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12/03/2018 18:13 CET | Aktualisiert 12/03/2018 18:13 CET

Tipps für 24 Stunden in Wien

Bertolt Brecht nannte Wien eine Stadt, die um einige Kaffeehäuser herum errichtet ist. Auch wenn die lebendige Kaffeehaus-Szene auch heute noch eine große Rolle spielt, hat die Donaumetropole weit mehr zu bieten: Kultur und Geschichte an jeder Ecke, prächtige Boulevards, atemberaubende Gebäude und die Wiener Moderne, die 2018 ein Jubiläum feiert. Vier ihrer wichtigsten Protagonisten starben 100 Jahre zuvor: der Architekt Otto Wagner sowie die Künstler Gustav Klimt, Koloman Moser und Egon Schiele.

© WienTourismus / Christian Stemper

Die Schätze der Wiener Moderne

9:00 Uhr

Gleich nach der Ankunft tauchen wir in die Wiener Moderne ab. Eines der wichtigsten Gebäude und ein wahres Meisterwerk ist die Österreichische Postsparkasse, die unter Federführung von Otto Wagner in den Jahren 1903-1906 entstand und 1910-1912 erweitert wurde. Der Jugendstilarchitekt entwarf nicht nur den prächtigen Monumentalbau mit einer Fassade aus Granit- und Marmorplatten, sondern auch die Innenarchitektur und Möblierung. Der Boden im Kassensaal besteht aus Glaskacheln, die Licht in die darunter liegenden Räume leiten.

Georg-Coch-Platz 2 (an der Ringstraße). Der große Kassensaal ist Mo-Fr von 8-17.30 Uhr öffentlich zugänglich.

© WienTourismus / Christian Stempe
Österreichische Postsparkasse
© Cornelia Lohs
Schalterhalle der Postsparkasse

Ein Musterbeispiel des Wiener Jugendstils ist der schmucke Otto Wagner Pavillon am Karlsplatz, der nach Plänen von Wagner 1898 als Stadtbahnstation errichtet wurde. Das Innere beherbergt eine Dauerausstellung zu Leben und Werk des Baukünstlers.

U-Bahn Station Karlsplatz, Ausstellung April-Okt. Di-So 10-18 Uhr.

© Cornelia Lohs
Pavillon am Karlsplatz

Im Rahmen des Jubiläumsjahres feiert auch das Leopold Museum die Protagonisten der Wiener Moderne in zahlreichen Ausstellungen. Noch bis zum 10. Juni sind in der Ausstellung „Wien um 1900“ Werke von Klimt, Moser, Gerstl und Kokoschka zu sehen. „Egon Schiele. Die Jubiläumsschau“ endet am 11. November. „Anton Romako. Beginn der Moderne“ wird am 6. April eröffnet und endet am 18. Juni und „Gustav Klimt“ wird vom 22. Juni bis 4. November eine Ausstellung gewidmet.

Museumsquartier, Museumsplatz 1, Mi-Mo 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Di geschlossen

© Cornelia Lohs

Der Ausflug in die Welt der Wiener Moderne endet „jugendstilhaft“ mit einem späten Mittagessen im eindrucksvollen Palmenhaus am Rand des Burggartens, das nach Entwürfen des Hofarchitekten Friedrich Ohmann 1902-1906 errichtet wurde. Die lichtdurchflutete Kombination aus Brasserie, Bar und Café ist eine Oase der Erholung in der quirligen Metropole.

Burggarten 1, Mo-Fr 10-0:00, Sa ab 9, So und Feiertag 9-23 Uhr

© WienTourismus / Christian Stempe
Palmenhaus

Tipp: Die Vienna City Card für 24, 48 oder 72 Stunden (13,90/21,90/24,90 Euro) bietet freien Eintritt in Museen und freie Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln inkl. Hop-On Hop-Off

Abstieg in die Unterwelt

14:00 Uhr

Unter einem Kanalisationsdeckel am Karlsplatz führt eine Wendeltreppe in die Tiefen der Hauptstadt. Im britischen Thriller „Der dritte Mann“ wird 1949 Orson Welles alias Harry Lime quer durch die weitverzweigte Wiener Kanalisation gejagt. Eine Exkursion führt zu den Schauplätzen der berühmtesten Verfolgungsjagd des Nachkriegskinos. Das mit einem Oscar ausgezeichnete Werk wurde 2012 in einer Umfrage der Filmzeitschrift Sight & Sound von Filmkritikern zum besten britischen Film aller Zeiten gewählt. Wer den Film noch nicht kennt, kann ihn fast jeden Tag in einem Wiener Kino anschauen. Für Fans ist das private „Dritte Mann Museum“ in der Pressgasse 25 ein Muss, allerdings hat es nur samstags von 14-18 Uhr geöffnet.

Dritte-Mann-Kanal-Tour: Treffpunkt Karlsplatz, gegenüber Café Museum, Mai-Okt. Do-So 10-20 Uhr, Tour zu jeder vollen Stunde, letzte Führung 19 Uhr. Tickets: “drittemanntour.at“

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Hier started der Abstieg in Wiens Unterwelt
© Cornelia Lohs
Auf "Der dritte Mann" Tour in der Wiener Kanalisation

Alternative zum Abstieg in die Unterwelt: Das Wiener Riesenrad

Auch das Wahrzeichen des Praters hat Filmgeschichte geschrieben. In „Der dritte Mann“ hält Harry Limes (Orson Welles) Holly Martins (Joseph Cotten) in einer Gondel einen Vortrag über seine zynische Weltanschauung. In Erinnerung an den dritten Mann wurde das Riesenrad 2016 in die Liste der Schätze der europäischen Filmkultur der Europäischen Filmakademie aufgenommen. James Bond fuhr in „Der Hauch des Todes“ auch mal eine Runde. Die 65 Meter hohe Konstruktion wurde 1897 zum 50. Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs I. errichtet und galt seinerzeit als technische Meisterleistung. Der höchste Punkt der Umdrehung gibt einen herrlichen Blick auf Wien frei.

Riesenradplatz 1(U-Bahn U1, U2 zum Praterstern), tgl. 10-21.45, Mai-Sept. 9-23.45 Uhr

© Cornelia Lohs

Auf einen Einspänner ins Kaffeehaus

16:00 Uhr

Nun kommt die Qual der Wahl, denn fast 1200 Kaffeehäuser gibt es in Wien. Zu den historischen Kaffeehaus-Institutionen gehören das Central (Herrengasse 14), das Hawelka (Dorotheergasse 6, das Sperl (Gumpendorfer Str. 11) und das Café Mozart (Albertinaplatz 2), das auch eine Rolle im Film „Der dritte Mann“ spielt. Im Kaffeehaus bestellt man keinen Kaffee, sondern einen Einspänner (Mokka mit Schlagsahne, in Österreich Schlagobers), eine Wiener Melange (entspricht einem Cappuccino), einen Fiaker (Mokka, Kirschwasser, Schlagsahne), einen Franziskaner (Mokka, Schlagsahne, Schokostreusel) und andere Kaffeevariationen. Zum Einspänner ein Stück Original-Sachertorte? Diese wird ausschließlich im Café Sacher in der Philharmonikerstraße 4 serviert.

©WienTourismus / Popp & Hackner
Im 1876 eröffneten Café Central gingen Franz Kafka, Stefan Zweig und Leo Trotzki ein und aus

Shopping

17 Uhr

Größte Einkaufsstraße der Donaumetropole ist die fast vier Kilometer lange Mariahilfer Straße, in deren Seitengassen sich kleine Boutiquen mit junger Designermode befinden. Ein großes Angebot an Schokolade, Kaffee, Tee und Leckereien aus aller Welt gibt es im Gourmet-Kaufhaus Julius Meinl am Graben 19. Ein Muss für Hobby-Köche ist Babette’s in der Mühlgasse 9. Der Laden mit hochwertigen Gewürzen und Kochbüchern mit Rezepten aus allen Teilen des Globus veranstaltet auch regelmäßig Kochkurse vor Ort. Außergewöhnliche Kreationen in klaren Schnitten und besonderen Stoffen findet Frau im Fashion Store von Jutta Pregenzer in der Schleifmühlgasse 4. Ein paar Häuser weiter, in der Nummer 15, befindet sich Flo Vintage, Wiens erster Vintage-Laden mit nostalgischer Mode vom Ende des 19. Jh. bis in die 1980er Jahre. Auch Stella McCartney schaute hier schon mal vorbei. Handgefertigte Herrenbekleidung bietet Knize, am Graben 13. Allein die Inneneinrichtung von Adolf Loos, einem der Wegbereiter der modernen Architektur, lohnt einen Gang ins Geschäft.

© Cornelia Lohs
Babette's - Kochbücher, Gewürze und mehr

Zu Gast bei Sisi und Franz in der Hofburg

Wer nichts mit Shoppen am Hut hat, besucht die ehemalige Kaiserresidenz im Zentrum. Um sämtliche Museen in der monumentalen Palastanlage zu besuchen, braucht man allerdings einen Tag. In kurzer Zeit schafft man auf jeden Fall die prächtigen Kaiserapartements und das Sisi-Museum.

Michaelerplatz 1, tgl. 9-17.30, Juli/Aug. bis 18 Uhr.

© WienTourismus / Christian Stemper
Blick auf die Hofburg

Dinner im Tian – vegetarische Küche auf höchstem Niveau

Das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete vegetarische Gourmetrestaurant von Chefkoch Paul Ivic (seine Kochbücher gibt es bei Babette’s) gehört zu den besten seiner Art in Europa. Angeboten werden ein 10- und ein 8-Gang Menü, jeweils auch in der veganen Variante. Das Essen ist etwas kostspielig, aber die ungewöhnlichen Kreationen, das schöne Ambiente und der zuvorkommende Service sind es wert.

Himmelpfortgasse 23, Di-Sa 12-14 und 17.45-21 Uhr, So/Mo geschlossen.

© Cornelia Lohs
Eine der exotischen Kreationen im Tian

Weitaus günstiger ist das Essen im Tian Bistro am Spittelberg, Schrankgasse 4, Mo-Fr 12-15 und 17.45-21.30, Sa/So 12-21.30 Uhr.

Hoteltipp:

Das 2015 eröffnete Grand Ferdinand am Schubertring ist allein wegen des Frühstücks mit Blick über die Dächer von Wien, dem offenen Kamin und Rooftop-Pool eine Zimmerbuchung wert. Für Budget-Reisende bietet das Luxushotel eine kostengünstige Alternative: im hoteleigenen Schlafsaal (vier Etagenbetten) der im Stil des Orientexpress entworfen wurde, kostet die Übernachtung 30 Euro.

Reiseführer-Tipp

Als unentbehrlicher Begleiter hat sich der neue „Baedeker Wien“ mit komplett neuem Gesicht entpuppt. Das handliche Buch ist übersichtlich, unterhaltsam geschrieben, neu sind u.a. „Magische Momente“, „Überraschendes“, „6 x Typisches“ und „6 x Erstaunliches“. Sehr hilfreich ist die Übersicht über sämtliche Kaffeesorten in den Kaffeehäuser, die Übersicht, was in der Hofburg wo zu sehen ist und das Hintergrundkapitel zu Stadt, Menschen und Kunst.