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13/11/2018 20:35 CET | Aktualisiert 14/11/2018 09:32 CET

Protest nach Vergewaltigungs-Prozess: Hunderte Frauen posten Fotos ihrer Tangas

Aufreizende Unterwäsche ist keine Einwilligung in sexuelle Handlungen.

  • Um Solidarität mit einem Mädchen zu zeigen, dessen mutmaßlicher Vergewaltiger freigesprochen wurde, teilen Frauen momentan Fotos ihrer Unterwäsche auf Twitter.
  • Auslöser war das Abschlussplädoyer der Verteidigung während der Verhandlung. 
  • Im Video oben erfahrt ihr, wie alltäglich Sexualstraftaten in Deutschland sind. 

Unter dem Hashtag #ThisIsNotConsent (“Das ist keine Einwilligung”) teilen momentan Hunderte Frauen Bilder ihrer Unterwäsche auf Twitter. Der Grund: ein Vergewaltigungsprozess in Irland.

In der irischen Stadt Cork soll ein 27 Jahre alter Mann ein 17-jähriges Mädchen vergewaltigt haben. Vergangene Woche musste er sich dafür vor Gericht verantworten. Der Mann plädierte auf nicht schuldig – und wurde freigesprochen. Unter anderem die britische Zeitung “The Independent” berichtete darüber. 

“Sehen Sie sich an, wie sie gekleidet war”

Das Mädchen gab an, noch nie zuvor Sex gehabt zu haben. Als sie dem Angeklagten gegenüber erklären wollte, dass er sie vergewaltigt habe, erwiderte dieser laut britischen Medienberichten: “Nein, wir hatten nur Sex.” Er war sich offenbar keiner Schuld bewusst.

In ihrem Abschlussplädoyer richtete sich die Verteidigerin des Angeklagten dann an die Jury:

“Schließen die Beweismittel denn aus, dass sie sich zu dem Angeklagten hingezogen fühlte und dass sie offen dafür war, sich mit jemandem zu treffen und mit ihm intim zu werden?

Sie müssen sich ansehen, wie sie gekleidet war. Sie trug einen Tanga mit Spitze.”

Der Angeklagte wurde anschließend freigesprochen.

Kein Einzelfall: Victim blaming

Die Aussage der Verteidigerin schlägt nun international Wellen. Immer wieder sehen sich Frauen auf der ganzen Welt nach sexuellen Übergriffen mit Schuldzuweisungen konfrontiert  und das oft mit Verweis auf ihre Kleidung.

Eine in Irland ansässige Expertin überrascht das Urteil nicht. Noeline Blackwell, die Leiterin der Organisation Dublin Rape Crisis Centre, sagte dem “Independent”:

“Es überrascht uns absolut nicht, dass man die Jury glauben machen wollte, dass das Mädchen die sexuellen Handlungen gewollt hätte. Wir betreuen öfter Opfer, während sie ihre Prozesse durchlaufen, und Vergewaltigungsklischees wie diese werden ständig zur Verteidigung herangezogen.”

Entrüstung auf Twitter

Um auf den Fall und die abstoßende Aussage der Verteidigerin aufmerksam zu machen, teilen nun hunderte Frauen Fotos ihrer Unterwäsche auf Twitter. 

Eine Nuzterin schreibt etwa: “Können wir eine Liste haben von Unterhosen, die wir tragen sollen, falls wir nicht vergewaltigt werden wollen? Sind es alle Tangas? Oder nur die mit Spitze? Vielleichte sollten Geschäfte sie auch gleich schon kategorisieren in “Vergewaltigungs-Höschen” und “Sicherheits-Höschen”. 

Eine andere Frau antwortet darauf: “Ich fühle mich in meinem eigenen Land nicht mehr sicher. [...] Werden wir irgendwann beweisen müssen, dass unsere Handtaschen zu provokativ waren?” 

Viele weitere Beiträge finden sich auf Twitter. 

“Nur weil meine Höschen süß sind, heißt das nicht, dass ich zustimme”, schreibt eine Frau.

Manche teilen auch nur den Hashtag und ein Foto. 

(ll)