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11/05/2018 18:49 CEST | Aktualisiert 11/05/2018 19:29 CEST

Sudan: Frau bekommt Todesstrafe, weil sie sich beim Sex mit Ehemann wehrte

Der Fall bringt die Missstände der sudanesischen Gesellschaft an die Öffentlichkeit.

  • Im Sudan hat eine Frau ihren Ehemann aus Notwehr getötet, weil dieser sie vergewaltigt haben soll.
  • Der Fall der 19-Jährigen rückt die Missstände der sudanesischen Gesellschaft ins Licht der weltweiten Aufmerksamkeit.
  • Im Video oben: 9 Fotos zeigen, dass sexuelle Gewalt allgegenwärtig ist. 

Die 19-jährige Noura Hussein wurde gestern für den Mord an ihrem Ehemann zum Tode verurteilt. Die Sudanesin erstach den Mann, weil er versucht haben soll, sie zu vergewaltigen.

Hussein wurde im Alter von 16 von ihren Eltern zwangsverheiratet. Um ihrem Schicksal zu entgehen, flüchtete sie zu einer Tante, bis ihr Vater sie drei Jahre später unter einem Vorwand zurück nach Hause holte.

► Dort lieferte die Familie sie an ihren Ehemann aus.

Als sich die junge Frau geweigert habe mit ihrem Ehemann zu schlafen, habe er sie vergewaltigt, während sein Bruder und zwei seiner Cousins sie festgehalten hätten, sagte Dr. Adil Mohamed Al-Imam, einer von Husseins Anwälten, gegenüber dem Nachrichtensender CNN.

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Hussein tötete ihren Ehemann aus Notwehr

Husseins Mann habe einen Tag später erneut versucht sich an ihr zu vergehen. Daraufhin habe sie ihn aus Notwehr erstochen und flüchtete zu ihrer Familie. Diese habe sie jedoch der Polizei ausgeliefert.

“Nach dem Gesetz der Scharia kann die Familie des Ehemanns den Tod der Täterin oder finanzielle Entschädigung fordern”, erklärte Badr Eldin Salah, ein Aktivist des Afrika Youth Movement, gegenüber der BBC.

► Die Familie habe sich für den Tod entschieden und so wurde die Todesstrafe verhängt. 

Die Rechtsprechung im Sudan gibt dem Ehemann recht

Zwangsheirat und Vergewaltigung in der Ehe sind im Sudan große Probleme. Bisher wurden diese Themen jedoch stark tabuisiert.

Der aktuelle Fall rückt die Problematik jetzt ins Licht der weltweiten Aufmerksamkeit.

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Besonders über den Messenger Dienst Whatsapp, der im Sudan für die Übermittlung von aktuellen Nachrichten verwendet wird, wurde Husseins Geschichte verbreitet.

Unter den Hashtags #JusticeforNoura und #SaveNoura melden sich auf Twitter und Instagram weltweit Menschen zu Wort, die hinter der Täterin stehen.

Die Journalistin Ola Diab forderte, dass Vergewaltigung in der Ehe im Sudan endlich als Verbrechen strafbar gemacht wird:

“Vergewaltigung in der Ehe ist aus moralischen, ethischen und religiösen Gründen falsch. Es ist Zeit, dass die Justiz im Sudan Vergewaltigung in der Ehe [als Verbrechen] anerkennt und es illegal macht.”

Twitter-Nutzerin Nina verurteilte Housseins Fall als Konsequenz der Gesellschaft, die Frauen, die irgendeine Art von Freiheit suchen, dämonisiert:

“Das Thema ist gesellschaftlich und systematisch und wird von der sudanesischen Rechtssprechung gefördert. Jeder sollte wissen, was die sudanesische Regierung unterstützt.”

Twitter-Nutzerin Randa Elzein zeigte sich betroffen von dem Urteil und Housseins Auftritt vor Gericht:

“Sie kam mit sicherem Schritt und erhobenen Kopf [in den Gerichtssaal]. Sie ist eine Heldin, eine Überlebende und eine Stimme, die sich getraut hat, sich in einer Gesellschaft, die unterdrückt, gegen die Unterdrückung aufzulehnen.”

► Eine Petition auf change.org, die Husseins Freilassung fordert, hat bereits über 100.000 Unterstützer erreicht.

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Viele Menschenrechtsorganisationen wie Equality Now und Amnesty International kämpfen dafür, dass das Urteil aufgehoben wird.

Amnesty International Aktivist Seif Magango verurteilte den Schuldspruch gegenüber der BBC als “nicht tolerierbaren Akt der Grausamkeit”.

► Zudem zeige das Urteil das Versagen der Behörden gegen Kinderehe, Zwangsheirat und Vergewaltigung in der Ehe vorzugehen.  

“Die sudanesischen Behörden müssen diesen grob fahrlässigen und unfairen Schuldspruch aufheben und gewährleisten, dass Noura ein gerechtes Verfahren bekommt, dass die strafmildernden Umstände mit einbezieht.”

(amr)