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19/04/2018 13:25 CEST | Aktualisiert 27/04/2018 17:24 CEST

Tipps für einen Wochenendtrip nach Bremerhaven

Der Tag auf der Erlebnismeile startet im Klimahaus mit einer Reise um den Globus und endet mit der Auswanderung in die neue Welt.

Mit Attraktionen wie Klimahaus und Auswandererhaus und einer Skyline, die mit hoch aufragenden Glasbauten an Dubai erinnert, zieht das maritim geprägte Stadtviertel „Havenwelten“ Besucher von nah und fern an. Der Tag auf der Erlebnismeile startet im Klimahaus mit einer Reise um den Globus und endet mit der Auswanderung in die neue Welt.

© Cornelia Lohs
Das Klimahaus ähnelt einem überdimensionalen Schlauchboot

Die Reise entlang des achten Längengrades Ost beginnt auf Bahngleisen, die in die Schweiz führen. Kuhglockengeläut dringt aus Lautsprechern an den Wänden. Erste Station ist das Bergdorf Iserthal im Kanton Uri, wo der Hof der Infangers durch abschmelzende Gletscher bedroht wird. Treppen führen hinauf zu einem Bergmassiv, eine Brücke über den Gletscher. Eisig ist es hier oben. Nur schnell weg und runter ins Tal zur Gondel nach Sardinien. Der kurze Flug über die Alpen ist ganz schön wackelig. Ankunftsterminal ist die Welt der Insekten.

© Cornelia Lohs

In Terrarien krabbelt, kriecht und schwimmt es, die Luft ist erfüllt von Gesumme, Gezirpe und Gezwitscher. In einem der Nebenräume weht der Schirokko einem Besucher fast den Hut vom Kopf, im angrenzenden Raum riecht es nach Waldbrand. Familie Morrho informiert Reisende darüber, wie der Klimawandel das Leben auf der süditalienischen Insel verändert.

Ein Korridor am Meer führt zu den Tuareg im afrikanischen Niger, wo das Empfangskomitee aus einer Horde feixender Kinder besteht. Nur dem, der die Worte „Alkhêr ghas“ richtig ausspricht, öffnet sich die Tür zur Sahara. Hier ist es heiß und trocken. „Kochen, das Essen zubereiten, die Ziegen versorgen und Wasser holen, das sind meine Aufgaben“, erzählt Mariam, eines der Kinder. Ihr sehnlichster Wunsch ist es, zur Schule zu gehen. Es gibt es keine, und wenn es eine gäbe, könnte sie nicht gehen, denn „nur wenn alle mithelfen, können wir Tuareg hier leben“. Auf Bildschirmen laufen Filme über das Leben in der Wüste.

© Cornelia Lohs

Ein Fahrstuhl fährt hinunter in den Regenwald von Kamerun, wo tropische Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit herrschen. Einheimische singen und tanzen. Auf weichem Boden gelangen Reisende durch das dunkle Urwald-Labyrinth zu einer Flusslandschaft voller Fische und Pflanzen, über die eine Seilbrücke gespannt ist. Drei Kinder einer Schulklasse balancieren hinüber und überqueren den Fluss von der anderen Seite auf Steinen. Letzter Ort des zentralafrikanischen Landes ist ein Markt, auf dem es hämmert und klopft.

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Ein Schiffshorn tutet. Die Reise geht weiter in die 8560 Kilometer entfernte Antarktis, ins Königin-Maud-Land. Minusgrade herrschen in dem fast drei Millionen Quadratkilometer großen Gebiet, das seit 1939 von Norwegen beansprucht wird. Nach der tropischen Hitze für ein paar Sekunden zwar eine willkommene Abwechslung, aber dünn bekleidet, wie manch einer ist, Grund für die schnelle Flucht in die wärmere Forschungsstation „Neumayer III“ des Alfred-Wegener-Instituts.

@ Cornelia Lohs

Eine Wendeltreppe schlängelt sich hinauf in einen funkelnden Sternenhimmel, wo am Ende des Korridors ein Sonnenuntergang grüßt. Dahinter liegt das Inselparadies Samoa mit original nachgebauter Bucht, Strandhütte und viel Sand.

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@ Cornelia Lohs

In einem kleinen Rundbau erleben Besucher der Südseeinsel einen Tropensturm. Es blitzt und donnert. Mit gewaltigem Tosen schlagen die Wellen an den Strand. Der Zyklon, der mit 185 Meilen die Stunde über die Insel fegt, bringt Häuser zum Einsturz und wirbelt Autos und alles was nicht niet- und nagelfest ist durch die Luft. Ein Ventilator an der Decke, der Wind erzeugt, der Film über den Zyklon und das Getöse aus den Lautsprechern geben jedem, der in dem Häuschen sitzt das Gefühl, sich selbst mitten im Sturm zu befinden.

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Ein dunkler Tunnel führt durch die Tiefsee. Es blubbert, gurgelt und plätschert von allen Seiten. Auf dem Weg liegt ein Haufen Plastikmüll, aus dem die Schwanzflosse eines Wals ragt. Jährlich landen bis zu 12 Millionen Tonnen Plastik im Meer.

© Cornelia Lohs

Die Reise neigt sich dem Ende entgegen. Vorletztes Ziel ist St. Lawrence Island in Alaska, wo es mit den Eskimos auf die Jagd geht. Letzte Station vor der Rückkehr nach Bremerhaven ist die Hallig Langeneß vor der Nordseeküste Schleswig-Holsteins, wo steigende Meeresspiegel das Thema sind.

@ Cornelia Lohs

Die vierstündige Reise ist viel zu schnell zu Ende gegangen. Kaum sonst irgendwo treffen Besucher einer Erlebniswelt in so kurzer Zeit so viele Menschen aus den entlegensten Winkeln der Erde, die aus ihrem Alltag erzählen und darüber berichteten, wie das vorherrschende Klima ihr Leben beeinflusst.

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Blick von der Dachterrasse des Klimahauses

(www.klimahaus-bremerhaven.de, April-Aug. Mo-Fr 9-19, Sa/So 10-19, Sept.-März tel. 10-18 Uhr)

© Cornelia Lohs

Von den Klimazonen der Erde geht es nun im Auswandererhaus auf eine Zeitreise ins 19. und frühe 20. Jahrhundert. Besucher bekommen einen Boarding Pass mit den Namen tatsächlicher Auswanderer, wie zum Beispiel die Familie von Lebin Weckesser, die nach Argentinien ausgewandert ist. Die Reise beginnt im Raum „Abschied“, einem original nachgebauten Wartesaal der 3. Klasse. Zahlreiche Menschen stehen vor einer hoch hinaufragenden Schiffswand und warten aufgeregt darauf, dass sie an Bord gehen dürfen. Von allen Seiten lärmt und hämmert es, an den Wänden stapeln sich Fässer und Kisten, zwischen den Menschen stehen Koffer, Truhen und Körbe. Wer waren sie, woher kamen sie, warum sind sie gegangen?

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Mehr als sieben Millionen Menschen emigrierten zwischen 1830 und 1974 über Bremerhaven, dem damals größten Auswandererhafen des europäischen Festlandes. Die Weckessers haben den Hafen am 20.11.1926 mit dem Schiff Sierra Cordoba 2 mit Ziel Buenos Aires verlassen. Lebin kam wenige Wochen nach der Ankunft in der argentinischen Hauptstadt zur Welt. Durch Aktivierung der iCard, die im Boarding Pass steckt, können in der „Galerie der 7 Millionen“ Informationen abgerufen werden, in denen man mehr über den Auswanderer, seine Biografie, über die Beweggründe der Familie, Europa zu verlassen, über ihre Ängste und Hoffnungen erfährt.

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Tausende kleine Schubladen in der Galerie der 7 Millionen enthalten Informationen zu den Auswanderern

Im Gepäckraum finden sich Informationen über den Schiffstyp, der die Weckessers nach Argentinien brachte und über die Klasse, in der sie reisten. Ihre Unterkunft lag in der 3. Klasse in Mehrbettkabinen, die nach Geschlechtern getrennt waren.

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In der originalgetreuen Nachbildung einer solchen stehen Stockbetten, in denen bis zu 18 Personen Platz haben. Lebensgroße Puppen liegen darin. In der Mitte der Kabine ist eine Wäscheleine gespannt. Aus Lautsprechern hustet es, draußen auf hoher See stürmt es. Angenehm war die Reise auf so beengtem Raum hochschwanger garantiert nicht. Über Telefonhörer erzählen Auswanderer von der Überfahrt.

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Originalgetreue Nachbildung eines Speisesaales der 3. Klasse

Als Argentinien-Auswanderer blieb den Weckessers Ellis Island, Ankunftsort der Emigranten mit dem Ziel USA, erspart. In der Sammelstelle für Immigranten entschied die Einwanderungsbehörde nach einer strengen Befragung durch Inspektoren, wer abgelehnt wird und nach Europa zurück muss. Viele Amerikaner klagten, dass Einwanderer ihnen die Jobs wegnähmen, die Löhne drückten und für die steigende Kriminalität verantwortlich wären. Deutsche Immigranten galten als schlecht integrierbar, da sie kaum Englisch sprachen.

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Ellis Island: In den Zellen warteten die Emigranten auf ihr "Verhör"

In der Familienforschung können sich Besucher an Computern auf die Suche nach Verwandten machen, die über Bremerhaven ausgewandert sind. Dazu notwendig sind Name und Herkunftsort der entsprechenden Person.

(www.dah-bremerhaven.de, März-Okt. tel. 10-18, Nov.-Feb. 10-17 Uhr)

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The Liberty Hotel

Am Tor zur neuen Welt, an genau der Stelle, wo zwischen 1830 und 1974 über sieben Millionen Auswanderer Europa verließen, hat Anfang Februar das Themenhotel „The Liberty“ eröffnet. Zwei Drittel der elegant ausgestatteten 93 Zimmer mit Parkettböden und die fünf Suiten bieten einen Blick auf die Wesermündung, die Skyline der Havenwelten und das Auswandererhaus, das in direkter Nachbarschaft liegt. Das fünfgeschossige Gebäude stammt aus der Feder des Architekten Andreas Heller, der auch das Auswandererhaus entworfen hat. Thema des Hotels ist die Emigration – sie ist allgegenwärtig. In den Zimmern und auf den Fluren hängen großformatige Schwarzweißfotografien mit Ozeandampfern und dem Meer, den Gesichtern von Auswanderern und den Häuserschluchten von New York. Die Fotos stammen aus den Archiven des Auswandererhauses. Der Ostküstenmetropole begegnet man im Hotel auf Schritt und Tritt. So wurde das Restaurant nach der Mulberry Street benannt, der Straße in Downtown Manhattan, die immer wieder Gegenstand in Büchern, Filmen und Musik ist. Die Bar im Dachgeschoss mit Terrasse und Wasserblick trägt den Namen der Stadt, die für so viele Auswanderer Sehnsuchtsziel war.

@ Cornelia Lohs
Blick vom Balkon des Liberty auf Auswandererhaus und Klimahaus

Das Hotel selbst erinnert an ein Schiff – das Erdgeschoss ist so schwarz lackiert wie der Rumpf eines Ozeanriesens, und die um das Gebäude laufenden Balkongeländer zum Wasser hin ähneln einer Reling, die weitläufige Terrasse im fünften Stock einem Schiffsdeck. Jeder Gast, der über ein Zimmer mit Wasserblick verfügt, hat Sicht auf den alten Leuchtturm. Das letzte Gebäude, das auch die Menschen sahen, die Europa für immer verließen. War das Ziel des Schiffes die USA, war die Freiheitsstatute, the Statue of Liberty, das erste, was die Auswanderer nach der langen Überfahrt sahen. The Liberty – die kleine Hotelgruppe Raphael Hotels hätte sich für ihr neues Flaggschiff keinen passenderen Namen aussuchen können.

(www.libertybremerhaven.de, 4-Sterne-Superior, EZ ab 128 €, DZ ab 158 €, Suiten ab 240 €)

@ Cornelia Lohs
Das Atlantic Hotel Sail City, höchstes Gebäude in Bremerhaven, erinnert an das Burj Al Arab in Dubai
© Cornelia Lohs
Vom Klimahaus gelangt man direkt ins Einkaufszentrum Mediterraneo, dessen als Rundweg angelegte „Straße“, die Piazza unter der Kuppel und nachgebildete Häuserfassaden in Pastelltönen südländisches Flair verbreiten