ELTERN
02/07/2018 12:03 CEST

Stillen in der Öffentlichkeit: Mutter wird in Restaurant gedemütigt

Die Begründung der Bedienung für ihre Aktion ist absurd.

News 3
Katy Bullard und ihre Tochter.
  • Eine Amerikanerin ist angefeindet worden, weil sie ihr Baby öffentlich stillte. 
  • Die Bedienung in einer Pizzeria soll einen Putzlappen auf das Baby gelegt haben, um es zu verhüllen. 

Stillen ist der natürlichste Weg, ein Baby zu füttern und zu beruhigen. Deshalb sollte es auch vollkommen normal sein, dass Frauen ihre Kinder stillen – egal, wo sie sich gerade aufhalten. Trotzdem werden Mütter auch heute noch immer wieder in unangenehme Situationen gebracht, wenn sie in der Öffentlichkeit stillen.

Der Fall von Katy Bullard aus dem US-Bundesstaat Alabama ist ein erschreckendes Beispiel dafür.

Die Amerikanerin war vor wenigen Tagen mit ihrem Mann und ihrer drei Monate alten Tochter zum Abendessen in einer Pizzeria.

Kellnerin verhüllt stillendes Baby mit Lappen

Nach einiger Zeit bekam auch der Säugling Hunger und Bullard stillte ihre Tochter ganz selbstverständlich in dem Restaurant. Die Bedienung störte sich jedoch an dem Anblick und schritt zur Tat:

Nachdem Bullard sich weigerte, ihre Tochter beim Stillen zu verhüllen, entschloss die Kellnerin und Miteigentümerin von Giovanna’s Pizzeria in Phenix im US-Bundesstaat Alabama sich, selbst etwas zu unternehmen. Bullard sagte dem Lokalsender News 3, die Bedienung habe versucht, einen Spüllappen über ihre Tochter zu legen:

Sie kam mit einem Spüllappen (engl. dishrag Anm. d. Red.) – ich weiß nicht, wo sie ihn herhatte - und versuchte, meine Tochter und mich zu verhüllen. Ich sagte ihr, dass ich das nicht möchte. Doch sie versuchte es erneut.”

Die junge Mutter konnte überhaupt nicht verstehen, warum sie derartig gedemütigt wurde. Die Kellnerin, Mrs. Rodriguez, rechtfertigte sich mit ihrem Glauben: Sie sei Christin und Bullard verletze ihren Glauben, indem sie ihre Tochter öffentlich stillte.

Bullard: “Meine Brust war kaum zu sehen”

Bullard betont im Interview mit News 3 jedoch, dass ihre Brust kaum zu sehen war. Sie habe die “Zwei-T-Shirt-Methode” benutzt, um ihre Tochter diskret zu stillen: “Wenn man nicht ganz genau hingesehen hätte, hätte man auch denken können, ich habe sie nur gehalten.”

Die Mutter sagte, etwas derartiges sei ihr noch nie zuvor passiert. Es sei schließlich nicht verboten, in der Öffentlichkeit zu stillen. Das habe sie auch gegenüber Rodriguez erwähnt:

“Ich sagte ihr, dass ich das Recht habe, in 49 Bundesstaaten öffentlich zu stillen und dass unser Staat einer davon ist.”

Bullard und ihr Mann wollten keine große Szene machen und verließen das Lokal, nachdem sie ihre Rechnung bezahlt hatten.

Rodriguez lässt Statement von Anwalt veröffentlichen

Nachdem die Mutter sich an die Medien gewandt hatte und der Fall in den sozialen Netzwerken für viel Aufsehen sorgte, kam Rodriguez in starke Bedrängnis. Sie nahm sich einen Anwalt, der nun ihre Version der Geschichte in den Medien darlegt. 

Dem US-Portal “Buzzfeed” ließ der Anwalt ein Statement zukommen. Darin steht, dass Bullard ihre Tochter nicht diskret gestillt habe, sondern dass ihre ganze Brust zu sehen gewesen sei. Einige Gäste hätten sich über den Anblick beschwert, weshalb Rodriguez die Mutter gebeten habe, sich zu verhüllen. Als diese ablehnte, habe sie ein sauberes Geschirrtuch geholt, und Bullard über die Schulter gelegt.

 Stillen in der Öffentlichkeit muss Normalität sein

Es tut mir leid, dass ich Frau Bullard durch mein Verhalten verletzt habe”, schrieb Rodriguez in dem Statement. “Ich dachte, ich tue ihr einen Gefallen, indem ich ihr ein Tuch bringe, um sich zu verhüllen.”

Natürlich gibt es immer zwei Seiten einer Geschichte, doch in diesem Fall sind die Details eigentlich ganz egal. Die Geschichte zeigt, dass es immer noch nicht normal ist, dass Babys in der Öffentlichkeit gestillt werden. Und daran muss sich dringend etwas ändern.

(ks)