POLITIK
12/09/2018 12:59 CEST

Trump-Buch "Fear": Die 5 brisantesten Enthüllungen über den US-Präsidenten

Die skurrilsten und besorgniserregendsten Passagen aus Bob Woodwards Buch auf den Punkt gebracht.

MANDEL NGAN via Getty Images
Donald Trump kommt im Buch "Fear" von Journalist Bob Woodward nicht gut weg. 

“Ah, dann wird das wohl ein negatives Buch.” 

So reagierte Donald Trump in einem Telefongespräch mit dem Journalisten Bob Woodward auf dessen Aussage, das sein Buch “Fear” einen schonungslosen Blick auf die Vorgänge im Weißen Haus zeigen würde. 

“Macht nichts”, sagte Trump noch zu Woodward. “Manche Bücher sind gut, manche schlecht.” Wenige Tage nach Veröffentlichung der Aufnahme des Telefonats durch die “Washington Post” bezeichnete Trump Woodward als Lügner und sein Buch als “langweilig” und als “Schwachsinn”. 

Der US-Präsident wusste wohl, was auf ihn zukommt

Seit Dienstag ist Woodward’s Buch “Fear” auf dem Markt. Es zeichnet ein Bild von Trump, dass ihn als seinem Amt weder geistig noch moralisch gewachsen zeigt. 

Die brisantesten Passagen aus dem Buch – auf den Punkt gebracht: 

1. Donald Trump hätte im Wahlkampf beinahe alles hingeworfen 

Es war der Moment im US-Wahlkampf, der alle Beobachter sicher sein ließ: Die Kampagne von Donald Trump ist vorbei. 

Als das sogenannte “Access Hollywood”-Tape öffentlich wurde, auf dem Trump zu hören ist, wie er damit prahlt, Frauen ungefragt an die Genitalien zu fassen, schien das ein Skandal, den niemand überstehen könne – erst recht kein Präsidentschaftskandidat. 

Trump wurde kurze Zeit später trotzdem zum US-Staatsoberhaupt gewählt. Doch laut Woodward war Trump nach Erscheinen des Videobands kurz davor aufzugeben. 

Reince Priebus, Trumps späterer Stabschef im Weißen Haus, sagte Trump: “Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder du gibst sofort auf oder du wirst die größte Niederlage der Geschichte erleiden und dein Leben lang gedemütigt sein.” 

Priebus habe Trump laut Woodward berichtet, dass der heutige Vize-Präsident Mike Pence bereit sei, den Kandidatenposten zu übernehmen – und Condoleezza Rice, die ehemalige Außenministerin, als Vizekandidatin antreten könne. 

Trump-Beraterin Kellyanne Conway habe vorgeschlagen, ein TV-Interview zu arrangieren, in dem Trump alles beichten und sich entschuldigen würde. 

Weder zum einen noch zum anderen kam es – auch, weil Stephen Bannon Trump laut Woodward überzeugte, dass er noch gewinnen könne. 

2. Donald Trump hat absolut keine Ahnung von Handelspolitik 

Trump erzählt seinen Anhängern regelmäßig, er sei “der Beste, was das Geschäftemachen angeht”. Niemand verstehe so viel von der Wirtschaft und dem Handel wie er. 

Woodwards Buch beschreit das genaue Gegenteil: Einen US-Präsidenten, der einfachste ökonomische Zusammenhänge nicht begreifen will. 

So sei Trumps ehemaliger Wirtschaftsberater Gary Cohn entgeistert darüber gewesen, wie wenig der US-Präsident verstünde. Trump hatte seinen Wählern versprochen, die Staatsschulden abzubauen und die Neuverschuldung zu minimieren. 

Laut Woodward schlug er Cohn vor: “Schmeiß einfach die Pressen an – druck mehr Geld.” Cohn musste Trump erklären, dass ein Land nicht einfach mehr Geld drucken kann – wegen der Inflation. 

An einer anderen Stelle im Buch flucht der Berater: “Das Problem ist, dass Peter [Navarro, einer weiterer und extrem umstrittener Wirtschaftsberater Trumps, Anm. d. Red.] reinkommt und irgendein Zeug redet, dass er nicht mit Fakten belegen kann. Ich habe die Fakten.” 

Trump hörte trotzdem auf Navarro. Zwischendurch ging Cohn sogar dazu über, Dokumente von Trumps Schreibtisch zu klauen, damit der US-Präsident sie nicht unterschreiben könne.

Cohn kündigte schließlich in diesem März. 

3. Donald Trump hat Angst vor Sonderermittler Robert Mueller 

Auf Twitter ist US-Präsident Trump mutig: Immer wieder attackiert er die Unabhängigkeit der Justiz, um sich über die von Sonderermittler Robert Mueller geführten Ermittlungen in der Russland-Affäre auszulassen. 

Die Ermittlungen gegen ihn und sein Team seien eine “Hexenjagd”, schreibt Trump immer wieder. Er habe nichts Unrechtes getan und nichts zu befürchten. 

In “Fear” ließt sich das jedoch anders. 

Denn laut Woodwards Darstellung hat Trump Angst, ja nahezu Panik vor Mueller. Der Journalist beschreibt die Sorgen des ehemaligen Trump-Mitarbeiters Rob Porter, der Trump als “sichtlich verstört” beschrieben habe. 

Trump habe laut Porter stundenlange Wutanfälle gehabt und sei eindeutig paranoid geworden. “Sie wollen mich kriegen”, soll Trump gesagt haben. “Ich muss mich wehren, ich muss zurückschlagen.” 

Schon zu Beginn seiner Amtszeit habe Trump laut Woodward diese Haltung an den Tag gelegt. Als Justizminister Jeff Sessions sich in den Ermittlungen für befangen erklären wollte, habe Trump gewütet, dass Sessions lieber ihn beschützen solle. 

4. Donald Trump hat keine Ahnung von Außenpolitik und dem Militär

Es ist ein besonders brisanter Einblick in die Denkweise des Präsidenten der Vereinigten Staaten: Woodwards Beschreibungen zu Trumps Verhalten in der Außenpolitik – und besonders zum Krieg in Afghanistan

Während eines Meetings soll Trump gefragt haben: “Wir haben hier all diese Grafiken. Wann gewinnen wir endlich Kriege. Warum quält ihr mich mit diesem Kram?”

Bei dem Treffen, das laut Woodward vor dem August 2017 stattfand, habe das Weiße Haus seine Afghanistan-Strategie präsentiert. Trump sagte demnach: “Ihr solltet Menschen töten. Man braucht keine Strategie, um Menschen zu töten.” 

Woodward berichtet auch von einem weiteren Zusammenkommmen, diesmal zwischen Trump und dem republikanischen Senator Lindsey Graham, der zuvor in Afghanistan war.

Graham habe seinen Unmut über die fehlende Strategie in dem Land zur Sprache gebracht. Die USA hatten zu diesem Zeitpunkt nicht einmal einen Botschafter in Afghanistan. 

Trump schlug laut Woodward vor, Graham könne Botschafter in Pakistan werden. Der Senator lehnte ab. 

5. Donald Trump offenbart einmal mehr seinen Frauenhass

Woodward offenbart in seinem Buch einmal mehr, wie frauenfeindlich der Präsident der USA ist.

Denn der Journalist berichtet über einen Ratschlag, den Trump einem von seinen Bekannten gegeben habe – einen Ratschlag darüber, wie dieser Bekannte mit Frauen umzugehen habe, falls diese ihm eine Affäre oder sexistische Übergriffe vorwerfen. 

“Du musst es leugnen, leugnen, leugnen und Druck gegen diese Frauen aufbauen”, sagte Trump laut Woodward. “Wenn du auch nur irgendetwas zugibst, bist du tot.”

Trump soll weiter gesagt haben: “Das war dein großer Fehler, du hast sie nicht herausgefordert, du hast Schwäche gezeigt. Du musst stark und aggressiv sein.” 

Es ist der Ratschlag eines Mannes, dem 17 Frauen sexuelle Belästigung oder Nötigung vorwerfen

Die Enthüllungen über Trump in “Fear” auf den Punkt gebracht”  

Der Journalist Bob Woodward hat für sein Buch mit mehreren führenden Mitarbeitern im Weißen Haus und mit Menschen aus Trumps direktem Umfeld gesprochen. 

“Fear” lässt Trump als das erscheinen, als das ihn die meisten Menschen wahrnehmen: aggressiv, naiv, paranoid und impulsiv. Trumps Mitarbeiter behandeln ihren Chef laut dem Buch wie ein Kind, auf das sie aufpassen müssen. 

Pikant: Der US-Präsident soll einmal zu seinem ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort gesagt haben: “Bin ich ein Baby?! Paul, glaubst du, ich bin ein Baby?!” 

Woodwards Buch lässt vermuten: Ja.

(mf)