POLITIK
04/02/2018 15:40 CET | Aktualisiert 04/02/2018 17:18 CET

Syrien: Türkische Regierung erwägt Angriffe auf US-Militär

"Falls sie YPG-Uniformen tragen, sind sie ein Ziel!"

Khalil Ashawi / Reuters
FSA-Kämpfer, die von der Türkei unterstützt werden.
  • Der Krieg zwischen der Türkei und der YPG hat sieben türkische Opfer gefordert
  • Ankara kündigte noch härteres Vorgehen an – zur Not auch gegen US-Einheiten

Die Lage im Norden Syriens spitzt sich zu. Ankara riskiert im Nachbarland jetzt gar, in einen Krieg mit den USA hineingezogen zu werden. 

Bei der türkischen Offensive gegen die kurdische Miliz YPG sind sieben türkische Soldaten getötet worden. Fünf Soldaten seien am Samstag bei einem Angriff der YPG auf einen türkischen Panzer in der Region Afrin ums Leben gekommen, teilten die türkischen Streitkräfte mit.

(Dieses Video soll den tödlichen Angriff zeigen.)

Zwei weitere seien zuvor bei Zusammenstößen mit kurdischen Kämpfern in Afrin und auf der türkischen Seite der Grenze getötet worden. Nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw handelt es sich um die bisher höchste Zahl türkischer Todesopfer in dem Konflikt an einem einzigen Tag.

Die türkische Armee geht seit rund zwei Wochen in Nordsyrien gegen die Kurdenmiliz YPG vor, die große Gebiete entlang der syrisch-türkischen Grenze kontrolliert. Die Türkei bezeichnet die YPG als “Terroristen” und sieht sie als verlängerten PKK-Arm an.

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Türkei: “Wir würden auf US-Soldaten schießen”

Gleichzeitig ist die YPG der engste Verbündete der USA in Syrien.

Es ist ein Konflikt, der lange Unvorstellbares Realität werden lassen könnte: Eine direkte Konfrontation der Nato-Partner Türkei und USA.

Der stellvertretende türkische Premierminister Bekir Bozdag sagte so am Sonntag im Gespräch mit CNN Turk:  “Falls wir auf amerikanische Soldaten in YPG-Uniformen stoßen, sind sie ein Ziel.”

Es ist bislang nicht bekannt, dass US-Soldaten in Uniformen der kurdischen Verbündeten agieren. Die USA haben die Miliz aber in Vergangenheit ausgerüstet und trainiert, im Jahr 2016 machten Fotos Schlagzeilen, auf denen US-Militärs Symbole der YPG auf ihren Uniformen trugen.

Ohnehin ist es eher der Subtext, der das Interview mit dem stellvertretenden Premier so brisant macht: Bozdag versucht nicht, die Gemüter zu beruhigen, sondern bringt einen Angriff auf US-Soldaten ins Gespräch.

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Auch Erdogan-Chefberater Ilnur Cevik erklärte bereits im vergangenen Jahr, einen Angriff auf US-Einheiten nicht zu scheuen: “Wenn die YPG zu weit geht und US-Fahrzeuge da sind, könnten Raketen sie unerwartet treffen.”

Unterstützt Assad die Kurden?

Und noch eine andere Front eröffnet sich für die Türkei und ihre syrischen Verbündeten: Denn viel deutet darauf hin, dass das syrische Regime um Präsident Baschar al-Assad begonnen hat, die Kurden im Norden des Landes zu unterstützen.

Vor rund einer Woche hatten die Kurden in Afrin Assad um Hilfe gebeten. Am Sonntag veröffentlichte die islamistische Rebellengruppe Nour al-Din al-Zenki ein Video, das eine abgefangene Waffenlieferung an die YPG in der Provinz Idlib zeigen soll.

Darunter auch Panzerabwehrraketen, die aus Damaskus oder vom syrischen Verbündeten Russland kommen könnten.

(Dieses Video der Islamisten-Gruppe Nour al-Din al-Zenki soll die Waffen zeigen.)

Mit Material der dpa.