POLITIK
28/12/2017 07:16 CET | Aktualisiert 28/12/2017 10:21 CET

Streit um Geld für Bedürftige: AfD-Politiker spendet, die Tafel schickt die Scheine zurück

In der AfD ist die Rede von einem "Skandal".

  • Ein AfD-Abgeordneter hat einer Tafel 100 Euro gespendet, doch die Einrichtung nahm das Geld nicht an
  • Nun beginnt die Diskussion: Ist die politisch begründete Entscheidung vertretbar?

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Anton Friesen ist wütend.

Anfang Dezember besuchte der 32-Jährige die Tafel im thüringischen Sonnenburg. 100 Euro spendete er für das evangelische Diakoniewerk.

Doch die Mitarbeiter wollten das Geld offenbar nicht annehmen. Drei Tage später bekam Friesen das Geld zurückgesandt – mitsamt eines Briefes, den der AfD-Mann bei Facebook veröffentlichte. 

“Das Menschenbild von Diakonie und Kirche ist mit dem der AfD nicht vereinbar und wir möchten uns klar davon abgrenzen”, schreibt die Leitung der Tafel darin.

Friesen schoss bei Facebook zurück: “Sie haben völlig Recht: die Positionen der AfD sind mit denen der Evangelischen Kirche unvereinbar. Die AfD nämlich hält an christlichen Werten fest, während Sie das Christentum verraten und verkauft haben.” 

Darf die Tafel Geld für Bedürftige ablehnen?

Der Fall wirft die Frage auf, ob die Tafel aus politischen Gründen eine Hilfeleistung für Bedürftige ausschlagen darf. Die “Bild” fragte verschiedene Politiker, Tafel-Mitarbeiter und Bedürftige nach ihrer Meinung.

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Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow äußerte sich eindeutig.

Ramelow sagte der “Bild”: “Als Christ habe ich Respekt vor der Entscheidung der Diakonie in Sonneberg. Die Reaktionen von anderen AfD-Politikern auf die Ablehnung, die Beschimpfungen gegen die Kirche, zeigen, dass die Entscheidung der Diakonie richtig war.“

Auch SPD-Vize Ralf Stegner stellt sich hinter die Entscheidung der Tafel. Die Spende sei immerhin “explizit” von Friesen als AfD-Politiker gekommen “und nicht als normalem Menschen, der etwa Geld in den Klingelbeutel steckt”. 

“Da hat die Diakonie, die auch Flüchtlingsbetreuung macht, das gute Recht, diese Spende zurückzuweisen, denn das Menschenbild der AfD entspricht erkennbar nicht dem der Diakonie”, sagte Stegner.

Vertreter anderer Tafel-Einrichtungen, Stephan Karrenbauer, sozialpolitischer Sprecher vom Straßenmagazin “Hinz&Kunzt” und mehrere Obdachlose und Hartz-IV-Empfänger äußerten auf “Bild”-Nachfrage ebenfalls ihre Unterstützung für die Entscheidung. 

AfD zeigt sich empört

Einen Aufschrei gab es erwartungsgemäß in der AfD. Fraktionschefin Alice Weidel sprach von einem “Skandal”. “Eine Spende der AfD abzulehnen, die direkt Bedürftigen helfen sollte, ist absolut geschmacklos“, erklärte Weidel. 

Der baden-württembergische AfD-Politiker Malte Kaufmann schrieb bei Twitter: “Das ist eine bodenlose Frechheit von Kirche und Diakonie. Ein Schlag ins Gesicht für hunderttausende Bürger, die auf die Tafeln in Deutschland und deren Spender angewiesen sind.”

 

Im Video unten: Dieser völlig irre Auftritt des Thüringer AfD-Spitzenkandidaten zeigt, was auf Deutschland nach der Wahl zukommt