POLITIK
17/12/2018 12:56 CET | Aktualisiert 17/12/2018 16:05 CET

Historiker: Trump verfolgt "Plan einer fremden Macht" – mit Folgen für Deutschland

Eine andere Macht ist dabei, den Platz der USA auf der Weltbühne einzunehmen.

  • US-Präsident Donald Trump sorgt mehr und mehr für Fassungslosigkeit bei westlichen Verbündeten.
  • Historiker Michael Stürmer zeigt in der “Welt” dramatische Folgen dieses Handelns auf.
  • Im Video oben seht ihr einen weiteren Beweis für Trumps fragwürdiges Verhalten: Er zofft sich vor laufenden Kameras mit dem Demokraten Chuck Schumer.

Sorge vor einem Handelskrieg mit China, ein Pakt mit dem türkischen Despoten Erdogan und eine rätselhafte Haltung gegenüber Russland: US-Präsident Donald Trump sorgt an allen außenpolitischen Fronten für Fassungslosigkeit.

Nicht nur bei Regierungschefs westlicher US-Verbündeter, sondern auch bei politischen Beobachtern – wie dem Historiker Michael Stürmer, der in der aktuellen Ausgabe der “Welt” seine vernichtende Analyse zu Papier gebracht hat.

Mit Blick auf die Amtszeit von Donald Trump schreibt er: Die “Zeit geordneter Kompetenzen und Machtverhältnisse ist vorbei – wahrscheinlich auf lange Zeit.”

“Trump feuert nach Gutsherrenart”

Trump verhalte sich, “als handele er nach dem Spielplan einer fremden, feindlichen Macht” – unabhängig davon, ob der US-Präsident nun der illegalen Zusammenarbeit mit den Russen bei der Wahl überführt werde oder nicht.

Für diese These bringt der Historiker in der “Welt” mehrere Gründe hervor:

► Die Liste an verschlissenem Polit-Spitzenpersonal ist lang – erst in der vergangenen Woche kündigte US-Innenminister Ryan Zinke seinen Rücktritt an. “Trump feuert nach Gutsherrenart”, schreibt Stürmer.

► Außerdem seien viele zentrale Stellen in der Administration unbesetzt, weswegen viele noch rätseln, “wie die Weltmacht noch einmal Weltpolitik gestalten will, wo es an Geld, Fachleuten und Welterfahrung im globalen Maßstab fehlt.”

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Trump: Historiker vermutet "Plan einer feindlichen Macht" – mit Folgen für Deutschland.

 

Trump räumt das Feld für Putin

► Das Urteil: Amerikas Verbündete – auch Deutschland – müssten erfahren, dass die Sicherheit garantierende Weltordnung unter US-Vorherrschaft zu Ende ginge. “Und Doktrinäre machen sich daran, die Reste an Weltorientierung vollends zu zerschlagen.”

Die dramatische Folge: “Je mehr Washington sich selbst demontiert, desto mehr will Russland wieder Weltmacht sein.” Trump bestellt also das Feld für die Russen – gewollt oder nicht.

Präsident Wladimir Putin werde es nicht versäumen, daraus weltweit, “vor allem im Blick auf Europa, Gestaltungsmacht zu gewinnen”, schreibt Stürmer in der “Welt”.

Putins “russischer Raum”

Die Chancen, dass daraus neorussische Vormacht über Europa werde, steige, je mehr Washington sich in sich selbst zurückziehe.

“Gemeint ist vor allen Dingen die Ukraine, aber der Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Der russische Raum, den Putin meint, „Russki Mir“, ist grenzenlos unbestimmt”, schreibt der Historiker.

Ähnlich argumentierte vor wenigen Tagen der im Exil lebende Michail Chodorkowski, der als einer der größten Kritiker des russischen Präsidenten gilt.

Im Interview mit dem “Deutschlandfunk” erklärte er, dass Putin an einer “Schwächung Europas” interessiert sei. Er betreibe hybride Kriegsführung, indem er sowohl extrem rechte wie linke Kritiker im Westen unterstütze:

“Das was Putin in Syrien, Amerika, in der Ukraine oder in Deutschland macht, entspricht dem Verhaltensmuster von Kriminellen.“

Chodorkowski stellte klar, dass der Kreml nicht mit Russland gleichzusetzen sei. Die Zerstörung der jahrhundertealten deutsch-russischen Beziehungen wäre ein grandioser Fehler, sagte er.