ELTERN
27/03/2018 13:29 CEST | Aktualisiert 27/03/2018 13:42 CEST

Plötzlicher Kindstod: Diese Stillpraktiken können ein Grund sein

Mehr als ein neugeborenes Baby am Tag stirbt so.

Enzo Nguyen@Tercer Ojo Photography via Getty Images
Die Forscher untersuchten Daten aus 20 Jahren.
  • Forscher haben herausgefunden, dass die Zahl von plötzlichen Säuglingstoden in den USA seit 20 Jahren gleich hoch ist
  • Als umstrittene Ursache nennen sie verschiedene Stillpraktiken

Seit über 20 Jahren ist die Zahl an Säuglingen, die bereits vor dem ersten Lebensmonat gestorben sind, gleich hoch geblieben. Das haben US-Forscher in einer aktuellen Studie herausgefunden. 

Stirbt ein Neugeborenes bis zu einem Alter von einem Jahr, obwohl es gesund war und es keine Erklärung für die Todesursache gibt, sprechen Ärzte von einem plötzlichen und unerklärlichen Kindstod – bekannt auch unter dem englischen Begriff “SUID” (sudden unexplained infant death).  

Als mögliche Ursache für die hohe Zahl an Kindstoden führten die Forscher verschiedene Stillpraktiken auf.

Mehr als ein Säugling pro Tag stirbt

Untersucht haben die Wissenschaftler des Newton-Wellesley– / und Massachusetts-Krankenhauses nationale Daten über plötzliche Kindstode im Zeitraum von 1994 bis 2014. 

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Dabei unterteilten sie die Kindstode in zwei Altersgruppen: Jünger als 28 Tage sowie zwischen einem Monat und bis zu einem Jahr.

Das erstaunliche Ergebnis: Seit 1995 kommen auf 100.000 Geburten elf Säuglingstode – bevor die Kinder einen Monat alt sind. 

“Das ist mehr als ein neugeborenes Baby am Tag, welches an ‘SUID’ stirbt”, erklärte Joel Bass, Studienleiterin und Kinderärztin, gegenüber des Nachrichtenportals “The Wall Street Journal”.

“Ein normales Neugeborenes sollte eigentlich nicht sterben.”

In der zweiten Gruppe, den Babys zwischen einem Monat und einem Jahr, seien die Zahlen um 28 Prozent gesunken. Das heißt, von 101 Säuglingstoden pro 100.000 Geburten auf 78 Tode. 

“Känguru-Methode” als mögliche Ursache

Ein Grund für “SUID” könnte die sogenannte “Känguru-Methode” sein, wie aus dem Studienbericht hervorgeht. Dabei liegt das Baby auf dem nackten Oberkörper der Mutter – auch beim Stillen. 

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Dies sei direkt nach der Geburt noch in Ordnung, da sowohl Mutter als auch Baby genauestens überwacht würden. Jedoch könne diese Methode zuhause sehr gefährlich werden: Wenn die Mutter mit ihrem Baby auf der Brust einschliefe, könne das Neugeborene einen Atemstillstand erleiden oder ersticken, schrieben die Wissenschaftler. 

►Diese Erklärung ist laut ”Wall Street Journal” unter Forschern umstritten.  

Lori Fieldman-Winter, Pädiatrie-Professorin, äußerte gegenüber des Nachrichtenportals, dass es Berichte über Neugeborne gäbe, die während des direkten Hautkontakts gestorben seien oder reanimiert werden mussten.

“Das bedeutet jedoch nicht, dass der direkte Hautkontakt der Grund ist”, sagte Fieldman-Winter dem Newsportal.

Stillpraktiken bleiben umstritten

Das Forscher-Team vermutet allgemein, dass viele Kindstode, welche sich innerhalb der ersten Lebenswoche ereignen, mit Atemproblemen verbunden seien. Diese würden weiter zu Atem- und Herzstillständen führen.

Diese Todesfälle seien wiederum mit einem direkten Hautkontakt verbunden, erklärte Studienleiterin Bass gegenüber des “Wall Street Journal”. Es gäbe zahlreiche Studien, welche einen Zusammenhang zwischen erhöhten Sterblichkeitsraten und Haut-zu-Haut-Maßnahmen in Krankenhäusern festgestellt hätten.

►Diese Ergebnisse seien stark genug, dass von einer Kausalität gesprochen werden könne, führte die Pädiaterin weiter aus. 

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Als “lächerlich” bezeichnete Melissa Bartick, medizinische Assistenzprofessorin, die Schlussfolgerung der Studienleiterin. 

Weiter führte sie aus, dass laut Studie 40 Prozent der Babys innerhalb der ersten sechs Tage sterben würden. Es gäbe dafür weitaus mehr Ursachen, als nur der direkte Hautkontakt, sagte sie dem “Wall Street Journal”.

Laut Bartick gibt es allgemein viele weitere Faktoren, welche die Forscher vernachlässigt haben – beispielsweise, dass Mütter rauchen oder Drogen nehmen. 

(ks)