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02/01/2019 14:07 CET | Aktualisiert 02/01/2019 14:07 CET

Traumberuf oder Burnout-Factory: Der Unfallchirurg

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Chirurgen bei der Arbeit

Mediziner müssen sich nach ihrem sechsjährigen Studium spezialisieren, sprich einen Facharzttitel erwerben. Während des Studiums, das sie mit der Approbation abschließen, haben sie bereits einen intensiven Einblick in das breite Spektrum der Medizin erhalten. Darauf fußt die Wahl der Fachrichtung. Kompetenzen in seinem Fachbereich erwirbt der Arzt in Ausbildung in seiner Facharztweiterbildung, die in der Regel fünf bis sechs Jahre dauert. In dieser Zeit hat der Mediziner die Stellung eines Assistenzarztes. Um die abschließende Facharztprüfung zu bestehen, muss er Untersuchungen und Operationen selbstständig durchführen können.

Wer sich bei seiner Facharztausbildung für die allgemeine Chirurgie entschieden hat, kann sich anschließend in den Fachbereichen Orthopädie/Unfallchirurgie, Bauch- oder Gefäßchirurgie spezialisieren.

Facharztausbildung Unfallchirurgie

Diese Schwerpunkt-Weiterbildung für bereits auf den Bereich Chirurgie spezialisierte Ärzte dauert weitere 36 Monate. Innerhalb von zwölf Monaten lernt der Arzt den Alltag in der Notaufnahme kennen, zwölf weitere Monate arbeitet er auf der Intensivstation und weitere 12 Monate im OP.

Innerhalb dieser Qualifikation erlangt der Mediziner umfassende Kenntnisse und Fertigkeiten bei der Behandlung von Schwer- und Mehrfachverletzten, im Umgang mit Traumata und der Notfallversorgung. Außerdem beherrscht er nach absolvierter Weiterbildung essentielle Fähigkeiten in Vorbeugung und Erkennung, Nachsorge und Rehabilitation von Verletzungen und deren Folgezuständen sowie von angeborenen und erworbenen Fehlbildungen, Funktionsstörungen und Erkrankungen der Stütz- und Bewegungsorgane.

Grundsätzliche Fähigkeiten im Bereich Unfallchirurgie

Die Weiterbildung und vor allem die Berufspraxis der Orthopädie und Unfallchirurgie erfordert ein hohes Maß an Notfallkompetenz. Ein Unfallchirurg ist der Erste, der einen Verletzten behandelt. Daher ist es enorm wichtig, dass die Erstdiagnose so schnell und umfassend wie möglich erfolgt, da aufgrund dessen entschieden wird, welche Fachärzte noch hinzugezogen werden. Er muss also sowohl in der Lage sein, alle Verletzungen nach einem Unfall auf der Autobahn kompetent zu diagnostizieren als auch einen Herzinfarkt zu erkennen.

Bei seiner Anamnese checkt der Unfallchirurg den kompletten Körper des Patienten und übernimmt auch das Notfallmanagement, er braucht also ein enorm starkes Nervenkostüm und einen stets kühlen Kopf. Denn die profunde Grundversorgung hängt allein vom Unfallchirurgen ab. Ein sehr breites medizinisches Wissensspektrum ist also essentiell.

Zudem sollte ein Unfallchirurg manuell sehr geschickt sein.

Traumberuf unter Albtraumbedingungen?

Da viele Unfallchirurgen unter langen Arbeitszeiten und enorm viel Büroarbeit im Klinikalltag leiden, lassen sich immer mehr Fachärzte mit dieser Spezialisierung in Praxen nieder. Der Druck, immer mehr Operationen in immer kürzerer Zeit durchzuführen und ansonsten wenig Patientenkontakt zu haben, macht schon nach kurzer Zeit mürbe. Auch die Work-Life-Balance kommt bei dem Schichtdienst schnell in Schieflage, so dass Familie und Freundeskreis mit dem Beruf schwerlich zu vereinbaren sind. Zudem sind Überstunden die Regel, ein Alltag also nicht zwingend planbar.

Mit einer spezialisierten Praxis für Chirurgie und Orthopädie schließen sich viele versierte Unfallchirurgen zusammen, um von der fachlichen Zusammenarbeit und therapeutischen Ergänzung zu profitieren. Hier können die Mediziner außerdem die menschliche Komponente ihres Berufes erfahren, die in Kliniken oft ausbleibt: Patienten werden über einen längeren Zeitraum hinweg behandelt und somit auch begleitet, was den Arzt langfristig motiviert.