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24/09/2018 17:12 CEST | Aktualisiert 25/09/2018 08:42 CEST

Das ist der häufigste Grund, warum Paare sich trennen

Es ist ein tödliches Gift...

Rawpixel via Getty Images
Unerfüllte Erwartungen können frustrierend sein – und zu einer Scheidung führen.

Kurz nachdem meine Frau und ich geheiratet hatten, haben wir an einem Seminar teilgenommen, bei dem es darum ging, wie man Opfer von Menschenhandel rehabilitieren kann (ich will hier nicht weiter ins Detail gehen – das ist eine andere Geschichte.)

In einem der Vorträge fragte der Redner die Zuhörer, was ihrer Meinung nach der häufigste Grund für Scheidungen sei. Da ich gerade eine voreheliche Beratung hinter mir hatte, fühlte ich mich wie ein Experte auf dem Gebiet. Ich ließ meine Hand nach oben schnellen, um die Frage zu beantworten und platzte heraus: “Sex, Geld und Kommunikation!” Dann sah ich meine Frau an und grinste. Das war zu einfach.

“Falsch”, rief der Redner zurück. “Das sind nur die Symptome des echten Problems.”

Autsch. Ich war verlegen.

Ich bekam nicht nur eine Lektion in Sachen Bescheidenheit – was folgte, sollte mein Leben für immer verändern. Ich sollte den besten Ehe-Tipp bekommen, den dieser junge, stolze, frisch verheiratete Kerl, der ich war, sich nur hätte wünschen können.  

► Er fuhr fort: “Der Grund, warum Ehen in Scheidungen enden, ist, dass Menschen Erwartungen haben, die nicht erfüllt werden.” 

Ich war fassungslos.

Unerfüllte Erwartungen sind ein tödliches Gift

Mein frisch verheiratetes Jungspund-Gehirn konnte diese Offenbarung nicht verkraften. Ich kann mich an Vieles, was danach gesagt wurde, nicht mehr erinnern. Ich war zu beschäftigt damit, im Kopf all die unerfüllten Erwartungen durchzugehen, die ich schon erlebt hatte, nachdem ich gerade einmal vier Wochen verheiratet war.

Seit diesem Seminar vor sechs Jahren habe ich sehen können, wie viel Schmerz und Frustration aus unerfüllten Erwartungen hervorgehen können – nicht nur in der Ehe, sondern in allen Beziehungen. Es ist ein tödliches Gift, das mitten ins Herz fließt und verheerende Schäden an Beziehungen anrichtet.

Doch unerfüllte Erwartungen zu haben, ist nicht nur ein Problem in der Ehe. Es ist ein Lebensproblem.

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Es ist völlig egal, ob du Single, verheiratet, angestellt, arbeitslos, alt, jung, oder (hier bitte weitere Zielgruppe einsetzen) bist. Erwartungen zu haben, die nicht erfüllt werden, ist für jeden tödlich. Niemand ist immun.

► Also was ist die Lösung?

Ich bin ein Mathe-Typ. Ich liebe Gleichungen. Ich liebe es, mich mit Zahlen zu befassen und ich habe Algebra und Integralrechnung in der Schule geliebt (Obwohl ich heutzutage vermutlich nicht mal ein Integral-Rechenaufgabe lösen könnte, wenn mein Leben davon abhinge). Ich kam also auf folgende Gleichung: 

Erwartung – Beobachtung = Frustration

Um es verständlicher zu machen, habe ich zwei hypothetische Situationen aufgeschrieben.

1. Erwartungen

Wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme, erwarte ich, dass meine Frau das Abendessen vorbereitet hat, wir uns als Familie an den Tisch setzen und gemeinsam essen. Sie würde eine saubere Schürze tragen (weil sie einfach perfekt ist) und ihre Haare wären hübsch zurechtgemacht.

Währenddessen würde meine 16 Monate alte Tochter in ihrem Hochstuhl sitzen und mit Besteck essen – ohne dabei je ihren Mund zu verfehlen, was das Saubermachen nach der Mahlzeit zum Kinderspiel machen würde.

Nachdem wir alle gleichzeitig aufgegessen hätten, würden wir raus gehen und einen gemeinsamen Spaziergang machen, während unser Butler die Küche aufräumt und unser Heim für abendliche Aktivitäten herrichtet.

2. Beobachtung

Ich komme eine halbe Stunde zu spät von der Arbeit und an das Abendessen wurde noch nicht einmal gedacht – geschweige denn mit der Vorbereitung begonnen.

Aus diesem Grund schreit mein Kleinkind sich die Seele aus dem Leib und fordert “Mehr! Bitte! Essen!” Ich suche nach meiner Frau und und treffe sie bei dem Versuch an, ein Design-Projekt fertigzustellen, dessen Deadline längst abgelaufen ist.

Als ich sie frage, was es zu essen gibt, schaut sie mich mit einem Blick an, der nur von einer überarbeiteten, übermüdeten Homeoffice-Mama kommen kann (er kann deine Pupillen verbrennen, so die Legende).

Nachdem ich also mein Kind eingesammelt habe, gehe ich in die Küche und finde... nichts. Alles, was ich noch auftreiben kann, ist Brot und Käse. Und weil ich eben so ein großartiger Koch bin, schreie ich “Käsesandwich!”. Ich setze meine Tochter in ihren Hochstuhl, wo sie plötzlich einen Schreianfall bekommt.

Schnell schnappe ich mir das Apfelmus und drücke es ihr in die Hand, um sie zu besänftigen. Für den Moment funktioniert diese Strategie.

Endlich fange ich mit der Zubereitung meiner Käsesandwichs an.

Wir essen, die Küche ist das reinste Chaos.

Spielzeug fliegt durch das Wohnzimmer und wartet nur darauf, jemandem beim Drauftreten den Knöchel zu brechen.

Meine Frau und ich lassen uns aufs Sofa fallen, vermeiden Augenkontakt und drücken uns davor, die Küche zu säubern.

Ich könnte noch mehr erzählen, aber ich denke, ihr versteht, worauf ich hinaus will.

3. Der entscheidende Faktor ist die Frustration

Was ich sagen will, ist: Unsere Erwartungen können genau das Gegenteil von dem sein, wie unser Leben tatsächlich verläuft. (Keine Sorge: Keinesfalls sieht mein ganzes Leben so aus, wie das oben beschrieben Szenario. Es ist manchmal ganz anders, manchmal stark übertrieben und manchmal auch genau so.)

Schon Antonio Banderas hat gesagt: “Erwartung ist die Mutter aller Frustration”.

Warum es wichtig ist, das zu verstehen: Wir haben oft Erwartungen, die nicht erfüllt werden – und dann sind wir frustriert. Der Punkt ist allerdings: Das müssen wir nicht sein.

Stelle deine Erwartungen zurück

Hier ist mein Geheim-Tipp: Stelle deine Beobachtungen über deine Erwartungen.

In anderen Worten: Lass die Dinge passieren.

Andere würden empfehlen, gar keine Erwartungen zu haben, aber so weit würde ich nicht gehen. Ich denke, gesunde, realistische Erwartungen, die kommuniziert werden, sind etwas Gutes und Erstrebenswertes.

Aber wenn du in eine Situation kommst, in der deine Erwartungen nicht erfüllt werden, dann stelle sie zurück und lass deine Beobachtungen die Führung übernehmen. Akzeptiere die Realität.

Du hast es satt, ständig frustriert zu sein? Dann lass deine Erwartungen links liegen und konfrontiere dich mit der Realität. Danach sprichst du am besten die Person an, die in deine Erwartungen mit involviert ist, um die Ursachen und Gründe zu diskutieren. 

Der Beitrag erschien zuerst auf Derek Harveys Blog und wurde von Ginalouisa Metzler aus dem Englischen übersetzt.

(ak)