POLITIK
05/12/2018 07:30 CET | Aktualisiert 05/12/2018 07:36 CET

"Gelbwesten"-Krawalle: "Tagesthemen"-Kommentar warnt vor Gewalt in Deutschland

"Wer sich Sorgen um das Ende des Monats machen muss, für den ist das Ende der Welt verdammt weit weg."

ARD
Der ARD-Studioleiter in Paris, Michael Strempel.
  • Der französische Präsident Emmanuel Macron steht durch die “Gelbwesten”-Proteste in Frankreich unter enormen Druck.
  • In einem Tagesthemen-Kommentar hat der ARD-Studioleiter in Paris, Michael Strempel, die Aussetzung der Erhöhung der Ökosteuer kommentiert.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Erhöhung der Ökosteuer auf Diesel und Benzin für sechs Monate ausgesetzt. Das hat Premierminister Edouard Philippe am Dienstag verkündet.

Es ist ein Einlenken, dass die massiven Proteste der “Gelbwesten”, der Regierung abgenötigt hat. Die Antwort auf Bilder von Chaos und Zerstörung, die in den letzten Tagen um die Welt gingen. 

In Paris brannten am vergangenen Samstag Autos, es flogen Gegenstände und Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit Polizisten. Dutzende Menschen wurden verletzt.

► Nach dem massiven Gegenwind der Bevölkerung und dieser in Krawalle umschlagenden “Gelbwesten”-Proteste müsse Macron es jetzt schafffen, “zumindest die vielen gewaltfreien Demonstrierer wieder zu erreichen”, findet “Tagesthemen”-Kommentator Michael Strempel.

Macron und das Volk – ein tristes Bild

Strempel sitzt in Paris als Studioleiter der ARD. In seinem Kommentar spricht er davon, wie “Frankreichs selbstbewusster, strahlend junger Präsident” in die Knie gezwungen wurde.

Und das von “zum Teil gewaltbereiten Demonstranten in gelben Verkehrsschutzwesten”. Es sei ein “tristes Bild”, hält Strempel fest.

► Strempel zeigt mit seinem Kommentar, wie weit die Lebensrealitäten des französischen Staatschefs und seiner Bevölkerung auseinandergehen. 

Macrons Ökosteuer habe das Ziel eine “lebensfähige Welt auch für nachfolgende Generationen zu schaffen”. Grundsätzlich sei dies auch “alles andere als unsozial”, stellt der ARD-Mann fest.

Doch Strempel verdeutlicht eindrücklich, was in den Demonstranten vor sich gehen muss:

Aber es stimmt schon. Wer sich Sorgen um das Ende des Monats machen muss, für den ist das Ende der Welt verdammt weit weg. Trotz aller Klimaanalysen und Expertenwarnungen.”

Auch Kaufprämien für neue und umweltfreundliche Autos seien nunmal “ein Witz für alle die, die sich den Kopf darüber zerbrechen müssen, wie sie die Raten für ihr jetziges Auto bezahlen” sollen, sagt der ARD-Kommentator.

“Vive la France!”

Es seien diese Menschen, die “zu oft aus dem Blickwinkel” der Politiker geraten würden. Gerade, wenn “große Reformer wie Emmanuel Macron” sich aufmachten, die Welt verbessern zu wollen.

► Da können laut Strempel die Ziele noch so “lobenswert” sein – die zu tragenden Lasten einer solchen Reformpolitik wögen unterschiedlich schwer auf den Schultern der Bevölkerung.

“Und wenn Menschen wie die Gelbwestenträger in Frankreich das spüren, gehen sie schonmal auf die Barrikaden.” 

Strempel stellt nüchtern fest:

“Der Ruf ‘Vive la France!’ (‘Es lebe Frankreich!’, Anmerkung der Redaktion) mag mal ihre Herzen gewärmt haben, ihr Porte­mon­naie füllt er nicht.”

Macron müsse es gelingen eben diese mit “Frust beladenen” Menschen wieder zu erreichen. Er müsse “ihnen klar machen, dass sie nicht alleine für eine bessere Welt zahlen müssen, in der sie dummerweise das schlechtere Los gezogen haben”.

Blick nach Deutschland

Dann schließt Strempel seinen Kommentar mit einem Blick nach Deutschland: “Die deutsche Diesel-Debatte lässt grüßen.” Denn auf eben diese Fragen müssten auch Macrons Kollegen in Deutschland Antworten finden.

Sonst, so Strempel, würden demnächst auch anderswo “aus den harmlosen, gelben Warnwesten (...) bedrohliche Kampfanzüge”. 

(jg)