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10/04/2018 09:59 CEST | Aktualisiert 10/04/2018 10:02 CEST

Lehrerin spricht mit Kindern über Terror – deren Reaktion ist wunderbar

Sollen wir mit Kindern über Terrorismus sprechen?

gpointstudio via Getty Images
"Es ist wichtig, dass wir mit Kindern über Terror sprechen", findet Grundschullehrerin Anouk F. 

“Frau Lehrerin, was ist eigentlich ein Terrorist?“ fragte mich kürzlich ein Schüler.

Drei Tage zuvor hatte es ein Attentat in einem Supermarkt in Trèbes gegeben, einer Kleinstadt in der französischen Provinz.

Ein Schüler meinte: “Normalerweise passiert so etwas doch in Paris, oder?“

Paris ist weit weg.

Paris, das sind nicht wir.

Aber den Supermarkt Super U kennen alle meine Schüler. Als sie am Wochenende in den Nachrichten die Bilder sahen, erkannten sie das große
blaue U wieder. Es sieht genauso aus, “wie bei uns daheim um die
Ecke, Frau Lehrerin!“

Aber den Rest hatten sie nicht wirklich verstanden. Niemand hatte
es ihnen so recht erklärt.

Sollen wir mit Kindern über Terrorismus sprechen?

In einem sozialen Netzwerk stieß ich auf eine Diskussion unter Lehrern.
“Und wie macht ihr das, werdet ihr darüber mit euren Schülern im Unterricht
sprechen?“ fragte einer.

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“Also wenn sie keine Fragen stellen, dann werde ich das Thema lieber meiden“, antwortete ein Lehrer.

“Natürlich nicht, das ist Sache der Eltern”, meinte einer und ergänzte: “Das könnte den Kindern Angst machen.“

Und wenn die Eltern nicht darüber reden? Und wenn die Kinder nicht fragen?

Ich habe mit meinen Schülern ein kurzes Video angeschaut. Es
fasste zusammen, was in dem Supermarkt in Trèbes passiert war.

Geiseln.

Geiselnehmer.

Tote.

Verletzte.

Überlebende.

Islamischer Staat.

Terrorist.

Ja, das dauerte lange. Nein, das war nicht einfach.

Aber wir haben darüber gesprochen. Wir haben die Dinge benannt. Mit einfachen Worten. Manche würden vielleicht sagen: mit zu
einfachen.

Aber wir haben darüber gesprochen, das ist die Hauptsache.

So jung und schon so mutig 

“Aber warum töten diese Menschen andere Menschen, Frau Lehrerin?”, wollte einer meiner Schüler wissen. Dann fügte der muslimische Junge hinzu: 

Sie haben dieselbe Religion wie ich, aber in meiner Religion darf man nicht töten, das ist verboten.“

Das zeigt: Sie haben sich damit auseinandergesetzt. Sie haben sich darüber aufgeregt. Sie verurteilen das, was geschehen ist.

“Ein Terrorist, das ist jemand der Terror macht, der will, dass wir alle Angst haben und dass wir aufhören unser Leben zu leben, weil wir so
viel Angst haben“, habe ich erklärt.

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D. stand auf und sagte stolz: “Pfff, ich habe keine Angst.“
“Ich auch nicht“, sagte A., dann Y., dann L., dann alle anderen.

Ich auch nicht, dachte sich da ihre Lehrerin.

Dieser Text erschien zuerst bei “Ma REPpublique” und wurde von Katharina Wojczenko aus dem Französischen übersetzt. 

(amr)