ELTERN
27/02/2018 10:11 CET | Aktualisiert 27/02/2018 12:54 CET

Eltern: Die 9 wichtigsten Studien über die Entwicklung von Kindern

Wer glückliche Kinder großziehen will, sollte seine E-Mails besser auf der Toilette lesen.

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Erstgeborene genießen einige gewaltige Vorteile. 
  • Im letzten Jahr wurden zahlreiche bahnbrechende Studien über die Entwicklung von Kindern veröffentlicht
  • Sie zeigen Eltern, was bei Kindererziehung heute wichtig ist

Wie arbeitsreich das Jahr 2017 für Eltern auch immer gewesen sein mag: Es war sicherlich noch sehr viel arbeitsintensiver für all die Entwicklungspsychologen, Biologen, Neurologen und Familiensoziologen, die erforschen, warum und wann Kinder zu voll, oder eben nur zu bedingt, funktionsfähigen Erwachsenen heranreifen.

Im Laufe des letzten Jahres sind zahlreiche bahnbrechende Studien veröffentlicht worden, die sich mit der Zeit stark darauf auswirken könnten, wie Eltern das Elternsein angehen, und dadurch auch Einfluss darauf nehmen, wie die Kindheit der Zukunft aussehen wird.

Können Wissenschaftler bereits mit Bestimmtheit sagen, welche Erziehungsmethoden einen optimalen Menschentypus hervorbringen? Und kann die Entwicklung dieses Menschen dann auch von der Krippe bis in den Vorstandsvorsitz von der Wissenschaft begleitet werden?

Die Antwort lautet: Nein, ganz so viel können Wissenschaftler noch lange nicht.

Aber sie wissen zumindest sehr viel mehr als noch vor einem Jahr. Dank der gewissenhaften Arbeit der Forscher ist es nun auch Eltern möglich, bessere Entscheidungen für die Erziehung ihrer Kinder zu treffen.

Hier sind diejenigen wissenschaftlichen Durchbrüche des Jahres 2017, die Eltern mit hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe des nächsten Jahrzehnts beeinflussen werden. Zumindest bis sie dann wieder von den nächsten wissenschaftlichen Errungenschaften abgelöst werden.

1. Kinder neigen eher zu Wutanfällen, wenn Eltern häufig ihr Smartphones nutzen

► Wer hat das herausgefunden: Brandon McDaniel, Professor für Familien- und Verbraucherleistungen und Jenny Radesky, Ärztin und Professorin für Pädiatrie an der Universität Michigan.

► Warum das wichtig ist: Eine wachsende Anzahl von Studien zeigt, dass das andauernde Starren auf Bildschirme sowohl für Erwachsene als auch für Kinder ausgesprochen schädlich ist, aber McDaniel und Radesky gelang es nun in ihrer Studie, das schlechtes Verhalten von Kindern direkt auf die Smartphone-Nutzungsgewohnheiten ihrer Eltern zurückzuführen.

Aus Testszenarien mit über 200 Familien schlussfolgerten die Forscher, dass Kinder, deren Eltern das familiäre Beisammensein regelmäßig mit dem Tippen von Nachrichten oder dem Checken von Mails unterbrechen, stärker zu Überempfindlichkeitssyndromen, Wutanfällen, Hyperaktivität oder Quengeln neigen.

► Was das für Eltern bedeutet: Kinder, die sich gezwungen sehen, mit den Smartphones ihrer Eltern um Aufmerksamkeit zu konkurrieren, versuchen durch schlechtes Benehmen auf sich aufmerksam zu machen.

Mehr zum Thema: So bestimmt das Verhältnis zwischen Geschwisterkindern ihr späteres Leben

Eltern können ihren Kindern eine ganze Menge Stress ersparen, indem sie ihre Nachrichten einfach im Raum nebenan lesen oder die Geräte beim Abendessen sogar ganz ausschalten.

Der kurzweilige, durch Kommunikation ausgelöste Dopaminkick, rechtfertigt nicht durch Vernachlässigung verursachte Langzeitkosten bei der Kindererziehung. Wer glückliche Kinder großziehen will, sollte seine E-Mails also besser auf der Toilette lesen.

2. Kinder bestehen Marshmallow-Test immer besser

► Wer das herausgefunden hat: John Protzko, ein promovierter Forscher an der University of California in Santa Barbara.

► Warum das wichtig ist: Der Marshmallow-Test wurde erstmals im Jahre 1972 an der Universität Stanford entwickelt. Er sollte zeigen: Kinder, die es schaffen, das Essen eines Marshmallows um 15 Minuten hinauszuzögern, um danach mit einem zweiten Marshmallow belohnt zu werden, sind im späteren Leben erfolgreicher sein würden als die Kinder, denen solche Belohnungsaufschübe schwerfallen.

Die Ergebnisse des Marshmallow-Tests wurden seitdem über 30 Mal dupliziert. Im letzten Jahr veröffentlichte Protzko eine Übersicht zum aktuellen Stand der Forschungsliteratur. Aus dieser wurde ersichtlich, dass Kinder den Marshmallow-Test immer besser bestehen lernen.

Mehr zum Thema: Ärzte warnen: Geburten werden oft zu früh eingeleitet

Daraus entstand die Schlußfolgerung, dass diese Kinder zu einer neuen Generation erfolgreicher Erwachsener heranwachsen, die sich durch großartige Impulskontrolle auszeichnen.  

► Was das für Eltern bedeutet: “So sind Kinder nun mal” ist ein Satz, den man zwar häufig aus Elternmündern hört, der aber rein deshalb nicht unbedingt auf alle Generationen oder Epochen zutreffen muss. Wie die Studie zeigt, können sich Kinder mit der Zeit auch verändern.

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3. Scheitern ist eine wichtige Erfahrung, die Kindern nicht vorenthalten werden sollte

► Wer das herausgefunden hat: Noelle Nelson, Selin Malkoc und Baba Shiv von der Ohio State University.

► Warum das wichtig ist: Die Neigung vieler Eltern, ihre Kinder nicht allzu lange über ihre unzähligen Versäumnisse und Fehler nachgrübeln zu lassen, führt möglicherweise dazu, dass diese aus ihren Fehlern nicht ausreichend lernen.

Ein Forscherteam der Ohio State fand heraus, dass Menschen, die sich viel mit ihrem eigenen Scheitern, und insbesondere mit den damit verbundenen negative Gefühlen, befassen, insgesamt weniger dazu neigen, ihre Fehler aus der Vergangenheit zu wiederholen.

Dies unterstützt die These, dass Stress unter Umständen sogar positive Auswirkungen auf uns haben kann.

► Was das für Eltern bedeutet: Es ist wahrscheinlich, dass Scheitern ein Werkzeug zur evolutionären Anpassung darstellt. Kinder vor negativen Gefühlen bewahren zu wollen, kann deshalb das Erfolgspotenzial des Kindes einschränken.

Auf Fehlern braucht zwar nicht andauernd herumgeritten werden, sie sollten aber gleichzeitig nicht komplett unter den Tisch gekehrt werden.

Der Schlüssel zum Erfolg: Mit gutem Beispiel vorangehen und die eigenen Enttäuschungen nicht verbergen.

4. Aus geschlagenen Kindern werden gewalttätige Ehepartner

► Wer das herausgefunden hat: Jeffrey Temple, Professor für Frauen- und Kinderleistungen in der medizinischen Fakultät der University of Texas und seine Kollegen.

► Warum das wichtig ist: Es ist längst bewiesen, dass Kinder, die körperlicher Gewalt ausgesetzt werden, im späteren Leben selbst zu Gewalt und aggressivem Verhalten neigen.

Aber diese Studie ist die erste, die die Auswirkungen der sprichwörtlichen “Tracht Prügel” auf spätere Liebesbeziehungen aufzeigt.

Gewalt zwischen Liebespartnern macht bis zu 15 Prozent aller Gewaltverbrechen in den Vereinigten Staaten aus. Diese Studie zeigt, dass der Prozentsatz mithilfe der richtigen Disziplinarmethoden erheblich reduziert werden könnte.

► Was das für Eltern bedeutet: Egal, ob dir dein Kind mal wieder den letzten Nerv raubt, oder dich bis zum Anschlag frustriert: Es gibt einfach keinen Grund, ein Kind zu schlagen.

Die “Tracht Prügel” hat nicht nur auf Kinder, sondern auch auf deren zukünftige Freunde und Partner ausgesprochen schädliche Auswirkungen.

5. Ein Heilmittel für Koliken? Nette Ehemänner

►  Wer das herausgefunden hat: Chandran Paul Alexander, Professor für Pädiatrie an der Penn State, und seine Kollegen.

► Warum das wichtig ist: Eine Studie von mehr als 3000 Familien zeigt, dass Babys von Müttern, die nach der Geburt von ihren Ehemännern unterstützt werden, sehr viel seltener an Koliken-Symptomen leiden.

Dies ist nur die jüngste Ergänzung zu einer wachsenden Fachliteratur, die aufzeigt, dass Babys, deren Mütter nach der Geburt von ihren Partnern unterstützt werden, sich später meist gesünder entwickeln.  

► Was das für Eltern bedeutet: Ihr solltet zu euren Partnern zwar eigentlich immer nett sein, aber wer sich in der Zeit nach der Geburt ein wenig extra anstrengt, wird dafür mit der Gesundheit seines Babys belohnt.

6. Kinder können lernen, nicht rassistisch zu sein

► Wer das herausgefunden hat: Gail Heyman, Psychologieprofessor am University College San Diego und seine Kollegen.

► Warum das wichtig ist: Eine Studie mit mehr als 100 chinesischen Kindern hat bewiesen: Rassistische Vorurteile können abgebaut werden, wenn Kindern bereits im Alter von fünf Jahren beigebracht wird, die Gesichter afroamerikanischer Menschen voneinander zu unterscheiden.

Diese Ergebnisse zeigen, dass Kinder, die bereits in einem frühen Alter lernen, dass Menschen anderer Rassen nicht alle gleich sind, im späteren Leben weniger zu Generalisierungen über große Menschengruppen neigen.

► Was das für Eltern bedeutet: Obwohl Rassismus vielleicht nicht unbedingt ein Thema für Fünfjährige ist, kann es trotzdem helfen, Kindern bereits früh zu erklären, wie sich zwischen jeweiligen Menschen anderer Rassen unterscheiden lässt.

Dies ist nicht unbedingt schwierig, und kann sie vor späterer Intoleranz bewahren. Die Unterscheidung zwischen oberflächlich ähnlichen individuellen Gegenständen gehört zu den wichtigsten kognitiven Entwicklungen im Kindesalter.

Kinder können vor Intoleranz und rassistischen Vorurteilen bewahrt werden, wenn sie bereits früh mit einer Vielzahl unterschiedlicher Charaktere umgeben werden.

7. Autismus kann bei Kleinkindern schon vor dem Einsetzen der Symptome erkannt werden

► Wer das herausgefunden hat: Joseph Piven von der University of North Carolina School of Medicine und seine Kollegen.

► Warum das wichtig ist: Gehirnscans ermöglichen es Ärzten, bereits bei sechs Monate alten Kleinkindern mit 96-prozentiger Genauigkeit Autismus-Diagnosen zu treffen.

► Was das für Eltern bedeutet: Autismus-Diagnosen bei Kleinkindern sind auch deshalb so herzzerreißend, weil die Eltern zum Zeitpunkt der Diagnose meistens bereits zwei Jahre in dem Glauben verbracht haben, das eigene Kind sei gesund.

Auch wenn frühere Diagnosen nicht unbedingt zu effektiveren Behandlungen führen, vermindern sie doch den Schock für die Eltern, und können Mamas und Papas dabei helfen, die schlechten Nachrichten auf bessere Weise zu verarbeiten.

8. Erstgeborene genießen einige gewaltige Vorteile

► Wer das herausgefunden hat: Sandra E. Black, Erik Grönqvist und Björn Öckert am IZA Institute of Labor Economics.

► Warum das wichtig ist: Die Studie, die sich allerdings nur mit Jungen aus Schweden befasste, zeigt auf, dass Erstgeborene mit einer um 30 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit zu Managern oder anderen Führungsfiguren heranwachsen, als ihre zweit- oder drittgeborenen Geschwister.

Die Forscher schlussfolgerten, dass dies wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass Erstgeborene meist mehr elterliche Unterstützung bei den Hausaufgaben oder dem Schulverbleib erfahren. IQ-Werte spielen dabei natürlich auch eine wichtige Rolle.

► Was das für Eltern bedeutet: Es ist vollkommen in Ordnung, dass dein ältestes Kind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zum Akademiker oder zur Führungsfigur wird.

Das bedeutet nicht automatisch, dass du eines deiner Kinder bevorzugst. Auch die jüngeren Geschwister werden individuelle Stärken entwickeln, auf die sie sich im späteren Leben verlassen können.

9. Der IQ steckt bereits in der Windel der Kinder

► Wer das herausgefunden hat: Rebecca Knickmeyer, Assistenzprofessorin für Psychiatrie an der University of North Carolina und ihre Kollegen.

► Warum das wichtig ist: Forscher haben herausgefunden, dass bestimmte mikrobielle Gemeinschaften in den Ausscheidungen von Einjährigen zur korrekten Vorhersage späterer kognitiver Entwicklungen herangezogen werden können.

Interessanterweise schnitten Kinder im Alter von zwei Jahren, deren Mikrobiomen eine große Vielfalt aufwiesen, bei Intelligenztests sehr viel schlechter ab, als Kinder, deren Darmflora zu diesen Zeitpunkt weniger vielfältig war.

► Was das für Eltern bedeutet: Das Ding in deiner Hand ist keine schmutzige Windel, sondern ein IQ-Test.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen von Lukas Wahden übersetzt und erschien zuerst bei HuffPost US.