LIFESTYLE
01/02/2018 17:25 CET | Aktualisiert 01/02/2018 17:35 CET

"Ich war in meinem früheren Leben auf der Titanic – das habe ich gesehen"

"Ich habe Angst."

  • Ich habe mich einem Selbstversuch unterzogen
  • Mit Hilfe eines Hypnose-Therapeuten habe ich herausgefunden, dass ich in meinem früheren Leben auf der Titanic gewesen sein soll
  • Im Video oben hört ihr die Tonbandaufnahme, die unter Trance entstanden ist 

Mir ist kalt, ich friere. Ich höre Menschen schreien, aber ich sehe sie nicht. Obwohl die Stimmen von überall herkommen.

Ich würde gerne hier weg, aber ich kann nicht. Ich schwimme im eiskalten Atlantik, mir geht langsam die Kraft aus. Und dann sehe ich es. Vor meinen Augen sinkt gerade das größte Kreuzfahrtschiff seiner Zeit: die Titanic.

Wir schreiben die Nacht des 15. April 1912. 76 Jahre vor meinem Geburtstag. Dennoch kann ich sehen, wie dieses Schiff sinkt. Ich befinde mich gerade nicht in meinem Schlafzimmer und habe einen schlechten Traum. Ich liege auf dem Sofa des Münchner Hypnose-Therapeuten Thomas Klinzner und bin in Trance. Alles, was ich in den nächsten zweieinhalb Stunden sagen werde, wird aufgezeichnet.

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, eine Wiedergeburt in einem anderen Körper, beschäftigt nicht nur Wissenschaftler und Gläubige. Es gibt hunderte Bücher zu dem mystischen Thema, Hollywood-Filme wurden produziert. Eine gesicherte Antwort gibt es bis heute nicht.

Mit der Hilfe des Therapeuten möchte ich herausfinden, wie wahrscheinlich ein Leben nach dem Tod ist. Lebe auch ich gerade eines und war zuvor schon auf dieser Welt? Als ein ganz anderer Mensch? Oder ist das Aberglaube?

Der Therapeut versetzt mich für den Selbstversuch in Trance. Dieser Vorgang dauert rund 15 Minuten. Anders als unter Hypnose weiß ich, dass ich auf dem Sofa in der Münchner Praxis liege. Ich bin im Jetzt, aber doch nicht mehr so ganz. Meine Beine und Arme spüre ich nicht mehr.

Mehr zum Thema: “Ich wollte wissen, wer ich im früheren Leben war - und sah, wie ein Mann mich vergiftete” 

Plötzlich heiße ich nicht mehr Bettina, sondern Fiona

Dann führt mich der Therapeut in mein Leben vor dem jetzigen.

Plötzlich bin ich nicht mehr in München, sondern irgendwo in Europa. Ich wache in einem Zimmer auf, das voll mit Möbeln ist. An dem sechsten Geburtstag von Fiona, so soll ich in meinem früheren Leben geheißen haben. Fiona hat viele Geschenke bekommen, dennoch wirkt sie nicht glücklich. Unter Trance verrate ich dem Therapeuten, dass Fionas Eltern gestorben sind und sie bei ihrer Großmutter aufwächst. Allerdings verstehen sich die beiden nicht sonderlich gut.

An Fionas sechstem Geburtstag sollte nichts Spannendes mehr passieren. Also entscheidet der Therapeut, mich zu dem nächsten wichtigen Ereignis in Fionas Leben zu führen. Aus dem kleinen Mädchen ist eine 17-Jährige geworden.

Die junge Frau will nach Amerika – auf einem großen Schiff im Frühjahr.

“Das Schiff brennt”

“Es ist dunkel, ich kann nichts sehen. Ich habe Angst”, höre ich mich auf den Tonbandaufnahmen sagen, die mir mein Therapeut im Anschluss mitgegeben hat.

Und ich friere.

“Es ist kalt und nass”, sage ich. “Menschen schreien.”

“Vor was hast du Angst”, fragt der Therapeut?

“Flammen, das Schiff brennt”, antworte ich ihm. Auf hoher See scheint ein Unglück passiert zu sein. Das Schiff, mit dem Fiona nach Amerika reisen wollte, um eine große Statue anzuschauen, sinkt.

Menschen springen von Bord ins eiskalte Wasser.  

Fiona selbst scheint ohne Schwimmweste in einem Rettungsboot zu sitzen, andere rudern es gerade von der Unglücksstelle weg. Das Boot ist total überfüllt.

Rettung scheint nicht in Sicht zu sein. Fiona weiß nicht, ob und wenn ja, wann ein anderes Schiff kommen wird.

1495 Menschen haben ihr Leben auf der Titanic verloren

Der Therapeut fragt, ob ich zum nächsten Ereignis in Fionas, also meinem früheren Leben springen will. Ich bekomme ein beklemmendes Gefühl: Was, wenn es gar kein nächstes Ereignis gibt? Was, wenn hier und jetzt auf diesem Rettungsboot Fionas Leben endet?

Kurze Zeit später erfahre ich, dass Fiona das Unglück überlebt hat und nach New York gezogen ist. Der Ort, an den sie das untergegangene Schiff eigentlich bringen sollte.

Nach der Rückführung fühle ich mich so schlapp als hätte ich tagelang nicht geschlafen. Mir lässt das Erlebte keine Ruhe, ich möchte mehr über Fiona herausfinden.

Ich bin mir sicher, dass das große Schiff die Titanic war. 1495 Menschen haben in der Nacht auf den 15. April 1912 ihr Leben verloren. Nur 712 Passagiere haben das Unglück überlebt. 

Es gibt im Internet zwar zahlreiche Listen mit Passagierdaten, eine Fiona finde ich allerdings nicht. Nur andere Mädchen, die damals im gleichen Alter waren und den Untergang der Titanic überlebt haben.

Mehr zum Thema: 20 Fotos zeigen, was nach dem Untergang der Titanic wirklich passierte

Ist eine Wiedergeburt wirklich möglich?

Hat mir mein Gedächtnis nur einen Streich gespielt? Immerhin ist es noch nicht so lange her, dass ich den Film “Titanic” aus dem Jahr 1997 gesehen habe. Auch hier schreien Menschen, auch hier springen sie von Bord, um sich zu retten. Könnte ich mich unter Trance an den Klassiker von James Cameron erinnert haben?

Es wäre möglich. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er an ein Leben nach dem Tod glaubt. Die wissenschaftliche Meinung darüber, ob eine Wiedergeburt überhaupt möglich ist, geht weit auseinander. 

Der Kinderpsychiater Jim Tucker untersucht das Phänomen der Wiedergeburt seit mehr als 15 Jahren. Er sammelt Berichte von Kindern, die sich an ein früheres Leben erinnern wollen. Er will auffällige Geburtsmerkmale bei diesen Kindern gefunden haben – sie könnten mit einer tödlichen Verletzung aus einem früheren Leben übereinstimmen.  

Der Physikprofessor Sean Carroll behauptet dagegen, dass es kein Leben nach dem Tod gibt. Denn die Grundvoraussetzung wäre ihm zufolge, dass unser Körper komplett von unserem Bewusstsein getrennt wäre. Ein Zustand, der sich nicht mit den Regeln der Physik vereinbaren lasse.

“Die Behauptung, dass unser Bewusstsein auch nach dem Tod noch vorhanden ist, wenn unser Körper bereits in einzelne Atome zerfällt, steht vor einem riesigen, unüberwindbaren Hindernis”, sagte Carroll der britischen Zeitung “Express”.

Auch für mich steht nach der Rückführung fest, dass ich einen Beweis brauche, um wirklich an ein Leben nach dem Tod zu glauben. Einen, an dem ich mich festhalten kann.

Vielleicht finde ich ihn noch. Und mit ihm Fiona.

(jds)