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26/08/2018 18:53 CEST

Streit um Aufnahme von geretteten Flüchtlingen: Albanien stellt EU bloß

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GIOVANNI ISOLINO via Getty Images
Migranten an Deck der “Diciotti” – seit Tagen warten sie auf eine Lösung im Flüchtlingsstreit.

Seit über einer Woche streitet die Europäische Union bereits um die Aufnahme von etwa 150 geretteten Flüchtlingen. Italiens rechte Regierung weigert sich die Menschen von Bord des Rettungsschiffs “Diciotti” zu lassen.

► Nun hat ausgerechnet Albanien, eines der ärmsten Länder Europas, zugesagt, 20 Migranten vom Schiff der italienischen Küstenwache aufzunehmen. Die “Diciotti” liegt seit Montag im Hafen von Catania, die Geretteten dürfen aber nicht an Land. 

“Wir können Europa nicht ersetzen, aber wir sind immer da”, schrieb der albanische Außenminister, Ditmir Bushati, auf Twitter. Albanien ist EU-Beitrittskandidat.

Darum ist die Zusage Albaniens wichtig:

Auf den Rücken der Flüchtlinge will Italiens Innenminister Matteo Salvini eine EU-Lösung für die Verteilung von im Mittelmeer geretteten Migranten erzwingen.  

Die Regierung in Rom fährt einen strikten Anti-Migrationskurs. Sie will im Mittelmeer gerettete Migranten nur noch an Land lassen, wenn ihre Aufnahme in der EU vorab geklärt ist. Doch Beratungen der EU waren am Freitag in Brüssel ohne Ergebnis beendet worden.

Umso deutlicher ist daher das Zeichen der albanischen Regierung, in der Notlage einzuspringen. Bushati erinnerte mit Blick auf die Migrationsbewegungen in den 1990er Jahre daran, dass Albaner “einst die Eritreer waren, die tagelang in der Mitte des Meeres litten und darauf warteten, dass Europa aufwachte!”

So prekär ist die Situation auf dem Rettungsschiff “Diciotti”

Das Schiff der italienischen Küstenwache hatte am 16. August insgesamt 190 Migranten aufgenommen und erst am Montag die Erlaubnis bekommen, in den Hafen von Catania einzufahren. 13 der Geretteten wurden bereits kurz nach der Rettung nach Lampedusa gebracht, 27 Minderjährige durften am Mittwochabend von Bord. 

Am Samstag verschärfte sich nun die Situation: An Bord hat es mehrere Tuberkulose-Verdachtsfälle gegeben. Nach einer Anordnung der Gesundheitsbehörde verließen deshalb zwölf von ihnen das Schiff, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten.

Zunächst war von 16 Menschen die Rede gewesen, die von Bord gegangen seien. Allerdings hätten sich einige Frauen geweigert, weil sie sonst Verwandte hätten zurücklassen müssen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Zahlreiche weitere Migranten leiden außerdem an Krätze, eine durch Milben verursachte Hautkrankheit.

Update, 22.00 Uhr: Die festsitzenden Migranten sollen in den kommenden Stunden das Rettungsschiff verlassen können. Um den Großteil der Menschen werde sich die italienische katholische Kirche kümmern, sagte Innenminister Salvini am Samstagabend.