WIRTSCHAFT
26/12/2018 14:57 CET | Aktualisiert 27/12/2018 07:17 CET

Taumelnde Märkte: Diese 4 Fakten müsst ihr kennen, um die Situation zu verstehen

Auf den Punkt.

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Die Sorgen an der Wall Street sind groß. 

Kurz vor Jahresende macht sich Unruhe an den Märkten breit. Der Grund: Die Börsenkurse in den USA stürzten über Weihnachten ab

US-Präsident Donald Trump richtete sich nun gar direkt an die Investoren, wohl, um weiteren Schaden abzuwenden. Sie sollten die gefallenen Kurse zum Einstieg ins Geschäft mit Aktien nutzen. “Ich denke, es ist eine großartige Gelegenheit, zu kaufen. Wirklich eine großartige Gelegenheit, zu kaufen”, betonte er am ersten Weihnachtsfeiertag. 

Am zweiten Weihnachtstag kam tatsächlich die Wende: Der Dow Jones stieg überraschend um 1000 Punkte – es war der höchste Anstieg während eines Tages aller Zeiten. 

Doch fest steht: Die Kurse in den USA schwanken in den vergangenen Wochen erheblich. Auf Gewinne folgen an den Aktienmärkten immer wieder große und unkontrollierte Verluste. 

Und auch in der deutschen Wirtschaft machen sich mit Blick aufs neue Jahr deshalb Sorgen breit. Wie steht es um die globale Wirtschaft? Droht gar eine Rezession?

Klar ist: Die Zuversicht ist gebremst. Die vier wichtigsten Fakten über die aktuelle wirtschaftliche Lage weltweit – auf den Punkt gebracht.

1. Das Chaos in den USA sorgt für einen Kursrutsch

Die Kurse in den USA fielen an Heiligabend deutlich. Der Dow Jones Industrial Average verlor um fast 3 Prozent, der S&P 500 um rund 2,5 Prozent. 

► Ingesamt war es für den amerikanischen Aktienmarkt die schlechteste Woche seit der Finanzkrise seit 2008. Die wichtigsten Aktienindizies, die die Entwicklung auf dem Markt dokumentieren, bewegen sich für das Gesamtjahr im negativen Bereich.  

Der Anlagestratege Bernd Berg gab sich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg äußerst pessimistisch: “Wir befinden uns mitten im stärksten Sturm an den Finanzmärkten seit der Krise 2008, die Märkte von New York bis Tokio brechen ein.”

Am zweiten Weihnachtstag kam dann der plötzliche Kursgewinn des Dow Jones um 1000 Punkte. Gefahr gebannt? Wohl nicht. 

Denn vor allem zwei Konflikte in der US-Politik machen dem Aktienmarkt in den Vereinigten Staaten zu schaffen.

1. US-Präsident Trump liegt mit der US-Notenbank über Kreuz. Die Federal Reserve (Fed) hatte vergangene Woche entschieden, den Leitzins anzuheben. Eine Entscheidung, die Trump mehrfach lautstark kritisierte. 

Die Unabhängigkeit der Zentralbank aber gehört zu ihrem Grundprinzip, die Einflussnahme von Trump auf die Fed verunsichert Investoren. Finanzminister Steven Mnuchin versuchte am Wochenende, die Lage zu beruhigen und versicherte, Trump wolle den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell nicht entlassen. 

2. Eine Einigung zwischen den oppositionellen Demokraten und Trump über den Haushalt ist weiter nicht in Sicht. Teile der Bundesverwaltung der USA sind seit Samstag geschlossen, die USA befinden sich im sogenannten Shutdown. 

Hintergrund ist Trumps Forderung, die Finanzierung seiner Grenzmauer zu Mexiko soll in den Budgetplan des US-Kongresses aufgenommen werden. Seine Forderung nach fünf Milliarden US-Dollar für den Bau der Mauer hat jedoch keine Mehrheit im US-Kongress. 

Mehr zum Thema: Trump legt die USA lahm: Warum der Präsident schuld am Shutdown ist

2. Auch die Kurse in Japan gaben nach

Der Kurssturz in den USA drückte auch die Stimmung in Japan. Die Börse in Tokio war auch am Dienstag geöffnet – und schloss tief im Minus.

Der Nikkei-Index brach ein und beendete den Handel mit 5,01 Prozent im Minus bei 19,155.74 Punkten. Auch andere asiatische Indizes verzeichneten hohe Verluste.

Beobachter machten sich Sorgen, dass das Chaos in den USA auch die Märkte weltweit negativ beeinflussen würden.

Am Mittwoch allerdings erholte sich die Börse leicht. Der Nikkei-Index schloss knapp im Plus. 

3. Der deutsche Dax könnte verlieren – Experten erwarten aber keine Rezession

Die Börse in Frankfurt ist an den Weihnachtsfeiertagen geschlossen. Danach allerdings könnte sich auch beim deutschen Leitindex Dax der Kurssturz in den USA bemerkbar machen. 

Vorbörslich notierte die Commerzbank den Dax am Mittwochvormittag bei 10.269 Punkten, ein Minus von mehr als 350 Punkten im Vergleich zum Schlusstand der vergangenen Woche, wie das “Handelsblatt” berichtet. 

In Deutschland sind die Sorgen mit Blick auf internationale Handelskonflikte und andere politische Ereignisse groß. Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beurteilen 21 von 48 Wirtschaftsverbänden die gegenwärtige Lage schlechter als im Vorjahr.

Die Experten erwarten allerdings keine Rezession, sie gehen von Wachstum aus. Wenn auch schwächer, als in diesem Jahr. 

“Die Sorgen der Unternehmen werden größer. Die akute Gefahr einer Rezession sehen wir nicht, die Luft wird aber dünner”, sagte der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Eric Schweitzer, der Deutschen Presse-Agentur. 

“Ich glaube, wir hatten selten wirtschaftlich so viel Unsicherheit wie zurzeit: Brexit, Handelsstreitigkeiten, instabile Lage in Italien oder der Türkei, Konflikte im Nahen Osten, drohende Autozölle der USA”, betonte er. Der alles überragende Handelskonflikt aber sei der zwischen den USA und China.

4. Ein Blick auf 2019 zeigt: Die Lage wird angespannt bleiben

Das gefürchtete R-Wort, die Rezession, ist derzeit zwar in aller Munde, dennoch rechnen Experten mit einem Wirtschaftswachstum. Wie Einschätzung von DIHK-Präsident Schweitzer aber zeigt, wird die Situation 2019 angespannt bleiben.

Die USA werden ihren Haushaltsstreit wohl erst im nächsten Jahr beilegen können, auch eine Einigung zwischen den Vereinigten Staaten und China im Handelskonflikt steht aus.

Außerdem werden die Investoren die Entscheidungen der Fed weiter kritisch verfolgen. Sie haben Angst, dass die US-Notenbank durch Zinserhöhungen übers Ziel hinausschießt und das Wachstum so weit abbremst, dass die Wirtschaft in eine Rezession verfällt. “Ich habe noch nie erlebt, dass ein Bremsmanöver problemlos klappt”, sagte kürzlich David Kohl, Chefvolkswirt bei der Schweizer Privatbank Julius Bär, der “Welt”.

In Europa ist der größte Problemfall wohl der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union im März 2019. Hier droht nach wie vor ein ungeregelter Brexit, der zu großem Chaos führen könnte. In diesem Fall rechnen Ökonomen mit einem großen wirtschaftlichen Schaden. 

Auf den Punkt gebracht: 

Auch wenn der US-Aktienmarkt die schlechteste Woche seit 2008 erlebte: Noch gibt es keinen Grund für Panik vor einer Rezession. 

Die vergangenen Tage aber haben deutlich gemacht, wie angespannt und nervös die Investoren jede Entscheidung in den USA verfolgen – und welche Risiken das politische Chaos in Washington für den Rest der globalen Wirtschaft birgt.  

(ak)