POLITIK
08/08/2018 08:07 CEST | Aktualisiert 08/08/2018 11:17 CEST

Angela Merkel: Ihre Überheblichkeit macht laut "Times" Donald Trump stark

"Trump wird zum Anführer des Merkel-skeptischen Rudels.”

  • Angela Merkel und Donald Trump haben eine mehr als angespannte Beziehung zueinander. 
  • Die britische “Times” gibt in einem Kommentar nun der Kanzlerin die Schuld daran – weil diese dem US-Präsidenten und anderen Kritikern nicht zuhöre. 
  • Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr im Video oben.

Donald Trump mag Angela Merkel nicht. Angela Merkel mag Donald Trump nicht. Die Beziehung zwischen dem US-Präsidenten und der Bundeskanzlerin ist so klar definiert, wie sie angespannt ist

Merkel, sagt Trump, sei oberlehrerhaft. Trump, sagt Merkel, sei kein Freund, sondern nur ein Partner.

Die Fronten sind verhärtet. 

Die meisten Beobachter und Experten geben daran dem US-Präsidenten die Schuld. Seinem Machismo, seinem Kurzschlussdenken, seiner Ausfälligkeit gegenüber Merkel und Deutschland. 

Nicht so die britische Zeitung “The Times”.

In einem Kommentar schreibt der langjährige Deutschland-Korrespondent der Zeitung, Roger Boyes, Merkel sei es, die in der Beziehung mit Trump den größten Fehler macht – denn sie höre diesem nicht richtig zu. 

So, wie all ihren Kritikern. 

Trumps Ärger und Merkels “scheinheilige Art”

Ja, heißt es in der “Times”, für Trump sei Merkel ohnehin eine Reizfigur.

Trump sei nicht glücklich damit, dass diese nach Barack Obamas Abgang als “Anführerin der freien Welt” bezeichnet wurde, dass sie zur “Time”-Person des Jahres 2015 wurde. 

Dann sei da auch noch Merkels Flüchtlingspolitik, die Trump immer wieder kritisierte, den Trump glaube, dass sie damit “Deutschland ruiniert”.

Trump, erinnert die “Times”, habe im Wahlkampf sogar gegen Clinton Stimmung gemacht, indem er sie mit Merkel verglich – Trump warf Clinton vor, dass sie wie deutsche Kanzlerin Millionen Migranten ins Land lassen würde. 

“Doch die deutsche Staatschefin verschlimmert diese ablehnende Haltung nur noch durch ihre scheinheilige Art”, schreibt die “Times”.

Nach Trumps Wahl habe Merkel diesen daran erinnert, dass eine Zusammenarbeit nur auf der Basis gemeinsamer Werte möglich sei: Demokratie, Freiheit, Respekt vor Minderheiten. 

″‘Gibt sie so eine Liste auch den Saudis und den Russen?’, wunderte sich darüber ein Mitarbeiter im Weißen Haus”, schreibt die “Times”. 

Das Argument der Zeitung: Die Kanzlerin hat sich über Trump gestellt – und bemerkt gar nicht, dass dies ein Affront für den US-Präsidenten ist.  

Trump, der Anführer des “Merkel-skeptischen Rudels”

Merkels Haltung sei aus einem veränderten Denken vieler Deutscher gegenüber den USA entsprungen, glaubt die “Times”. 

“Die politische Klasse in Deutschland, im linken und konservativen Spektrum, scheint es als unwürdig zu empfinden, sich die Gunst einer keuchenden Supermacht zu sichern”, schreibt die Zeitung. 

Das sei ein Fehler. Das sei Merkels Fehler

Trumps Beschwerden über Deutschland – über die geringen Verteidigungsausgaben und die Handelsüberschüsse – seien auch die Beschwerden anderer Verbündeter der Bundesrepublik.

“Aber sie hört einfach nicht zu”, schreibt die “Times” über Merkel, “auch nicht, wenn Emmanuel Macron über Deutschlands ‘Budgetfetisch’ stöhnt.” Oder wenn Polen und die baltischen Staaten die Abhängigkeit der EU von russischem Gas kritisierten.

“Merkel spricht offen davon, Wege um Trump herum zu finden, davon, einen Westen zu konstruieren, dessen Schicksal nicht von der Wankelmütigkeit des US-Präsidenten abhängt”, schreibt die “Times”. 

Doch so gefährde Merkel die transatlantische Allianz. Sie mache es ihrem Kritiker Trump leicht, sich mit ihren Kritikern in Europa zu verbünden: “Er wird zum Anführer des Merkel-skeptischen Rudels.” 

► Das mache Trump zwar stärker, berge aber auch für ihn ein Risiko. 

Denn zwar sei Merkel laut der “Times” gerade ohne Kompass. “Doch Deutschland kleiner zu machen, wird nicht dabei helfen, die USA wieder größer erscheinen zu lassen.” 

(lp)