WIRTSCHAFT
12/08/2018 08:43 CEST | Aktualisiert 12/08/2018 15:15 CEST

Wohnungsnot: Studie zeigt den überraschenden Grund

Auf den Punkt.

Im Video oben: Mit dieser Idee möchte ein Startup die Wohnungsnot in Berlin bekämpfen.

Es ist eine alarmierende Entwicklung.

► In Ballungsräumen sind die Mieten seit 2010 um rund 30 Prozent gestiegen, in München um rund 50 Prozent, in Teilen Berlins gar um 70 Prozent. 

Immer mehr Menschen ziehen in die Städte, überall fehlt es an Wohnraum, das treibt die Preise.

Die Frage, die sich stellt: Warum kommen Kommunen nicht nach, bezahlbare neue Wohnungen zu bauen? Schließlich hat die Bundesregierung dafür Milliarden zur Verfügung gestellt.

Eine Studie der Kreditgesellschaft KfW hat die Ursachen gezeigt. Der überraschende Grund für die Wohnungsnot – auf den Punkt gebracht.

Der überraschende Grund für die Wohnungsnot:

►  Die wichtigste Ursache für Engpässe auf dem Wohnungsmarkt seien nicht zu langsame Genehmigungen der Kommunen oder zu wenige Bauwillige, heißt es in der Studie.

Eine zentrale Rolle spielten vielmehr Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft – zunehmend ausgelöst durch Fachkräftemangel.

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Berlin

Die Folgen:

“In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Schere zwischen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen im Wohnungssektor immer weiter geöffnet. Aktuell warten in Deutschland 653.000 genehmigte Wohnungsneubauten auf Umsetzung”, erläuterte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

►  Die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind prall gefüllt, doch weil Fachkräfte fehlen, können sie nicht schnell genug abgearbeitet werden.

Während das Bauhauptgewerbe, zum Beispiel Hochbauunternehmen, den Angaben zufolge die Lücke bislang mit Mitarbeitern aus dem Ausland füllt, fehlen im Bauhandwerk zunehmend qualifizierte Kräfte.

In welchem Branchen besonders viele Fachkräfte fehlen:

Der Studie zufolge mangelt es an Fachkräften im Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk.

Das zeige die hohe Zahl gemeldeter offener Stellen und die Dauer der Vakanzen bei der Bundesarbeitsagentur, sagte Zeuner.

► Vor allem Meister seien schwer zu bekommen, aber zunehmend auch andere qualifizierte Mitarbeiter.

“Der Fachkräftemangel wird allmählich zum größten Risiko für eine Ausweitung der Bautätigkeit in Deutschland”, warnte der Ökonom.

Welchen Grund die Studie noch ausmacht:

Daneben bremst den Angaben zufolge knappes Bauland den Wohnungsbau in Ballungszentren.

► In dicht bevölkerten Metropolen wie München oder Frankfurt stoße mittlerweile auch die Nachverdichtung, also das Bauen in Lücken oder das Aufstocken von Wohnungen, an Grenzen.

Hinzu komme, dass manche Bauherren den Beginn der Arbeiten nach der Genehmigung verzögerten, weil sie auf steigende Mieten oder sinkende Baupreise hofften.

Wie viele Wohnungen eigentlich gebaut werden müssten:

►  Die KfW rechnet damit, dass in diesem Jahr mehr als 300.000 neue Wohnungen (2017: 285.000) fertiggestellt werden.

►  Das wären zwar so viele wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr.

►  Dennoch bleibe die Zahl nach wie vor weit hinter dem Bedarf zurück. Um die Wohnungsnot wirksam zu bekämpfen, müssen Prognosen zufolge bis 2020 jährlich 350.000 bis 400.000 Einheiten gebaut werden.

(sk)