WIRTSCHAFT
21/06/2018 16:01 CEST

Deutsche Supermärkte stehen in Studie auf letztem Platz – das ist beschämend

Das wirft kein gutes Paar auf Aldi, Edeka und Co.

Dan Dalton via Getty Images
Diejenigen, die den Supermarkt mit Lebensmitteln versorgen, kratzen selbst am Existenzminimum (Symbolbild). 
  • Die Hilfsorganisation Oxfam hat in einer internationalen Studie untersucht, wie fair Mitarbeiter in Supermärkten behandelt werden. 
  • Deutschland liegt auf dem letzten Platz und fällt hinsichtlich Schutzmaßnahmen für Frauen sogar durch. 

Eigentlich hat Deutschland einen guten Ruf, wenn es um Menschen- und Arbeitsrechte geht. Zumindest scheint es so.

Doch hinter den Kulissen verbirgt sich eine erschreckende Realität: Mitarbeiter, der Produktionskette von deutschen Supermärkten werden ungerecht, sogar schlecht behandelt. Im internationalen Vergleich liegt die Bundesrepublik auf dem letzten Platz, wenn es um die Geschäftspolitik der Großmärkte in Bezug auf Menschenrechte geht.

Supermarktriesen ignorieren Schutz von Menschenrechten

Das zeigt eine Studie der Hilfsorganisation Oxfam. Die Forscher werteten Informationen der 16 größten und umsatzstärksten Supermarktketten in den USA, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland aus und verglichen diese mit globalen Standards zum Schutz von Menschenrechten bei der Lebensmittelproduktion. Betroffen sind alle Menschen der Produktionskette – vom Bauer bis zum Lieferfahrer

Anhand eines Bewertungssystems konnten die Studienführer die verschiedenen Ketten innerhalb eines Landes und auf internationaler Ebene gegenüberstellen. 

Die Ergebnisse sind alarmierend: Die deutschen Riesen – Edeka, Lidl, Rewe und Aldi – schnitten in allen Bereichen kläglich ab. Maximal acht Prozent von der Gesamtwertung erreichten die Supermärkte.

Das bedeutet: Die Ketten, die genügend Geld erwirtschaften – wie Edeka mit knapp 52 Milliarden Umsatz im vergangenen Jahr – engagieren sich spärlich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen. 

► Supermärkte in den USA und Großbritannien liegen hingegen teilweise im zweistelligen Prozentbereich. Die Ketten achten also weit besser auf die gute Bedingungen als ihre deutschen Kollegen. 

“Menschenrechte sind nur eine Fußnote”

Aus der Studie geht außerdem hervor, dass besonders Frauen unter den ungerechten Arbeitsbedingungen leiden. Alle Supermärkte fielen bei der Frage nach Schutzmaßnahmen für Mitarbeiterinnen durch. 

Für Oxfam ein eindeutiges Zeichen: “Aldi, Edeka, Lidl und Rewe müssen endlich dafür sorgen, dass die Menschen, die unsere Lebensmittel herstellen, fair behandelt werden”, erklärt die Oxfam-Expertin für Wirtschaft und Globalisierung, Barbara Sennholz-Weinhardt.

Mehr zum Thema: “Ich kaufe da nichts mehr an Wurst”: Edeka-Kundin teilt angebliches Ekel-Foto aus Filiale

► Auch und insbesondere Frauen, beispielsweise Farmerinnen auf Großplantagen, müssten vor Gewalt und Diskriminierung bewahrt werden.

Erst vor kurzem machte ein Medienbericht auf die zahlreichen sexuellen Belästigungen auf spanischen Erdbeerplantagen aufmerksam.

Menschenrechte seien in der Geschäftspolitik der großen deutschen Supermärkte nur eine “Fußnote”, resümiert Wirtschaftsexpertin Sennholz-Weinhardt. 

Mitarbeiter kratzen am Existenzminimum

In einer zweiten Studie, “Die Zeit ist reif” deckte Oxfam auf, dass besonders diejenigen leiden, die die Deutschen mit Lebensmitteln versorgen.

Vom Kleinbauern bis zum Lieferanten – in dieser Versorgungskette verdienen die Menschen weniger, als sie eigentlich zum Leben brauchen würden.

► Ihr Durchschnittseinkommen liegt unter dem Existenzminimum.

Ganz im Gegenteil zu den Supermärkten und deren Anteil am Verkaufspreis. Dieser ist nach Angaben von Oxfam zwischen 2011 und 2015 stark angestiegen. Nur haben diejenigen, die die Supermärkte eigentlich am Leben erhalten, nichts vom wirtschaftlichen Wachstum abbekommen. 

Doch das wäre gerade durch den deutlich gestiegenen Erlös der Supermärkte möglich. Diese könnten den zusätzlichen Ertrag verwenden, damit sich ihre Mitarbeiter problemlos versorgen können – und nicht am Existenzminimum kratzen müssen. 

Es wäre längst an der Zeit, die Verhältnisse zu ändern, fordert Franziska Humbert, Oxfam-Expertin für soziale Unternehmensverantwortung. 

“Wir weigern uns hinzunehmen, dass wirtschaftliche Ausbeutung und Leid Zutaten vieler Lebensmittel sind, die wir im Supermarkt kaufen.”

► Es würden in allen Ketten gerechte Beschwerdeverfahren fehlen, durch die Mitarbeiter besser geschützt werden könnten.

Generell fordert die Hilfsorganisation, dass die deutschen Supermarktmitarbeiter ausreichend bezahlt werden und ihre Arbeitsrechte endlich gewahrt werden müssten.

(ks)