POLITIK
07/08/2018 07:46 CEST | Aktualisiert 07/08/2018 14:00 CEST

"Tagesthemen"-Mann wirft GroKo vor, "Zwangsarbeit" einführen zu wollen

Die diskutierte Dienstpflicht sei "altväterlich” und “autoritär”.

ARD
In den "Tagesthemen" lehnt Köhr die Dienstpflicht ab.
  • In den “Tagesthemen” wirft Journalist Köhr der GroKo ein “krudes Gesellschaftsbild” vor.
  • Die geforderte Dienstpflicht sei “autoritär” und “altväterlich”.

Die Aufregung ist groß – und das in der Sommerpause.

Der Grund: Besonders in der Union gewinnt die Idee an Zuspruch, eine allgemeine “Dienstpflicht” einzuführen. Während dieser sollen jedes Jahr rund 800.000 Jugendliche zur Bundeswehr oder in eine soziale Einrichtung gehen und eine Art modernen Wehr- oder Zivildienst ableiten.

Die SPD hadert, Liberale zeigen sich völlig abgeneigt.

Auch MDR-Journalist Oliver Köhr kritisierte die Bundesregierung für die Überlegungen in den “Tagesthemen” am Montagabend scharf. Er warf den Politikern ein “krudes Gesellschaftsbild” vor.

“Altväterlich und autoritär”

Sein Argument: “Lücken im Dienstplan sollten nicht mit einer Art Zwangsarbeit gefüllt werden.” Als solche begreift Köhr den vorgeschlagenen Dienst. Eine martialische Wortwahl, wird “Zwangsarbeit” üblicherweise vor allem im Kontext von autoritären Regimen und Kriegszuständen verwendet.

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Es brauche stattdessen gut ausgebildete und gut bezahlte Fachkräfte. Köhr sagt: “Ich möchte nie von jemandem gepflegt und schon gar nicht verteidigt werden, der dazu gezwungen wird.”

Der MDR-Journalist klammerte hier aus, dass im Verteidigungsfall ohnehin alle Reservisten – und damit wohl auch viele, die es nicht wollen – eingezogen werden können.

Köhr nennt die Idee der CDU, “altväterlich” und “autoritär”. “Das passt überhaupt nicht zum Ziel, junge Menschen zu Selbstständigkeit zu erzielen”, so der Kommentator.

Expertin sieht auch positive Folgen

Christine von Reibnitz, Professorin für Gesundheitsmanagement erklärte am Montag im Gespräch mit der HuffPost, dass eine Dienstpflicht auch positive Folgen haben könnte.

Nach der Abschaffung des Zivildienstes hätten deutlich weniger Männer einen Pflegeberuf gelernt, weil sie keine Gelegenheit zum Reinschnuppern gehabt hätten.

Der Bundesfreiwilligendienst habe “nicht annähernd” den Rekrutierungseffekt gebracht wie der Zivildienst. Auch der Boys Day, der den Effekt hätte mildern sollen, bringe nach ihrer Erfahrung nichts.

Derzeit hätten gerade junge Pflegebedürftige, die zu Hause versorgt werden, große Probleme, Betreuer zu finden.

(mf)