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01/06/2018 13:56 CEST | Aktualisiert 01/06/2018 13:56 CEST

Tatortreise in die Vergangenheit

© Copyright Karl-Heinz Hänel
Die Himmelsscheibe von Nebra...

Tatort Nebra, Tatzeit 4.Juli 1999.

Eine einsame Waldlichtung im Oberrodaer Forst am Mittelberg bei Nebra

(Sachsen-Anhalt). Zwei Männer suchen mit einer Metalldetektorsonde nach antiken Bodenschätzen, Sie werden fündig und graben eine vergammelte Bronzescheibe mit Goldauflage aus, dazu zwei Schwerter, zwei Beile, Armreifen und einen Meißel. Der Fund entpuppt sich wenig später als archäologische Sensation. Über Nacht gerät die Kleinstadt Nebra im Burgenlandkreis bei Freyburg (Unstrut) in den Fokus der Weltöffentlichkeit, berichten Fernsehen und Presse über das Geschehen in der Waldabgeschiedenheit der sächsischen Provinz. Nach gründlichen Untersuchungen stufen die Wissenschaftler die „Himmelsscheibe“ als weltweit erste kosmische Darstellung von Sonne, Mond und Sternen ein, die in grauer Vorzeit zur Bestimmung von Aussaat und Ernte genutzt wurde.

Die Endpunkte der beiden Horizontbögen sind auf Winter- und Sonnenwende ausgerichtet. Auch die Deutsche Post würdigt das Ereignis, gratuliert mit einer Serie von Sondermarken. Über 3600 Jahre lag das einzigartige Kleinod verborgen im Erdreich, bis es die Raubgräber eher zufällig entdeckten. Schon tags darauf bot ihnen ein Kölner Händler 31.000 DM an.

Mit der Zahl der Hehler steigerte sich das Ankaufsgebot bis 700.000 DM. Doch bei der vereinbarten Übergabe am 23. Februar 2002 im Hilton Hotel in Basel platzte der Traum vom großen Geld. Der als Interessent getarnte Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt. hatte die Polizei dabei. Raubgräber und Hehler wurden festgenommen und zu Haft auf Bewährung verurteilt. Die „Himmelsscheibe“ wurde dem rechtmäßigen Besitzer zugesprochen. In Sachsen gilt das „Schatzregal“. Es bestimmt: Bodenfunde gehören dem Land.

Das Original, 2,5 Kilo schwer und mit einem Durchmesser von 25 cm, ruht wohlverschlossen in der Obhut des Landesmuseums Halle (Saale). Der Versicherungswert der Scheibe ist Chefsache. Nur so viel verrät Meller: höher als mancher Picasso. Und weiter: „Sie zeigt in gnadenloser Nüchternheit den Sternenhimmel- Etwas, das sich die Menschen der Antike nicht trauten, so zu zeigen. Da brauchte es erst Galilei, bis man zu diesem Verhältnis zum Himmel kam.“

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Futuristisch, die Arche Nebra...

Seit 2007 wird die Geschichte des Prunkstücks in der „Arche Nebra“ erzählt. Die Züricher Architekten Holzer Kobler haben das 60 Meter lange, goldglänzende futuristische Gebäude auf drei Stelzen mitten in den Naturpark Saale-Unstrut gestellt. Seine leicht gebogene Form symbolisiert die nächtliche Fahrt der Sonne auf der Sonnenbarke von West nach Ost, eine Anspielung auf die komplexen Bildelemente der Scheibe.

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über dem Fundort der Himmelsscheibe

300 Quadratmeter Ausstellungsfläche leiten die Besucher durch das Spannungsfeld von Archäologie und Astronomie. Wie in einem Raumschiff leiten Modelle, Spiele und Mitmachaktionen ins Herz der Arche. Dort, im Planetarium, entschlüsselt eine faszinierende Multimediashow das komplexe Wissen, das auf der Scheibe gespeichert ist. Kinder locken besondere Angebote.

Sie können selbstgegossene Modelle aus Zinn oder Schokolade als Andenken mit nach Hause nehmen. Der Souvenirshop im Foyer ist gut sortiert. Ob Bücher, Bilder oder Schmuck, die Sonnenscheibe veredelt alles. Die teuerste Replik kostet knapp einen Tausender. Bis zu zehn Exemplare finden pro anno einen neuen Besitzer zur Zierde des heimischen Kamins. Wechselnde Sonderausstellungen zur Sommersaison erweitern das Programm. Unter dem Titel „Roms Legionen“ marschieren Tausende bis ins kleinste Detail geformte Miniaturfiguren in Dioramen auf, sichern ihre Feldlager und Bastionen oder rüsten sich zum Kampf gegen die Germanen in der legendären Varus-Schlacht im Teutoburger Wald. Wer bei den Legionären anheuern will, kann direkt vor Ort das Marschgepäck schultern und seine tägliche Getreideration frisch mit der römischen Mühle mahlen (bis 4. November). Die ganze Geschichte lesen

Text © Copyright: Karl-Hugo DierichsFotos © Copyright: Karl-Heinz Hänel

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