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08/07/2018 18:55 CEST | Aktualisiert 09/07/2018 07:45 CEST

Thailand: Warum der Trainer der gefangenen Jungen für viele ein Held ist

"Er liebt die Jungs mehr als sich selbst."

  • Die Rettung der in einer überfluteten Höhle in Thailand gefangenen Jungen hat begonnen, die ersten Kinder sind bereits befreit. 
  • Viele Gedanken in dem Land sind jedoch auch bei dem Trainer der Kinder – einem 25-Jährigen, der von vielen Thailändern als Held gefeiert wird. 
  • Im Video oben seht ihr Aufnahmen vor Ort.

Ekapol Chanthawong hat seine Schützlinge erst in diese Situation gebracht.

Er hat sie während der Monsunzeit in die Tham Luang Höhlen in Thailand geführt. Er wurde vom Regen überrascht, vom Wasser, dass in die Höhle floss – und ihn und die zwölf Jungen in seiner Obhut dort einsperrte. 

Ekapol ist der Trainer der Kinder, deren Schicksal seit Tagen die gesamte Welt bewegt. Es war an ihm, sie vor Unheil zu beschützen – und das schaffte er nicht. 

Doch in Thailand schlägt Ekapol kein Hass entgegen. Sondern Liebe. Denn für viele Menschen in dem Land ist der 25-Jährige ein großer Held. 

“Pass gut auf dich auf”

Die “Washington Post” hat mit Freunden des jungen Mannes gesprochen. 

Ekapol, schreibt die Zeitung, sei mit zehn Jahren zum Waisenkind geworden. Er habe lange als buddhistischer Mönch in einem Kloster gelebt, dieses Leben jedoch vor drei Jahren aufgegeben, um Kindern das Fußballspielen beizubringen. 

Der junge Trainer ist Assistenztrainer der Mannschaft, mit der er nun in der gefluteten Höhle feststeckt. Die “Washington Post” sprach mit seinem Vorgesetzten, Nopparat Khanthavong. 

► Dieser habe Ekapol am Tag des Unglücks das erste Mal alleine mit den Kindern losziehen lassen.

“Achte darauf, dass du immer hinter ihnen mit dem Rad fährst, damit du sie alle im Blick hast”, schrieb Nopparat noch bei Facebook. “Pass gut auf dich auf.” 

Dann habe er sein Handy weggelegt, sagt Nopparat der “Washington Post”. 20 Anrufe habe er dann am Abend gesehen, von besorgten Eltern. Schließlich habe er in Erfahrung gebracht, wo Ekapol mit den Jungen hingefahren sei. 

Nopparat raste zu dem Höhleneingang. “Ich schrie – ‘Ek! Ek! Ek!’ Mein ganzer Körper wurde eiskalt.”

Mehr zum Thema:In Höhle gefangene Jungen schreiben bewegenden Brief

 

Soe Zeya Tun / Reuters
Freunde und Verwandte beten für die in einer Höhle eingesperrten Jungen und ihren Trainer. 

“Er liebt die Jungs mehr als sich selbst”

Doch Nopparat wirft Ekapol nichts vor. Er macht sich Sorgen. 

“Er gibt viel von sich selbst für diese Jungen”, sagt der Trainer. Ekapol behandele die Kinder wie seine Familie. 

► Das erzählt auch Joy Khampai, eine Freundin des 25-Jährigen, der “Washington Post”.

“Er liebt die Jungs mehr als sich selbst”, sagt sie über Ekapol. “Er trink keinen Alkohol, er raucht nicht. Er ist ein Mensch, der sehr auf sich Acht gibt – und das bringt er auch den Kindern bei.” 

► Und er hielt sie am Leben, in den schrecklichen Tagen in der Höhle. 

Rettungshelfer berichteten der “Washington Post”, dass Ekapol das schwächste Mitglied der gefangenen Gruppe sei. Er habe sein Essen und sein Wasser an die Kinder verteilt. Er habe ihnen beigebracht, wie man meditiert, damit sie sich entspannen und Energie sparen. 

Und die Eltern der Jungen wissen das. 

“Mein lieber Ek, ich würde dir niemals Vorwürfe machen”

“Was wäre passiert, wenn er jetzt nicht bei meinem Kind wäre?”, sagte eine der Mütter der Kinder laut der “Washington Post” im thailändischen Fernsehen. “Wenn er da raus kommt, dann werden wir sein Herz heilen. Mein lieber Ek, ich würde dir niemals Vorwürfe machen.” 

So sehen es viele Menschen in Thailand.

In den sozialen Netzwerken verbreiten sich Bilder von Ekapol, wie er die Jungen in der Höhle beschützt. Besonders beliebt: Ein Motiv des jungen Mannes, der zwölf kleine Wildschweinbabys im Arm hält – nach dem Namen des Fußballteams, den “Wild Boars”. 

Die ersten seiner Schützlinge sind nun wieder sicher. Vier Kinder wurden am Samstag von Tauchern aus der überfluteten Höhle gerettet. 

Der Rest ist noch darin gefangen, mit ihrem Trainer. “Er wird sich Vorwürfe machen”, sagt dessen Freundin Joy der “Washington Post”. 

Und er wird ganz sicher der letzte sein, der aus der Höhle steigen wird. Dann, wenn alle seiner Jungs in Sicherheit sind.