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08/06/2018 15:45 CEST | Aktualisiert 12/06/2018 08:39 CEST

Diese 8 Fragen werden Sextherapeuten am häufigsten gestellt

Gib's zu: Einige dieser Fragen hast du dir auch schon gestellt.

  • Menschen sprechen mit Therapeuten über Dinge, die sie ihrer Familie nie erzählen würden.
  • Sextherapeuten haben der HuffPost erzählt, welche Fragen sie am häufigsten zu hören bekommen.
  • Oben im Video verraten Sextherapeuten die Irrtümer, die Paare davon abhalten, wirklich guten Sex zu haben.

Sextherapeuten kennen die größten Ängste und all die erotischen Fantasien von Menschen. Ihre Patienten erzählen ihnen Dinge, über die sie vielleicht nicht mit ihren Freunden oder der Familie sprechen möchten.

Wie zu erwarten: Die Profis sind daran gewöhnt, Fragen ihrer Patienten über ihre Körper, ihre Beziehungen und ihre Fantasien zu beantworten.

Aber: Welche Fragen hören sie am häufigsten? Sexualtherapeuten haben der HuffPost verraten, welche Themen immer wieder angesprochen werden:

1. Bin ich normal?

Menschen wollen ständig wissen, ob das, was sie im und außerhalb des Schlafzimmers machen, fühlen oder träumen, “normal” ist – sei es ihr Level des Verlangens oder die Form und Größe ihrer Genitalien.

Sexualtherapeutin Shannon Chavez sagt, dass der Versuch, sich den sogenannten sexuellen Normen anzupassen, vielen Patienten Kummer bereitet.

“Die meisten Menschen sind sehr erleichtert, wenn sie erfahren, dass sie nicht die einzigen sind, die mit einer bestimmten sexuellen Sorge umgehen müssen oder dass andere die gleichen Sorgen haben und es Hoffnung gibt”, sagt sie.

“Ich habe Menschen schon auf- und abspringen sehen, wenn sie realisieren, dass mit ihnen nichts falsch ist und sie, ‘wie alle anderen auch’, Sex genießen können.”

2. Kann ich lernen, einen Orgasmus zu bekommen?

Sextherapeutin Vanessa Marin hört eine Frage von Frauen so oft wie keine andere: Wie zum Henker bekomme ich einen Orgasmus? Sie hat sogar einen Online-Kurs erstellt, passenderweise “Finishing School” genannt, der Frauen beibringen soll, wie sie eben genau das schaffen können.

“Wenn du deinen ersten Orgasmus noch nicht hattest, ist es wichtig zu wissen, dass einen Orgasmus zu haben, eine Fähigkeit ist”, sagt sie. “Wie jede andere Fähigkeit braucht es Zeit, Geduld und Übung, sie zu lernen. Aber glücklicherweise ist ein Orgasmus eine der schönsten Sachen zum Erlernen.”

Bestimmte körperliche Faktoren, wie gynäkologische Probleme oder psychische, wie Traumata, Depressionen und Angststörungen, können es einigen Frauen schwerer machen, einen Orgasmus zu erreichen.

Aber bestimmte Techniken, Sexspielzeug oder das Erforschen der Fantasien können helfen, den Höhepunkt zu erreichen.

Mehr zum Thema: 5 Wege, einen Orgasmus beim Sex zu haben – auch wenn ihr klitorale Stimulation braucht

3. Wie kann ich meinen Partner zum Orgasmus bringen?

Beim Sex geht es nicht darum, dass beide Partner einen Orgasmus haben, auch wenn das natürlich ein schöner Bonus ist.

Aber viele Menschen – besonders Frauen – können keinen Orgasmus von purer Penetration beim Sex bekommen. Einige Menschen benötigen davor viel Dirty Talk und ein langes Vorspiel. Andere brauchen mehr klitorale Stimulation. Und es gibt auch die, die einen klaren Kopf brauchen, also Entspannung oder genug Schlaf, um zum Höhepunkt zu kommen.

Der Punkt ist: Es gibt keinen erfolgssicheren Weg, einen Menschen zum Orgasmus zu bringen. Jeder Partner muss herausfinden, was für ihn persönlich der effektivste Weg ist und das dann dem Partner kommunizieren.

► Als Sextherapeut erinnert Stephen Snyder seine Patienten daran, dass jede Person für ihren eigenen Orgasmus verantwortlich ist. 

“Ein Orgasmus ist nichts, was du von jemandem ‘bekommst’”, sagt Snyder, Autor von “Love Worth Making: How to Have Ridiculously Great Sex in a Long-Term Relationship. “Es ist etwas, was du dir selbst gibst – auch wenn dein Partner dich vielleicht mit den passenden Gegebenheiten dafür versorgt. 

Er fügt hinzu: “Wir Sexualtherapeuten sagen das schon seit Jahren zu jedem, der zuhören will. Bedauerlicherweise hat die Nachricht noch nicht viele Zuhörer erreicht.”

4. Ist mein Penis zu klein?

Größe ist nicht so wichtig, wie einige Männer denken. Das verhindert dennoch nicht, dass männliche Patienten zu Chavez in die Praxis kommen und nach der Bestätigung suchen, dass die Größe ihres Glieds zumindest durchschnittlich ist.

Sie glaubt, dass die außergewöhnlich großen Penisse, die man in Pornos sieht, Männern ein verzerrtes Bild gegeben hat, wie ein realer Penis aussieht.

“Viele machen sich Sorgen darüber, was Durchschnitt ist und ob eine bestimmte Größe eher von einem Partner akzeptiert wird und besser geeignet ist, dem anderen Vergnügen zu bereiten”, sagt sie. “Ich glaube, dass Pornografie unrealistische Normen setzt, was die Penisgröße betrifft – das verursacht viele Sorgen bei vielen Männern.”

5. Mein (Ehe-)Partner möchte keinen Sex mehr. Was ist falsch?

In einer Langzeit-Beziehung ist es normal, dass das sexuelle Verlangen schwankt. Aber wenn euer Sexleben nicht existiert und euch euer Ehemann oder eure Ehefrau eher wie ein Mitbewohner vorkommt als ein romantischer Partner, ist es wahrscheinlich Zeit, die Wurzel des Problems ausfindig zu machen.

Snyder bekommt diese Beschwerde häufig von besorgten, sexentzogenen Ehepartnern in seiner Praxis zu hören.

“Es gibt unzählige Gründe – von einem niedrigen Testosteron-Level bis hin zu Depressionen”, sagt Snyder. “Aber es gibt eine Gemeinsamkeit, besonders bei Männern: Sie tendieren dazu, furchtbare Angst zu haben, ihre Partner zu enttäuschen. Wenn sie einmal Enttäuschung wahrgenommen haben, ziehen sie sich oft emotional und sexuell zurück, um ihren Stolz zu bewahren.”

Bei Frauen stellen sich oft Stress und Erschöpfung in den Weg ihres Verlangens – aber auch das Gefühl der Langeweile im Schlafzimmer oder die fehlende Verbindung in der Beziehung generell.

“Manchmal hilft es Frauen, emotional verbunden zu sein, damit sie sich schon vor dem Sex erregt fühlen. Und Überraschung: Männern geht es auch so”, erklärt Sexualtherapeutin Tammy Nelson. “Versucht drei Dinge, die ihr an eurer Beziehung schätzt, miteinander zu teilen. Wiederholt das Gesagte nochmal, um sicherzugehen, dass ihr es richtig verstanden habt, bevor ihr zum nächsten Punkt kommt.”

Mehr zum Thema: Das haben Sex-Therapeuten allen Menschen in einer sexlosen Ehe zu sagen

6. Können wir uns wirklich von Untreue erholen?

Eine Beziehung nach einer Affäre wieder auf den richtigen Weg zu bringen ist nicht leicht. Das Vertrauen und die verletzten Gefühle wieder zu reparieren braucht Zeit und erhebliche Mühe von beiden Partnern.

Wenn Paare in der Praxis von Sexualtherapeutin Sari Cooper sitzen, fragen sie sich oft: Können wir das wirklich hinter uns lassen?

“Wenn ein Paar zur Therapie kommt, handelt es sich oft um eine Krise – ein Partner hat herausgefunden, dass der andere eine Affäre hat. Wut, Schmerz, Scham, Schuld lasten auf den Schultern, das Paar hat Angst, dass die Beziehung implodieren wird”, sagt Cooper, Leiterin des Center for Love and Sex NYC

“Unsere Aufgabe ist es, das Paar so weit zu stabilisieren, dass der Partner, der die Grenzen überschritten hat, sich öffnen kann und ehrlich über Absichten sprechen kann. Dann finden wir heraus, wie Reue ausgedrückt werden kann, richten Schritt für Schritt das Vertrauen auf und nehmen uns die Zeit, wirklich zu hören, welchen Schmerz das bei den Partner ausgelöst hat.”

Cooper arbeitet mit den Paaren auch daran, herauszufinden, was überhaupt zur Untreue geführt hat – aber auf eine Art und Weise, die keinen der Partner beschuldigt oder verurteilt.

“Oft haben die Paare keinen Sex mehr und diskutieren darüber, andere haben ihre emotionale Verbindung Stück für Stück verloren, nachdem sie Kinder bekamen oder zu viel arbeiten mussten – oder jemand erfuhr ein kleines Trauma, das dazu führte, sich vom Partner zu distanzieren”, sagt sie.

7. Wie können wir unser Sexleben am Leben erhalten?

Wie bei vielen erstrebenswerten Dinge erfordert ein gesundes Sexleben Arbeit – es passiert nicht einfach so. Viele Langzeit-Paare ringen damit, den sexuellen Funken am Leben zu erhalten, weil sie denken, dass es ganz natürlich passiert, sagt Marin.

“Jegliche Mühe in das gemeinsame Sexleben zu stecken wird oft als Zeichen gesehen, dass in der Beziehung etwas ‘kaputt’ ist”, sagt sie. “Das ist allerdings sehr weit von der Wahrheit entfernt. Guter Sex erfordert große Mühe. Wenn man aktiv sein und ein befriedigendes Sexleben haben möchte, muss man als Team zusammenarbeiten, um es spannend zu halten.”

Beispielsweise können Paare mit neuen Stellungen oder Rollenspielen experimentieren, ihren Sex während hektischen Zeiten planen und immer weiter miteinander reden.

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8. Wie kann ich die Kontrolle über meine Erektionen zurück bekommen?

Es wird angenommen, dass mehr als 18 Millionen Männer in Amerika von Erektionsstörungen betroffen sind, in Deutschland gehen Ärzte von einer Zahl zwischen vier und sechs Millionen Männer aus. Wenn das Problem anhält, kann es einen Menschen in eine Spirale von Angst und Scham stürzen, was das Problem nur verstärkt.

Cooper sagt, dass sie zunächst einmal sicherstellen müsse, dass die Erektionsstörung nicht von einer körperlichen Krankheit, Nebenwirkungen von Medikamenten oder einer psychischen Krankheit stammt.

Dann arbeitet sie mit einem Team verschiedener Ärzte zusammen – Urologen, Allgemeinmedizinier und Psychologen – um einen Plan zu erstellen, der einige der Symptome lindern soll.

“Menschen, deren Probleme psychischer Natur sind, bringen wir Techniken bei, wie sie ihre Ängste lindern können, zum Beispiel mit Achtsamkeit und kognitiver Verhaltenstherapie. Dadurch können sie gegen ihre negativen Gedankenmuster, wie Schwarzmalerei, Alles-Oder-Nichts-Gedanken oder ständige sexuelle Scham, ankämpfen”, sagt sie.

Außerdem klärt sie Patienten darüber auf, wie der Körper normalerweise auf Stress und Sorgen reagiert.

“Ich erkläre ihnen, dass es für den Körper normal ist, seinen Blutfluss herunterzufahren, wenn man einen schrecklichen Tag auf der Arbeit hatte”, fügt Cooper hinzu. “Oder ich bringe ihnen bei, wie sie auf ihre Ängste aufmerksam werden können und wie sie ihre Bedürfnisse gegenüber ihren Partnern ausdrücken können.”

Der Text erschien ursprünglich bei HuffPost US und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und angepasst.

(ks)