LIFE
20/10/2018 16:36 CEST

Therapeutin erklärt, warum Sex nicht so wichtig ist, wie ihr denkt

Auch eine sexlose Beziehung kann eine glückliche sein.

Mladen Zivkovic via Getty Images
Sex ist nicht unbedingt eine notwendige Voraussetzung für eine glückliche Beziehung (Symbolbild).
  • Sex und Partnerschaft gehören für die meisten Menschen zusammen – und doch gibt es immer wieder Paare, die überhaupt keinen Sex haben. 
  • Wie das funktionieren kann, haben Sexual- und Paartherapeuten der HuffPost erklärt. 

Sex und Liebe: Für die meisten Menschen sind diese Begriffe untrennbar miteinander verknüpft. Wer sich liebt, der hat Sex – wer Sex hat, der liebt sich. 

► Klar, ein Techtelmechtel ohne Liebesbeziehung klappt manchmal auch ganz gut. Den Trend “Freundschaft Plus”, also unverbindlichen Sex mit Freunden, könnten sich laut einer repräsentativen Online-Umfrage immerhin ein Drittel der Deutschen gut vorstellen. 

Aber was ist mit dem Gegenteil: Eine Beziehung ohne Sex. Gibt es das überhaupt? Und kann das funktionieren? 

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Manche Beziehungen entwickeln sich komplett ohne Sex

“Eine Beziehung ohne Sex kann schon funktionieren – solange das beide wollen”, sagt Susanne Wendel, Gesundheitsexpertin und Autorin des Buches “Gesundgevögelt in 12 Wochen”.

Auch Sabine Weiss, psychologische Beraterin und Beziehungs-Coach aus Wien, ist sich sicher: “Beziehungen ohne Sex gibt es – und sie können auch funktionieren.”

Aber wie kommt es zu einer sexlosen Beziehung?

Man muss da zwei Formen unterscheiden”, erklärt Weiss der HuffPost. “Einmal gibt es Beziehungen, die sich von Anfang an ganz ohne Sex entwickeln. Das ist dann einfach beiden unwichtig und die Beziehung klappt auch so. Das ist aber extrem selten – bisher habe ich das auf Klientenebene nur einmal erlebt.”

Generell gilt: Wenn beide keinen Sex wollen, brauchen Paare ihn nicht

Ganz ohne sexuelle Lust leben beispielsweise asexuelle Personen – britische Forscher schätzen, dass das knapp ein Prozent der Bevölkerung betrifft.

Betroffene empfinden Sex nicht als erregend, manchmal sogar als eklig. Wenn sich jedoch zwei Menschen ohne jegliche sexuelle Lust lieben lernen, kann auch dort eine Beziehung entstehen. 

“Ich denke jedoch, dass das sehr selten ist”, sagt Wendel. Meistens habe einer von beiden ein stärkeres Bedürfnis nach Sex. 

Weitaus öfter komme es vor, dass ein ehemals sexuell aktives Pärchen irgendwann einfach nicht mehr miteinander schläft. 

Kein Sex bedeutet nicht gleich keine Nähe

“Es gibt Beziehungen, bei denen sich zwei Menschen kennenlernen und zuerst sehr guten Sex haben, der mit der Zeit allerdings weniger wird”, sagt Weiss. Das sei meist in der Lebensentwicklung begründet.

″Ältere Paare können zum Beispiel körperliche Probleme bekommen oder das Sexleben schläft ein, weil Kinder da sind oder beide Partner Stress im Job haben”, erklärt sie. 

Andere Experten sind sich sogar sicher: In jeder Beziehung gibt es früher oder später eine Phase, in der die Sexualität einschläft. Doch das muss kein Grund für Streit und Probleme sein. 

Trotzdem scheinen einige Menschen Angst vor einer Trennung wegen eines unzureichenden Sexlebens zu haben. 

Laut einer Studie des Online-Partnersuche-Portals “Elitepartner”, bei der knapp 4000 Deutsche befragt wurden, haben jeder zehnte Mann und sechs von zehn  Frauen in ihrer Beziehung Angst, dass der Partner mit dem Sexleben unzufrieden sein könnte. Diese Furcht dürfte jedoch oft unbegründet sein. 

► “Wenn in einer Beziehung mal das Sexleben einschläft, ist das nicht automatisch schlimm. Denn auch hier gilt: Wenn es für beide okay ist, weniger Sex zu haben, dann kann die Beziehung trotzdem funktionieren”, sagt Wendel. 

► Der Grund dafür: Kein Sex bedeutet nicht gleich keine Nähe. 

“Sie hatten körperliche Bedürfnisse auf einer andere Ebene”

“Wenn ein Paar keinen Sex hat, heißt es nicht, dass es in der Beziehung keine körperliche Nähe gibt”, erklärt Weiss. Sie arbeitet seit neun Jahren als Liebeskummer-Coach mit Singles und Paaren zusammen und weiß genau, wie verschiedenste Beziehungsmodelle aussehen können. 

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“Ich hatte einmal eine Klientin, die an Krebs litt. Sie hatte eine Chemotherapie, Reha und nach der Krankheit gar kein Bedürfnis mehr nach Sex. Ihr Mann war schon circa 60 Jahre alt und hatte auch keine Lust mehr. Die beiden hatten körperliche Bedürfnisse auf einer anderen Ebene, sie kuschelten viel und berührten sich einfach nur. Das funktionierte gut für sie”, erzählt Weiss

Eine Beziehung ohne Sex kann genauso stabil sein, wie eine jede andere 

Es muss also nicht immer Sex sein. Wer seinen Partner liebt und die Beziehung zu ihm genießt, kann sich auch gegen gemeinsame Abenteuer im Bett entscheiden. 

Sei es also eine sexlose Beziehung oder nur eine Phase, in der das Sexleben mal einschläft: Sorgen muss sich darüber keiner machen. Solange beide Partner mit der Situation glücklich sind und sich lieben, kann eine solche Beziehung genauso stabil sein wie jede andere.

(nc)