POLITIK
23/12/2018 18:35 CET | Aktualisiert 31/12/2018 14:18 CET

Streit um Flüchtlinge: Ex-Bürgermeister erklärt, wie man der leisen Mehrheit Mut macht

HuffPost-Podcast – Folge 9: Markus Nierth

Jens Schlueter via Getty Images
Der ehemalige Tröglitzer Ortsbürgermeister Markus Nierth vor dem abgerannten Haus, in dem ursprünglich Asylbewerber ziehen sollten. (Archivaufnahme von April 2015)

Asylbewerber und Geflüchtete aufnehmen oder nicht?

Die Frage hat Tröglitz gespalten: Rechtsextreme und Einwohner zogen unter fremdenfeindlichen Parolen gemeinsam durch den kleinen Ort ganz im Südosten Sachsen-Anhalts. Zugleich demonstrierten aber auch Tröglitzer und Menschen aus der Umgebung gegen Ausländerhass und rechte Gewalt.

Als dann zu Ostern 2015 eine geplante Unterkunft für Asylbewerber brannte, wurde Tröglitz endgültig nicht nur deutschlandweit, sondern auch international bekannt.

Für den ehemaligen Tröglitzer Ortsbürgermeister Markus Nierth ist der Ort sinnbildlich für ähnliche Konflikte in vielen ostdeutschen Städten und Dörfern, wie er in der neunten Folge des HuffPost-Podcasts “Borschtsch & Bananenweizen” erzählt. Ihm zufolge ducke sich auch andernorts eine “schweigende Mehrheit” weg.

“Es ist eine Unart geworden, nicht über Unrecht zu sprechen”, sagt der Theologe und Trauerredner.  

Der HuffPost-Podcast:

Im Podcast “Borschtsch & Bananenweizen” spricht HuffPost-Redakteur Marco Fieber mit Vertretern aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur über Ostdeutschland, die dortigen Probleme und Herausforderungen, aber auch Besonderheiten und Erfolge. Wir nehmen die Hörerinnen und Hörer mit auf eine Reise: In einen Teil Deutschlands, der immer noch viel zu wenig Aufmerksamkeit erfährt. 

“Sie werden uns überrollen”

Nierth hat in Tröglitz erlebt, wie sich viele Nachbarn, Bekannte und selbst Freunde aus politischer Neutralität oder aus Angst von ihm abgewendet haben.

Seine Familie bekam zahlreiche Drohungen und stand monatelang unter Polizeischutz. Auch deshalb warnt der 49-Jährige eindrücklich: “Die Rechten werden uns überrollen, wenn sich ihnen niemand entgegenstellt.” 

Im Gespräch mit der HuffPost erklärt Nierth, wie Politik und Zivilgesellschaft die Bedenken der Bürger vor den “Fremden” thematisieren sollten. Wie sie zugleich angemessen auf den rechten Hass und die Lügen reagieren. Und wie man Menschen Mut macht, für Toleranz und Menschlichkeit einzustehen, auch wenn ihnen der Unmut einer lauten Minderheit entgegenschlägt.

Die Audio-Reportage aus Tröglitz hört ihr im folgenden Podcast, den ihr auch auf Spotify und bei iTunes abonnieren könnt:

HuffPost

Dieser Beitrag ist Teil des HuffPost-Adventskalenders. Hier stellen wir jeden Tag einen Menschen vor, der uns durch seine besondere Geschichte Mut macht. Alle Beiträge findet ihr hier.

(ujo)