WIRTSCHAFT
09/02/2019 09:43 CET | Aktualisiert 09/02/2019 17:52 CET

Grundeinkommen in Finnland: Studie offenbart zwei Probleme – und einen großen Vorteil

Auf den Punkt.

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Finnlands Hauptstadt Helsinki. 

Es war ein gewagtes Experiment. Und eines, das für Aufmerksamkeit weltweit sorgte. 

2017 startete das Grundeinkommens-Projekt in Finnland. Über zwei Jahre hinweg zahlte die Sozialverwaltung Kela 2000 zufällig ausgewählten Arbeitslosen in Finnland 560 Euro monatlich.

Das Geld mussten die Probanden im Alter zwischen 25 und 58 Jahren nicht versteuern. Zusätzliches Einkommen aus einem Job oder selbstständiger Arbeit konnten sie komplett behalten.

Nun ist das Projekt beendet – und die Forscher von Kela ziehen Bilanz. Dabei fällt auf: Einige Hoffnungen konnte das Grundeinkommens-Projekt nicht erfüllen, eine positive Wirkung aber zeigte sich. 

Die Bilanz des Grundeinkommens-Experiments – auf den Punkt gebracht. 

Was die Forscher mit dem Projekt erreichen wollten: 

Mit dem Projekt verbanden die Forscher mehrere Hoffnungen: 

Lassen sich mit einem Grundeinkommen die komplexen und teilweise schwerfälligen Sozialsysteme in europäischen Staaten reformieren? Fällt dadurch bürokratischer Aufwand weg?

Außerdem wollten die finnischen Wissenschaftler herausfinden, ob die Teilnehmer des Experiments leichter oder schwerer einen Job finden würden. 

In welchen Punkten das Grundeinkommens-Experiment in Finnland enttäuschte: 

Geplant war ursprünglich, das Projekt auf 10.000 Probanden auszuweiten. Allerdings entschied sich die finnische Regierung dafür, das Experiment nach zwei Jahren nicht zu verlängern. 

Untersuchungsleiter Olli Kangas gibt daher zu bedenken: “Was wir jetzt auswerten, ist viel kleiner als der ursprüngliche Plan und aus vielen Gründen verwässert worden”, wie die “Welt” den Forscher zitiert.  

Allerdings steht nach dem Ende nun fest: Zwei Hoffnungen konnte das Projekt nicht erfüllen. 

Auf dem Arbeitsmarkt gab es keine wesentlichen Unterschiede gegeben.

“Auf der Grundlage einer Analyse der Registerdaten auf Jahresebene können wir sagen, dass die Empfänger des Grundeinkommens im ersten Jahr genauso gut oder genauso schlecht einen neuen Job gefunden haben wie die Vergleichsgruppe”, berichtet Forschungskoordinator Ohto Kanninen in einer Mitteilung von Kela. 

Bemerkenswert aber ist, dass die Teilnehmer auch nicht schlechter in dieser Analyse abschnitten als die Personen in der Vergleichsgruppe. 

Auch der bürokratische Aufwand war für die Teilnehmer teilweise hoch. 

So weisen die Forscher in einer weiteren Analyse darauf hin, dass Teilnehmer mit Kindern weiterhin staatliche Zuschüsse beantragten. “Diese Eigenschaft des Experiments bedeutet, dass eine Mehrheit der Personen in der Behandlung Gruppe nicht von der geringerer Bürokratie profitierte”, schreiben die Forscher.

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Doch das Experiment zeigte auch Vorteile eines Grundeinkommens:  

Eine positive Auswirkung für die Teilnehmer des Experiments: Sie waren glücklicher, wie eine Umfrage unter den Probanden laut Kela ergab.  

“Die Empfänger des Grundeinkommens wiesen weniger Stresssymptome und Konzentrations- und Gesundheitsprobleme auf als die Vergleichsgruppe”, sagte die leitende Forscherin Minna Ylikännö vom finnischen Sozialversicherungsinstitut Kela. “Sie hatten zudem ein stärkeres Vertrauen in ihre Zukunft und ihre eigenen gesellschaftlichen Mitwirkungsmöglichkeiten.”

Außerdem seien die Teilnehmer zuversichtlicher gewesen, schneller einen neuen Job zu finden. Und hätten das Gefühl gehabt, es sei weniger Bürokratie im Spiel, wenn sie Sozialleistungen beantragten. 

Auch wenn das Grundeinkommens-Projekt in harten Zahlen nicht die gewünschten Ergebnisse brachte, für die Teilnehmer verbesserte sich aus ihrer Sicht ihre Lebensqualität. 

“Die Ergebnisse der Analyse und der Umfrage sind nicht widersprüchlich”, sagte Forscherin Ylikännö. “Das Grundeinkommen kann sich positiv auf das Wohlbefinden des Empfängers auswirken, auch wenn es die Beschäftigungsaussichten der Person kurzfristig nicht verbessert.”

Auf den Punkt gebracht: 

Noch sind alle Daten nicht ausgewertet, darauf weisen die finnischen Forscher hin. Die Bilanz des Grundeinkommens-Projekts aber, so viel kann man jetzt schon sagen, fällt gemischt aus.  

Alle Hoffnungen konnte das Experiment offenbar nicht erfüllen. Das Wohlbefinden der Teilnehmer und ihr Vertrauen in den Staat aber stieg durch ein Grundeinkommen von 560 Euro im Monat.