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28/03/2018 19:19 CEST | Aktualisiert 28/03/2018 19:19 CEST

Traditioneller Lebenslauf oder Mobile Recruiting?

Mobile Recruiting für Generation Y und Z

 

Wie kommen Sie zum erfolgreichen Bewerbungsgespräch? Fotolia ©Antonioguillem

Seit Februar 2018 liegt die Arbeitslosenzahl in Deutschland erstmals seit 1989/90 unter 2,5 Mio. Menschen. Der Fachkräftemangel ist ungebrochen und Analysten rechnen für 2018 mit einem weiteren Boom auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Für Jobbewerber war es lange nicht mehr so einfach, einen guten Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu bekommen.

Arbeitsmarkt boomt, - wie bewerben?

Doch auch bei interessanten Jobchancen muss man sich nach wie vor bewerben, um für die Position in Betracht zu kommen. Hier ist der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren in Bewegung gekommen. Denn neben der traditionellen Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen in Printform hat die Digitalisierung das Bewerbungsmanagement nachhaltig verändert.

Mobile Recruiting für Generation Y und Z

Unternehmen und Online-Jobbörsen bieten die Jobs nicht länger allein auf den eigenen Webseiten an oder verschicken Job-Newsletter per SMS. Heute werden auch Social-Media-Kanäle wie Xing, Twitter, Facebook, YouTube oder LinkedIn mit Jobangeboten bespielt. Mobile Recruiting setzt ganz auf die medialen Konsumgewohnheiten der Generationen Y und Z. Das bedeutet, die digital Natives sind jederzeit per Smartphone oder Tablet erreichbar. Wer entsprechende Apps nutzt, bekommt aktuelle Jobangebote, die der eigenen Vorauswahl entsprechen, jederzeit zugesandt. Ein Fingerstrich genügt, und ein anderes Angebot wird angezeigt.

Nicht jede Info läuft über das Smartphone

Oft können der eigene Lebenslauf und andere Bewerberdaten für einen Jobanbieter sichtbar hinterlegt werden. Doch bei anspruchsvolleren Ausschreibungen oder einem komplexeren Ausbildungshintergrund sind mit dem Smartphone-Display Grenzen erreicht. Der Austausch weiterer Daten und die nähere Kontaktaufnahme muss über einen stationären Rechner erfolgen.

Zeit- und Effizienzvorteile durch E-Recruiting für Unternehmen

Mobile Recruiting kann ein sehr schneller Bewerbungsservice und eine hilfreiche Vorauswahl für beide Seiten sein. Die Schwachstelle von Bewerbungsmanagementsystemen bleiben aber weiterhin die Eingabeflächen für das E-Recruiting. Um Unternehmen und Bewerbern Zeit- und Vergleichsvorsprünge zu ermöglichen, müssen diese Tools standardisiert sein. Genau dies nimmt Bewerbern allerdings die Möglichkeit, sich über Alleinstellungsmerkmale zu profilieren.

Mehraufwand und weniger USPs für Bewerber

Entsprechend gering ist die Akzeptanz von Bewerbungsmasken von einzelnen Arbeitgebern, in die Jobbewerber ihre Lebenslaufdaten eingeben sollen. Bei häufigen Bewerbungen müsste der eigene Lebenslauf wiederholt eingegeben und angepasst werden, was für den Jobsuchenden wenig effizient ist. Unverändert gibt es bei einer Stellenausschreibung viele Daten auszutauschen. Doch wer das Format dafür bestimmt, ist dabei meist im Vorteil.

Personaler arbeiten On- und Offline

Mittlerweile bevorzugt die Mehrzahl der Personalverantwortlichen Online-Bewerbungen gegenüber Papiermappen. Sie vereinfachen die Vorauswahl, sind leichter zu vergleichen und schneller zu entsorgen. Doch die Personalabteilungen wissen ebenso: die interessanteren Bewerbungen kommen meist per Post. Es muss keine Frage der Überzeugung sein, eine klassische Bewerbung vorzulegen. Für manchen Personaler ist dies im Kurznachrichtenzeitalter bereits ein Statement.

Ob Print oder Netz: es geht um Aufmerksamkeit

Ob Mobile Recruiting App oder persönliches Anschreiben: zunächst geht es einem Jobbewerber stets um die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Inwieweit hierfür bereits der ganze Lebenslauf geprüft worden sein muss, hängt von den Vorstellungen der Unternehmen ab.

Mobile Recruiting setzt auf Spontanität und Geschwindigkeit

Mobile Recruiting steht hier für ein spontaneres und agileres Jobmanagement, dass mehr auf Impulse und Motivation vertraut, als Sachdetails vor einem Bewerbungsgespräch abzuklären. Das ist nicht gleichbedeutend mit größerer Oberflächlichkeit, der Bewertungsfocus richtet sich nur weniger auf Hintergrundqualifikationen und nimmt stattdessen die Soft Sills des Bewerbers in den Blick. Die höhere Gewichtung sozialer Kompetenzen erfüllt im Bewerbungsmanagement zeitgemäße Erwartungen an Verantwortung und Leistungsbereitschaft.

E-Recruiting erreicht jüngere Zielgruppe

In diesem Sinne ist der mobile Bewerbungsweg ein modernerer und tatsächlich auch ein anderer, als der durch die traditionelle Personalabteilung. Derzeit erreichen Unternehmen mit Mobile Recruiting über Apps oder Social Media nur eine jüngere Zielgruppe. Für die Stellenausschreibungen eines größeren Unternehmens ist dies nicht ausreichend. Längerfristig ist allerdings davon auszugehen, dass bald alle Bewerber als digital Nativs gelten können und E-Recruiting zum dominierenden Bewerbungsverfahren wird.

Print und Design behalten ihre Nische

Wer weiterhin auf Print, Mappe und individuelle Präsentation setzt, liegt damit bei höheren Positionen, kreativen und traditionellen Branchen sicher richtig. Doch insgesamt werden Bewerbermanagementsysteme solche Traditionalisten zurückdrängen. Letztlich kommt es weniger darauf an, womit jemand sich bewirbt, als wie es ihm gelingt. Denn wie das Marketing ist auch der Bewerbungsmarkt ein anhaltender Kampf um Aufmerksamkeit.

Bewerbungsmanagementsysteme erweitern das Bewerbungsspektrum

So verständlich das Bedürfnis der suchenden Unternehmen, hier Synergieeffekte der Datenerfassung nutzen zu wollen, so verständlich ist ebenso die gegenteilige Absicht der Bewerber, sich in Form und Inhalt voneinander abgrenzen zu wollen, um Unique Selling Propositions zu bieten. Mobile Recruiting bietet hier neue Spielarten, wird aber die unterschiedlichen Bewerbungsformen nicht gänzlich auflösen werden. Wenn es um Aufmerksamkeit geht, werden immer wieder neue Formen die jüngsten in den Schatten stellen – digital oder auch nicht.