POLITIK
13/07/2018 07:43 CEST | Aktualisiert 13/07/2018 11:35 CEST

"Maybrit Illner" zu Nato-Gipfel: Experten erklären, wie Trump scheiterte

Die Gäste offenbaren, wie es auf dem Nato-Gipfel zuging.

ZDF
Die Gäste von Maybrit Illner (Mitte): Oskar Lafontaine, Ursula von der Leyen, Ben Hodges, Nicole Deitelhoff (von links).
  • US-Präsident Donald Trump hat beim Nato-Gipfel hoch gepokert – und verloren, wie die Gäste bei “Maybrit Illner” finden.
  • Sie entlarven Trumps Taktik und erklären, wie es auf dem Gipfel zuging.

Was hat US-Präsident Donald Trump seinen Nato-Partnern in den vergangenen zwei Tagen nicht alles an den Kopf geworfen. Deutschland vor allem, das er als Lakai Russlands und als Schmarotzer der US-Verteidigungspolitik hinstellte. 

“Donald Trump macht Politik mit der Abrissbirne”, kommentiert Moderatorin Maybrit Illner diese Art des Politikmachens am Donnerstagabend in ihrer ZDF-Talkshow. Diesmal habe die Nato schweren Schaden genommen. 

Wirklich? Illners Gäste sind da anderer Ansicht. 

Professorin: “Zum ersten Mal eine krachende Niederlage”

Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen in Frankfurt, sagt: “Im Grunde genommen hat Trump zum ersten Mal eine krachende Niederlage erlebt.”

Zunächst sei es gelaufen wie immer. Sagen Deitelhoff und Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die beim Treffen selbst dabei war. 

Die Gäste von Maybrit Illner

  • Ben Hodges, ehemaliger US-General. Ist mit Trumps Allüren alles andere als einverstanden.
  • Ursula von der Leyen, Bundesverteidigungsministerin (CDU). Sieht nicht ein, sich von Trump vor sich hertreiben zu lassen.
  • Nicole Deitelhoff, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Findet, dass Trump diesmal verloren hat.
  • Oskar Lafontaine, Linke-Politiker. Fordert, es solle nicht mehr, sondern weniger fürs Militär ausgegeben werden.
  • Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz. Empfiehlt, sich von Trump nicht vom Wesentlichen ablenken zu lassen.

So beschreiben die Expertinnen Trumps Taktik

Vor dem Gipfel postete Trump wütende Tweets, wieder und wieder. 

Während des Treffens selbst setzte Trump dann die anderen Nato-Mitglieder unter Druck: Entweder, sie geben mehr für Verteidigung aus – was sie, das muss man klarstellen, 2014 selbst zugesagt haben – oder die USA würden “ihr eigenes Ding” machen.

“Was immer das auch heißen mag”, sagt von der Leyen. Das sei typisch für Trump: Mit Tweets und Halbsätzen Unsicherheit und Aufregung zu schüren.

Die Nato-Mitglieder kamen daraufhin zu einer Krisensitzung zusammen. Und da, so interpretieren es die Frauen, ließen die Nato-Mitglieder Trump auflaufen.

Der Tenor: Lasst den mal toben, wir arbeiten inzwischen

“Die Sondersitzung war richtig klasse”, sagt von der Leyen. Kanadas Premier Justin Trudeau habe ein flammendes Plädoyer gehalten, warum sich sein Land im fernen Lettland engagiere. Sprich: Warum es Sinn ergibt, sich in der Nato zu engagieren. 

Auf höhere Zahlungen von bis zu vier Prozent des Bruttosozialprodukts, wie Trump es forderte, ließen sich die anderen Staaten nicht ein.

Der Tenor: Soll Trump nur wüten, wir kümmern uns derweil um die wichtigen Fragen.

“Wir sollten ruhig unsere Bahnen ziehen”, sagt von der Leyen mit süffisantem Lächeln. Und was es zu besprechen gebe, das diskutiere man “von Angesicht zu Angesicht, wie sich das für anständigen Demokraten auch gehört”.

Man brauche nicht auf jeden Tweet Trumps zu reagieren.

Trump redet das Ergebnis schön

Auch der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, bemerkt, wenn man Trump zuhöre, bekomme man den Eindruck, er habe nicht recht verstanden, worum es gehe. Jedenfalls nicht darum, eine Rechnung zu bezahlen.

Der frühere US-General Frederick Benjamin Hodges sagt, Trumps Vorstellung, die Nato als “Verein, wo man seine Mitgliedsbeiträge bezahlt” sei “fürchterlich”. Aber auch wenn die Umstände etwas “bizarr” gewesen seien, der Gipfel an sich zeuge von “Substanz”.

Als Erfolg verkaufte übrigens auch Trump den Gipfel hinterher. Als seinen Erfolg natürlich. Typisch, sagt Deitelhoff.

(jg)