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27/12/2017 14:15 CET | Aktualisiert 27/12/2017 22:28 CET

Münchner Wohnung kostet 4200 Euro im Monat - niemand sollte hier wohnen

Von Luxus kann in dieser Wohnung nicht die Rede sein.

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  • In deutschen Großstädten wie München können sich immer weniger Menschen eine Wohnung leisten
  • Dabei wird eigentlich viel gebaut, oft jedoch nur vermeintliche Luxuswohnungen

In München wird gerade eine Wohnung für 3600 Euro Kaltmiete angeboten und zählt damit zu den teuersten der Stadt. Mit Nebenkosten und dem Garagenstellplatz kostet sie gut 4200 Euro im Monat.

Was bekommt man für den Preis, der das Durchschnittsgehalt in Deutschland weit übersteigt? Die Antwort: erschreckend wenig.

121 Quadratmeter Wohnfläche hat die Wohnung, die sich “Focus Online” angeschaut hat. Dazu kommt noch eine Dachterrasse mit 50 Quadratmetern. Für den Preis könnte man leicht doppelt so viel Wohnraum verlangen.

Der Blick auf die Münchner Frauenkirche soll die Miete wohl rechtfertigen. Viel mehr hat die Wohnung nämlich nicht zu bieten.

Familien wohnen hier nicht

Mit drei Zimmern und zwei Bädern könnte hier auch eine Familie wohnen – eine mit entsprechenden finanziellen Möglichkeiten. Doch die Sache sieht anders aus.

“Na ja, Familien wohnen hier nicht”, berichtet Sarah Przybilla, Mitarbeiterin der Münchner Immobilienfirma Bauwerk Capital. Sondern gut verdienende Ausländer, die zum Arbeiten für ein paar Jahre gekommen sind, reiche Paare, die sich einen Zweitwohnsitz in der Stadt gönnen und ihre Villa außerhalb haben und ab und an auch die Kinder von wohlhabenden Familien, die zum Studieren in die bayerische Hauptstadt gezogen sind.

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4200 Euro für den Zweitwohnsitz oder die erste Wohnung weg von den Eltern. Das klingt wie ein Schlag ins Gesicht für die vielen Familien, die in München eine Wohnung suchen. In gerade mal circa 17 Prozent der Haushalte in München leben Familien mit kleinen Kindern.

Im Großteil der Münchner Wohnungen, nämlich 54,4 Prozent, lebt nur eine Person.

Eine Familie kann sich eine Wohnung in der Stadt dagegen kaum leisten.

Von Luxus kann in dieser Wohnung nicht die Rede sein

Bei genauerer Betrachtung ist die 4200-Euro-Wohnung aber nicht nur des Preises wegen für eine Familie ungeeignet.

Laut “Focus Online” soll der Aufzug so klein sein, dass man sich zu dritt schon hineinzwängen muss. Dort bei einem Umzug Möbel zu transportieren? Undenkbar. Die Zimmer seien so winzig, dass es neben einem Doppelbett nicht mal mehr Platz für einen Schrank gebe. Platz für Spielzeug und Babysachen: Fehlanzeige.

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“Wer hier einzieht, der hat solche Sorgen nicht”, erklärt Sarah Przybilla. Wer das Geld für so eine Wohnung hat, der beauftragt einen Spediteur für den Umzug, der die Möbel mit einem Kran in den fünften Stock bringt.

Die potenziellen Mieter hätten auch das nötige Kleingeld, um sich passende Designerschränke bauen zu lassen, die auch in den kleinen Zimmern den nötigen Stauraum schaffen.

Für 4200 Euro erhält man also eine Wohnung, in die man noch eine Menge Geld stecken muss, bis man dort gut wohnen kann. Und auch dann ist von Luxus nicht wirklich die Rede.

Bis auf eine bereits eingebaute Küche, Klimaanlage und Fußbodenheizung gibt es nämlich keine Besonderheiten. Wer für den Preis einen vergoldeten Palast erwartet, der irrt sich.

Vielleicht erklärt sich dadurch, warum die Wohnung für viele nur als Zweitwohnung in Frage kommt. Sie ist den Reichen nicht luxuriös genug.

Solche Wohnungen verschlimmern die Situation für alle Normalverdiener

In Deutschland fehlt es an ungefähr einer Million Wohnungen. Allein in München steigt der Bedarf jedes Jahr um weitere 11.000. Dabei wird viel gebaut. Im Jahr 2016 allein 240.000 neue Wohnungen, doch sie ändern nichts an dem Problem.

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“Warum diese neuen Wohnungen nicht helfen, verraten ihre bodentiefen Fenster und die Überwachungskameras, denn gebaut wurden vor allem Luxuswohnungen, die sich weder Studenten leisten können noch die meisten Familien”, sagt der Bauunternehmer Daniel Fuhrhop in der HuffPost.

Dazu kommt: “Die teuren Neubauten verteuern auch die Altbauten: Die Mieten steigen, denn jeder neue Vertrag geht in den Mietspiegel ein,” so Fuhrhop.

Die teuren neuen Wohnungen helfen nicht nur niemandem und sind den Reichen nicht luxuriös genug. Außerdem verschlimmern sie obendrein die Mietsituation für alle Normalverdiener.

Nur die Immobilienfirmen freuen sich. Die bekommen nämlich eine Menge Geld.

(jds)