WIRTSCHAFT
16/08/2018 06:58 CEST | Aktualisiert 16/08/2018 07:51 CEST

Top-Ökonom warnt nach Brückeneinsturz in Genua vor Gefahren in Deutschland

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NurPhoto via Getty Images

► Nach dem Brückeneinsturz in Genua warnt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, vor ähnlichen Risiken in Deutschland.

► “Meine Sorge ist, dass die deutsche Verkehrsinfrastruktur nicht wesentlich besser ist, als die italienische. Seit Jahren lebt Deutschland von der Substanz“, sagte Marcel Fratzscher der “Augsburger Allgemeinen” vom Donnerstag. 

► In einer Graphik auf Twitter veranschaulichte der Ökonom die Warnung: Die Nettoinvestitionen in Deutschland sind negativ. Das heißt: Es wird weniger Geld in Infrastruktur gesteckt, als die Straßen und Brücken an Wert verlieren. 

Darum ist die Warnung nach dem Drama von Genua wichtig: 

Noch ist die Frage nicht geklärt, wer für die Katastrophe in Genua die Verantwortung trägt. Beim Einsturz der Autobahnbrücke in Italien sind mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. 

Die Brücke wurde erst 2016 renoviert, allerdings warnte bereits damals ein Experte, die Konstruktion sei ein “Versagen der Ingenieurwissenschaft”.

Das Unglück zeigt, wie wichtig zukunftssichernde Investitionen in die Infrastruktur sind. Fratzscher ist mit seiner Warnung auch nicht allein. Der Bauingenieur Richard J. Dietrich sagte dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland”:

“Unsere Brücken verrotten gefährlich, ein Einsturzrisiko kann inzwischen nicht mehr ausgeschlossen werden.”

Was Fratzscher nun fordert: 

Deutschland brauche zusätzlich bis zu zehn Milliarden Euro um auch nur den Wert der Verkehrsinfrastruktur zu erhalten. “Auch im internationalen Vergleich steht Deutschland schlecht da”, warnte Fratzscher.

Er fordert einen Schuldenschnitt für finanzschwache Kommunen und eine Investitionsregel, die vorschreibt, dass Bund, Länder und Kommunen netto mehr investieren als der Substanzverlust beträgt.

(ame)