ELTERN
08/05/2018 10:52 CEST | Aktualisiert 01/08/2018 16:41 CEST

Studie zeigt: Das passiert mit Kindern, die früh in die Kita kommen

Die Forscher werteten Daten von rund 4500 Neuntklässlern aus.

  • Eine neue Studie zeigt, dass Kinder davon profitieren, früh in die Kita zu kommen.
  • Kinder im Jugendalter seien demnach kommunikativer, durchsetzungsfähiger und gewissenhafter.
  • Oben im Video packt eine Erzieherin aus und erklärt: “Das passiert wirklich, nachdem ihr euer Kind in der Kita abgegeben habt.”

Aufgeregt stehen Mütter, Väter und Kinder vor der Kindertagesstätte St. Margaret in München. Es ist der erste Kindergartentag. Die Kinder sind zwischen zwei und vier Jahren alt.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt jetzt, dass die jüngeren unter ihnen später einmal kommunikativer, durchsetzungsfähiger und gewissenhafter sein werden als Kinder, die erst mit vier Jahren in den Kindergarten starten. Ein früher Eintritt in die Kita wirkt sich also positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung aus. 

Forscher des DIW werteten für die Studie Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) von rund 4500 Neuntklässlern aus, die ab 1997 oder 1998 eine Kita besuchten.

Manche Eltern vor der Kindertagesstätte in München haben sich vielleicht bewusst dafür entschieden, ihr Kind erst mit vier Jahren in den Kindergarten zu bringen. Sie denken womöglich, dass es besser für ihr Kind ist, wenn es so lange wie möglich von den Eltern betreut wird.

In Deutschland gibt es keine Kindergartenpflicht

Andere Eltern haben für ihr Kind früher vielleicht keinen Platz bekommen. Und wieder andere Eltern sind heute gar nicht hier, denn ihre Kinder werden nie einen Kindergarten besuchen. Sie machen komplett kindergartenfrei. 

In Deutschland gibt es bisher noch keine Kindergartenpflicht. Im Gegensatz zu Frankreich. Dort hat der Präsident Emmanuel Macron die Vorschule ab drei Jahren gerade zur Pflicht erklärt. 

Ob das auch in Deutschland kommt, ist fraglich.

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Seit 1996 gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem vierten Lebensjahr. Bis dahin wurden die meisten Kinder zuhause betreut, bis sie in die Schule gekommen sind.

Ausbau der Kitaplätze unbedingt notwendig

Mittlerweile gehe nahezu jedes Kind ab dem dritten Lebensjahr in die Kita, erklärt Studienautorin Frauke Peter. Die Ergebnisse der Studie ließen sich jedoch auch auf Kinder, die jünger als drei Jahre sind, übertragen.

Daher plädieren die Autoren der Studie für einen flächendeckenden Ausbau der Kitaplätze. Da die Studienergebnisse nicht darauf schließen lassen, was an der Betreuungszeit genau zur positiven Entwicklung beiträgt, darf man auch die Qualität der Kindergartenplätze nicht außer acht lassen.

“Eine qualitativ gute frühkindliche Bildung legt heute den Grundstein für gut ausgebildete Erwerbstätige von morgen”, erklärt Studienautor Maximilian Bach. “Davon würden nicht nur die Kinder selbst, sondern auch die Volkswirtschaft als Ganzes profitieren.”

Kinder haben weniger psychische Störungen 

Wie eine andere Studie zeigt, ist aber nicht nur der frühe Besuch eines Kindergartens für die kindliche Entwicklung sinnvoll. Auch die Fremdbetreuung vor dem dritten Lebensjahr, sprich der Besuch einer Krippe, hat positive Auswirkungen auf ein Kind. 

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In einer Untersuchung von 4000 Kindern im Einschulungsalter konnte Veit Roessner, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Dresden, im Jahr 2016 Folgendes nachweisen: Kinder, die schon in den ersten zwei Lebensjahren fremdbetreut werden, leiden später seltener an psychischen Störungen. 

“Bei Jungen und Mädchen hingegen, die erst mit drei oder vier Jahren in eine Kindertagesstätte kamen, war die Wahrscheinlichkeit für psychische Auffälligkeiten wie Hyperaktivität doppelt so hoch”, sagte er dem Magazin “Stern”

Wie beide Studien zeigen, macht Fremdbetreuung von Kindern auch schon im frühen Alter Sinn. Natürlich nur, wenn die Qualität der Einrichtung gesichert ist. 

(ks)