POLITIK
14/08/2018 07:19 CEST | Aktualisiert 14/08/2018 08:11 CEST

"Tagesthemen" rechnen mit CDU ab: "Wähler wissen nicht, wofür sie steht"

Eine Annäherung an Die Linke sei "ein fatales Signal an die eigene Wählerschaft".

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Die MDR-Journalistin Kristin Schwietzer kritisierte in ihrem "Tagesthemen"-Kommentar die rhetorische Annäherung der CDU an die Linkspartei. 
  • CDU und Die Linke diskutieren über eine mögliche Annäherung ihrer beiden Parteien. 

  • Das sei ein “fatales Signal” kommentieren die “Tagesthemen” – und ein mögliche Wahlkampfhilfe für die AfD. 

Es ist eine Diskussion am Rande des politisch Möglichen: Teile der CDU und der Linkspartei bringen eine politische Annäherung ihrer beiden Parteien ins Spiel. 

Ausgelöst hatte die Debatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, der seine CDU zu mehr Offenheit allen politischen Strömungen gegenüber aufforderte. 

Zuletzt hatte sich auch der Linke-Politiker und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow entsprechend geäußert“So bunt war Deutschland noch nie. Diesen Pragmatismus sollten wir jetzt nutzen. Dafür wirbt Daniel Günther, und das ist völlig richtig.”

Für völlig falsch halten solche Überlegungen hingegen nicht nur viele Mitglieder innerhalb der CDU der Linken, sondern auch die “Tagesthemen”-Moderatorin Kristin Schwietzer

Sie rechnete in einem Kommentar am Montagabend mit der CDU ab.

“Tagesthemen” über CDU: ”Fatales Signal an die eigenen Wähler”

“Ich war 12 bei der Wende”, begann Schwietzer.

Sie erinnerte an den Sozialismus in der DDR, gegen den auch ihre Eltern auf die Straße gegangen seien. Und daran, dass viele Menschen im Osten in der Linkspartei eine Nachfolgerin der verhassten SED sehen. 

Auch für die CDU seien die Linken immer ein politisches Feindbild gewesen. “Und dann macht plötzlich ein prominentes Gesicht der Partei das Türchen auf und denkt über Koalitionen mit der Linkspartei nach”, sagte Schwietzer. 

Das irritiere die eigenen Mitglieder und die eigene Wählerschaft.

Zwar würden CDU und Linke auf regionaler Ebene durchaus schon miteinander reden und arbeiten – und wer rechnen könne, der wisse auch, dass es für die Christdemokraten keine einfachen Mehrheiten in Deutschland mehr geben werde. 

Doch Schwietzer kritisierte: “Es ist ein fatales Signal an die eigene Wählerschaft, nicht nur in Thüringen und Sachsen, sondern überall da, wo der Wähler die CDU bei der Bundestagswahl empfindlich abgestraft hat.”

“Tagesthemen” warnen vor Unzufriedenheit des CDU-Klientels

Und da, argumentierte Schwietzer weiter, wo die Unzufriedenheit mit der Politik bei den Wählern ohnehin schon groß sei: “Auch, weil viele Wähler nicht mehr wissen, wofür die CDU steht.”

In der Ost-CDU werde Günthers Vorstoß von nicht wenigen deshalb als “politisch naiv” betrachtet, sagte die Journalistin. Die Angst sei dort groß, dass die Union einmal mehr als beliebig wahrgenommen werde. 

Schwietz warnte: “Das könnte am Ende der politischen Konkurrenz von rechts in die Hände spielen.”