POLITIK
19/03/2018 13:24 CET | Aktualisiert 19/03/2018 17:15 CET

Telefon ist tot: Telekom schickt statt Techniker weiterhin Rechnungen

Techniker ist informiert.

  • Seit Orkan “Friederike” die Leitungen beschädigt hat, lebt ein sächsisches Paar ohne Telefonanschluss
  • Obwohl der Schaden immer noch nicht repariert ist, verlangt die Telekom Geld
  • Im Video oben: O2-Kunde macht einen verhängnisvollen Fehler - und bekommt eine 1,36 Millionen Euro Handyrechnung

Am 18. Januar fegte der Orkan “Friederike” einen Baum auf das Grundstück von Christian Kluge im sächsischen Bloßwitz bei Riesa und riss eine oberirdische Leitung heraus. Seitdem ist das Telefon des 52-Jährigen und seiner Lebenspartnerin Kerstin Pravemann tot.

Die beiden melden den Schaden sofort, warten aber noch immer vergeblich auf eine Reparatur – und das, obwohl die Telekom weiter den vollen Betrag kassiert. Das berichtete die “Sächsische Zeitung” (“SZ”) am Wochenende.

Telekom verschiebt Reparaturtermine

Dem Zeitungsbericht zufolge wurden die beiden Bloßwitzer zunächst mit einer Standard-Nachricht vertröstet: der Sturm habe Leitungen beschädigt, die Kollegen arbeiteten aber bereits an der Entstörung. Es werde um etwas Geduld gebeten.

Die hatten Kluge und Pravemann zu dem Zeitpunkt noch; schließlich nannte die Telekom in ihrem Schreiben auch einen konkreten Termin für die Reparatur: Bis zum 31. Januar sollte der Schaden behoben sein. Pustekuchen.

Statt einem Reparaturteam schickte die Telekom laut “SZ” am 2. Februar ein weiteres Schreiben: Die Arbeiten seien komplizierter, als gedacht. Es werde um mehr Zeit gebeten, bis zum 1. März. Ein voller Monat ging vorbei, doch das Telefon geht noch immer nicht. 

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Stattdessen das gleiche Schreiben, nur mit geändertem Datum: nun soll die Reparatur am 20. März abgeschlossen sein.

Doch statt einem Techniker kam zunächst bloß eine Rechnung über den Grundbetrag. Knapp 45 Euro buchte die Telekom laut “SZ” pünktlich ab.

Keine Kulanz: Gebühren werden nicht erlassen

Die beiden Bloßwitzer verlieren nun die Geduld. Auch wenn die Telekom mittlerweile einen mobilen Router zur Verfügung gestellt hat, mit dem sie begrenzten Zugang zum Internet erhalten:

“Wir sind beide freiberuflich, arbeiten viel zu Hause, müssen jetzt alle Gespräche über das Handy führen”, sagt Kerstin Pravemann der “SZ”. 

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Die Bitte, die Grundgebühren ab dem 19. Januar zu erlassen und sich an den Handykosten zu beteiligen, wird von der Telekom abschlägig beantwortet. Der Grund: Es könne derzeit nicht bestätigt werden, dass die technische Störung vom Konzert zu vertreten ist.

Als am 6. März Handwerker erschienen, freute sich das Paar – zu früh, wie sich herausstellt. Denn die hängten zwar das Kabel wieder am Nachbarhaus auf, weiter geschieht jedoch nichts. Das Telefon blieb stumm. 

► Pünktlich schickte die Telekom nur die Telefonrechnung für Februar: “54,82 Euro für nichts”, empört sich Christian Kluge in der “SZ”. 

Kein Anspruch auf Schadenersatz

Immerhin machten Mitarbeiter der Telekom dann für 14. März einen Termin bei dem Paar. Das Problem: sie tauchten offenbar nicht auf. Wie die “SZ” berichtet, warteten die beiden vier Stunden lang vergeblich. Doch auf eine Sache können sie sich bei der Telekom noch verlassen:

► Sie schickte die nächste Rechnung. 44,82 Euro müssen für den März bezahlt werden. 

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Wie der Meißner Rechtsanwalt Wolfgang Tücks der “SZ” sagte, besteht für die beiden Bloßwitzer kein Anspruch auf Schadensersatz, da die Telekom nicht für den Sturm verantwortlich gemacht werden könne. 

Nicht unter “höhere Gewalt” falle aber das Reparatur-Versäumnis. Geld für nicht erbrachte Leistungen könne zurückgefordert werden:

► “Ich rate der Familie, der Telekom eine Frist zu setzen. Wird diese nicht eingehalten, sollte der Vertrag fristlos gekündigt und ein neuer Anbieter gesucht werden.”

► Außerdem habe man den Angaben des Anwalts zufolge die Möglichkeit, die Einzugsermächtigung zu entziehen, bis die Reparatur erfolgt sei. 

Zeitung schreckt Telekom auf

Die “Sächsische Zeitung” hat durch ihre Recherchen seit Mittwoch die Telekom offensichtlich aufgeschreckt. Prompt hätten sich bei dem Bloßwitzer Paar vier unterschiedliche Konzernmitarbieter gemeldet:

“Die wussten jeweils nichts voneinander und auch nicht, was wir mit den anderen längst besprochen hatten”, sagt Christian Kluge dem Blatt. 

Der Schaden soll nun am 29. März behoben werden. Nachdem die Kluges der Telekom die Einzugsermächtigung entzogen und mit Kündigung gedroht hatten, erhielten sie laut “SZ” eine Gutschrift über 65 Euro

(jg)