POLITIK
24/02/2019 15:27 CET

Studie: Ost-Bundesländer sind für Asylbewerber zehnmal gefährlicher

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dpa
Ein Feuerwehrfahrzeug steht am 21.02.2016 in Bautzen (Sachsen) vor einem brennenden Haus. Auf die geplante Flüchtlingsunterkunft war in der Nacht ein Brandanschlag verübt worden. 

Das Risiko, Opfer eines Hassverbrechens zu werden, ist für Asylsuchende in Ostdeutschland einer Studie zufolge zehnmal so hoch wie in den westlichen Bundesländern.

► Die Ursache: Die Autoren vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, Horst Entorf und Martin Lange, fanden heraus: Die Zahl der Angriffe sei “in Regionen mit einem zuvor geringen Ausländeranteil höher als in Regionen mit einem bereits hohen Ausländeranteil”.

Unter Hasskriminalität im Sinne der Studie wird politisch motivierte Kriminalität wie Volksverhetzung, Hakenkreuz-Schmierereien, körperliche Angriffe und Brandanschläge verstanden.

In den Jahren 2013 bis 2015 kam es in einem ostdeutschen Kreis bei einem Ausländeranteil von drei Prozent und einer Ansiedlung von 1000 Asylsuchenden pro 100.000 Einwohnern durchschnittlich zu zwei bis drei Übergriffen im Jahr. Für einen vergleichbar großen Kreis in Westdeutschland wurden statistisch 0,4 bis 0,6 Übergriffe ermittelt.

Was das Ergebnis der Studie bedeutet: 

Die Studie zeigt (einmal mehr): Die Wahrscheinlichkeit eines Übergriffs auf Ausländer ist nicht etwa da besonders hoch, wo eine besonders hohe Zahl von Zuwanderern angesiedelt wird.

Ein wichtiger Einflussfaktor ist vielmehr, wie viel Erfahrungen die Einheimischen in der Vergangenheit mit Zuwanderern gesammelt haben. Diese Erkenntnis hat auch Folgen für die Bekämpfung von Ausländerhass. 

Die wirtschaftlichen Bedingungen vor Ort spielen laut der Studie nur eine untergeordnete Rolle. “Hassverbrechen gegen Ausländer haben in erster Linie keine wirtschaftlichen Motive”, erklärt Lange.

Politiker, die meinen, fremdenfeindliche Tendenzen ließen sich vor allem mit lokaler Wirtschaftsförderung, mehr Lohn und Wohnungsbau-Offensiven erfolgreich bekämpfen, können demnach nicht mit Erfolg rechnen.

Wichtiger sei es, in Regionen mit begrenzter Migrationserfahrung das Bewusstsein und das Mitgefühl der Einheimischen zu stärken, sagt Lange. 

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