POLITIK
09/04/2018 21:35 CEST | Aktualisiert 10/04/2018 06:23 CEST

Giftgas, Raketen und ein kriegsmüder Präsident: Wie es in Syrien weitergeht

Auf den Punkt gebracht.

Pool via Getty Images
US-Präsident Donald Trump will raus aus Syrien – doch kann er?

Die vergangenen 48 Stunden haben die Lage in Syrien auf den Kopf gestellt.

Am Wochenende schockten Bilder von Opfern eines mutmaßlich syrischen Giftgasangriffs die Welt, dann schlugen Bomben auf einem Flugplatz der syrischen Armee ein – und US-Präsident Donald Trump sprach eine ominöse Warnung an Syriens Machthaber Baschar al-Assad aus.

Wie vor fast genau einem Jahr, als Trump einen Stützpunkt in Syrien mit 59 Marschflugkörpern angreifen ließ, stellt sich die Frage: Wird der US-Präsident es wieder tun? Und Assads Armee bombardieren?

Das turbulente Wochenende in Syrien und seine Folgen – auf den Punkt gebracht.

Das ist in Syrien passiert:

► Am Samstag sind bei einem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in der von Rebellen kontrollierten Stadt Duma in Ost-Ghuta laut Angaben von Aktivisten mehr als 150 Menschen getötet und rund 1000 weitere verletzt worden. Die USA machen Syriens Armee dafür verantwortlich, die russische Regierung dementiert, dass überhaupt Chlorgas eingesetzt worden sei.

► Am Montag wurde ein syrischer Militärflugplatz nahe der Stadt Homs bombardiert. Zunächst gab es Berichte, die USA könnten hinter dem Angriff stecken, Syrien, Russland und der Iran machen nun allerdings Israel für den Luftschlag verantwortlich. 

Die israelische Armee wollte sich wie bereits in früheren Fällen nicht zu den Vorwürfen äußern. Die USA und Frankreich dementierten jede Beteiligung an der Bombardierung.

US-Präsident Donald Trump äußerte sich am Montag zu dem mutmaßlichen Giftgas-Angriff. “Wir können solche Greueltaten nicht zulassen”, betonte er. Seine Regierung werde in den nächsten 24 bis 48 Stunden eine “bedeutende Entscheidung” treffen. 

Wird Trump Syrien angreifen lassen?

► Die Situation ähnelt der Lage vor einem Jahr. Damals hatte die US-Regierung einen syrischen Flughafen bombardiert – als Vergeltung für einen syrischen Giftgaseinsatz in der Stadt Chan Scheichun mit Dutzenden Toten.

► Es ist daher also wahrscheinlich, dass Trump auch dieses Mal militärisch in Syrien eingreifen könnte. 

Zwei Argumente sprechen jedoch dagegen, dass der US-Präsident genauso handelt wie 2017:

► Trump hatte kürzlich überraschend einen Rückzug der US-Truppen aus Syrien angekündigt, das Weiße Haus ruderte dann allerdings zurück. Fakt ist aber: Trump möchte die Auslandseinsätze der US-Armee in ihrem Umfang verringern oder ganz beenden.

► Der Luftschlag 2017 war ein symbolischer Akt geblieben. Mit dem neuerlichen Giftgasangriff – sollte sich erhärten lassen, dass Assad dahinter steckt – wäre die Wirkungslosigkeit dieser einmaligen Maßnahme offensichtlich. 

► Deutlich wird dadurch: Trump steht unter Zugzwang.

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Was Trump unternehmen könnte:

► Nicht nur Trump gerät nun unter Druck: Auch der französische Präsident Emmanuel Macron hatte erst kürzlich Assad beim Einsatz von Chemiewaffen mit einem Angriff gedroht. 

► Am Wochenende wiederholte Macron diese Aussage und warnte vor “gezielten Schlägen” gegen die syrische Regierung, sollte der Einsatz der Chemiewaffen unwiderlegbar bewiesen werden.

► Möglich sei deshalb, kommentiert “Spiegel Online”, dass Trump mit Frankreich eine Militärkoalition schmieden könnte, um eine größere Anzahl an Zielen anzugreifen. 

► Ein Experte sieht das jedoch im Gespräch mit dem US-Nachrichtenportal “Vox” anders: “Wir könnten einige symbolische Luftschläge starten, um den Einsatz chemischer Waffen zu verhindern. Ich bezweifle aber wirklich, dass es darüber hinausgehen wird”, betont Ilan Goldenberg, Analyst beim Center for a New American Security. Die Präsenz von Russland in Syrien würden die USA vor einer Eskalation abschrecken.

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Was ist mit Israel?

► Verkompliziert wird die Lage durch den mutmaßlich israelischen Angriff in Syrien am Montag. Unklar ist, ob die Attacke mit dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Zusammenhang steht.

► Handelte Israel auf Geheiß des Verbündeten, der USA? Bisher gibt es dafür keine Indizien.

► Auch das iranische Militär sei in der Vergangenheit auf dem angegriffenen Flugplatz aktiv gewesen, berichtet “Vox”. Womöglich habe der Angriff Israels also dem Erzfeind, dem Iran, gegolten.

Auf den Punkt gebracht:

Das Wochenende hat die Lage in Syrien verschärft. Die US-Regierung hat militärische Schritte nicht ausgeschlossen, ein Angriff auf das Assad-Regime scheint wahrscheinlicher geworden zu sein.

Offen aber bleibt die Frage: Wie tief will sich die Regierung von Trump in dem verfahrenen Bürgerkrieg in Syrien verstricken lassen? Die nächsten Stunden und Tage werden es zeigen.

 (mf)