etwas von Denuklearisierung, weil der denen so etwas sagen muss. Aber wir werden das niemals tun.”

Thae Yong Ho, ehemaliger stellvertretender nordkoreanischer Botschafter in Großbritannien wiederholte am Donnerstag: “Kein Geld der Welt wird Nordkorea davon überzeugen, sie aufzugeben.”

Wieso es dennoch Hoffnung gibt: Studie: Ost-Bundesländer sind für Asylbewerber zehnmal

Dennoch gibt es Hoffnung auf einen Schritt in Richtung Frieden.

Es sei unklar, wie eine solche Friedenserklärung genau aussehe, sagte der südkoreanische Sprecher. “Es gibt viele Methoden, und unsere Regierung würde jede Art von Erklärung über das Kriegsende begrüßen.”

Der Sprecher Moons betonte, dass der Weg bis zu einem Friedensvertrag noch lang sei. Die Unterzeichnung eines solchen Vertrages könne nur über multilaterale Verhandlungen erfolgen. 

Über eine Ausrufung des Kriegsendes durch US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong wird schon seit längerem spekuliert.

Die koreanische Halbinsel befindet sich völkerrechtlich noch im Kriegszustand, da seit dem Ende des Bruderkrieges von 1950 bis 1953 kein Friedensvertrag geschlossen wurde. Südkorea wurde im Krieg von UN-Verbänden unterstützt, die von den USA angeführt wurden, Nordkorea von chinesischen “Freiwilligentruppen”.

Auf den Punkt: Studie: Ost-Bundesländer sind für Asylbewerber zehnmal

Die US-Delegation fliegt mit großen Zielen nach Hanoi und mit einer Vorstellung für langfristige Beziehungen zu Nordkorea, die wohl an der eigenen Historie angelehnt sind.

Realistisch ist eine Transformation Nordkoreas im Stile Vietnams derzeit aber nicht. Und so deutet viel darauf hin, dass der diplomatische Fortschritt diese Woche kaum messbar sein wird.

(jg)