POLITIK
24/07/2018 06:14 CEST | Aktualisiert 01/08/2018 13:36 CEST

"Tagesthemen" zu Özil: Somuncu bringt ARD-Mann Zamperoni aus dem Konzept

“Herr Zamperoni, Sie sind doch Italiener, oder?"

Oben im Video seht ihr die Szene, die ARD-Mann Ingo Zamperoni aus dem Konzept brachte.

Mesut Özil hat mit seinem Rücktritt aus der Fußballnationalmannschaft eine bundesweite Debatte entfacht. Es geht um Fremdenfeindlichkeit, Identität – und Özils angebliche Opferrolle.

Ein beliebter Vorwurf: Der Fußballer habe sich – statt Verantwortung für sein umstrittenes Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu übernehmen – hinter Rassismusvorwürfen versteckt.

In den ARD-“Tagesthemen” sprach Moderator Ingo Zamperoni mit dem in Istanbul geborenen Kabarettisten Serdar Somuncu über den Stand der Diskussion.

Somuncu zu Özil:

► Somuncu erklärte, er könne Özil “bedingt” verstehen. Seine Abrechnung sei “sehr emotional” und sorge dafür, dass die Gemüter erregt bleiben.

Der Comedian hätte sich eine differenziertere Stellungnahme gewünscht, die Sportliches, Politisches und Persönliches trennt.

► Hier lest ihr die wichtigsten Auszüge des Özil-Statements.

Auch habe der Fußballer Selbstkritik vermissen lassen. Erdogan habe Deutschland in der Vergangenheit scharf attackiert. “Sich mit ihm ablichten zu lassen und zu sagen, das war rein privat, ist natürlich fragwürdig.”

Somuncu zum DFB:

► Gleichzeitig sei die Kritik am DFB berechtigt. “Ich finde, dass sich der DFB und Herr Grindel sehr illoyal verhalten haben”, kritisierte Somuncu.

DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte sich in der Debatte nie schützend vor den Fußballer gestellt, ihn nach dem Turnier noch einmal dazu aufgefordert, sich zu erklären und ihm implizit eine Mitschuld am Vorrunden-Aus unterstellt.

Somuncu über Rassismus:

Dann sprach Somuncu über seine eigenen Erfahrungen mit Ausgrenzung.

“Ich habe diese Erfahrung lange Jahre nicht gemacht und mache sie in den letzten Jahren häufiger”, berichtete der Kabarettist. Das habe auch mit dem Internet zu tun, das “immer extremere” Meinungen fördere.

Somuncu findet: “Man kann das sehr ernst nehmen und sagen ‘das ist Rassismus’, man kann aber auch ein bisschen vorsichtiger sein, weil das wieder die falschen Leute freut.”

► Von der nun wieder oberflächlich geführten Rassismusdebatte würde nicht nur die AfD in Deutschland, sondern auch die Erdogan-Partei AKP in der Türkei profitieren. “Uns würde es in Deutschland besser stehen – 50 Jahre, nachdem die Gastarbeiter kamen – eine aufgeschlossene Debatte zu führen, was Integration bedeutet.”

Das solle man nicht an der “Wut über den Misserfolg der deutschen Nationalmannschaft” festmachen.

Somuncus Fazit:

Sein beunruhigendes Fazit: “Wir waren schon einmal weiter in der Debatte. Die Debatte, die wir heute führen, ist hochgradig anachronistisch. Die Frage, ob jemand Deutscher ist, ist obsolet.”

Jeder der in Deutschland lebe und sich zum Grundgesetz bekenne, könne Teil der deutschen Gesellschaft zu sein. Das bedeute aber auch, sich für eine Gesellschaft zu entscheiden.

Somuncu bemerkte: “Wenn man das als Repräsentant der Nationalmannschaft nicht tut, kann das zu Missverständnissen führen.”

Der bizarre Moment des Interviews:

Dann brachte der Entertainer Moderator Zamperoni kurz aus dem Tritt.

Zamperoni wollte auf die Problematik aufmerksam machen, der sich viele Migranten ausgesetzt fühlen, die sich selbst zu Deutschland bekennen. “Das Problem ist, wenn die anderen das nicht so sehen.”

ARD

Somuncu hakte jetzt nach: “Wer sind denn die anderen?”

Zamperoni: “Naja, Deutsche, die eben vielleicht nicht sagen, dass Mesut Özil dazugehört.”

Somuncu: “Herr Zamperoni, Sie sind doch Italiener, oder? Wie ist das bei Ihnen?”

Der Komiker lachte jetzt.

Der ARD-Moderator sagte, er glaube, es gebe da einen Unterschied – der Islam sei ein wichtiger Faktor in der Debatte.

“Na gut, aber die Türkei ist ein laizistischer und kein islamischer Staat”, erklärte Somuncu jetzt wieder ernst. Das werde in Deutschland oft zu oberflächlich betrachtet.

(jg)