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27/09/2018 16:16 CEST | Aktualisiert 28/09/2018 06:28 CEST

"Stern TV" begleitet Nazi-Familie seit 24 Jahren: Das wurde aus den Kindern

Köthener Bürgermeister: “Wenn ein Hund auf die Straße kackt, kriegt der mehr Ärger als die Familie.”

  • Das Team von “Stern TV” begleitet Familie Ritter in Köthen seit 1994.
  • Die Kinder zeigten schon damals ein aggressives Verhalten und wuchsen verwahrlost auf – das hat sich bis heute nicht geändert.
  • Im Video oben ein verwandtes Thema: Neonazi will ein Hakenkreuz malen - das kam dabei heraus.

Familie Ritter aus der Stadt Köthen in Sachsen-Anhalt ist inzwischen bekannt – dank des Teams von “Stern TV”.

Im Jahr 1994 trifft das Team das erste Mal auf Karin Ritter und ihre Söhne, den damals zwölfjährigen René, den neunjährigen Norman, den achtjährigen Andy und siebenjährigen Christopher.

Die Familie haust in einer Obdachlosenunterkunft – Mutter Karin ist arbeitslos.

RTL
Norman Ritter in der Obdachlosenunterkunft in Köthen.

Kinder der Familie Ritter wachsen verwahrlost auf

Das Lebensziel des Nachwuchses: “Ich will Skinhead werden”, sagen sie dem Kamerateam von “Stern TV”. Sie zeigen ihnen den Hitler-Gruß und träumen davon, andere Menschen zu verprügeln – vor allem Ausländer

Besonders auffällig ist das aggressive und gewaltbereite Verhalten der Kinder: Sie verwüsten die Wohnung einer Nachbarin gehen mit einem Baseballschläger auf sie los.

Der damals neunjährige Norman zeigt keine Reue.

In einem Fernsehinterview sagt er, er würde die Nachbarin “tot machen”, wenn sie nicht abhaue. Die zieht vor Angst aus der Unterkunft aus.

Noch heute wohnen die Mutter und zwei ihrer Söhne im Obdachlosenheim – mittlerweile in einem anderen, das nicht einmal über sanitäre Anlagen verfügt.

Köthener Bürgermeister: “Wenn ein Hund auf die Straße kackt, kriegt der mehr Ärger als die Familie”

Die Kinder sind nun erwachsen und schwer von ihrem bisherigen Leben gezeichnet. Ihre Nazi-Ideologie sowie Alkohol- und Drogensucht haben sie in einen immer tieferen Sumpf aus Gewalt, Verwahrlosung und Hoffnungslosigkeit gezogen.

Fast alle Söhne der Familie Ritter waren bereits mehrfach im Gefängnis.

Viele Köthener trauen sich nicht in die Nähe der Ritters, selbst der Bürgermeister hat die Familie aufgegeben, wie ein Statement von ihm zeigt: “Wenn ein Hund auf die Straße kackt, kriegt der mehr Ärger als die Familie.”

Im Juni 2018 meldet sich Karin Ritter wieder bei “Stern TV” zu Wort: Sie und ihre Enkelin Jasmin trauen sich nicht mehr aus der Wohnung. Der Grund: Ihre Söhne Norman und Christopher würden die beiden massiv bedrohen.

Karin Ritter über ihre Söhne: “Ich hasse meine Jungs”

Das sind nicht mehr meine Söhne”, sagt Karin Ritter dem Kamera-Team. “Ich hasse meine Jungs.”

Sie klagt: “Seit sechs Wochen lassen sie uns nicht mehr heraus. Ich habe Todesdrohungen bekommen: Aus dem Fenster wollen sie mich werfen.”

Auch gehe es mit dem Einbau der lange geforderten sanitären Einrichtungen nicht voran, weil die gewaltbereiten Brüder die Bauarbeiter bedroht haben sollen. Tatsächlich stellten die Baufirmen die Sanierung vorerst ein – die Mitarbeiter sollen Angst vor Norman und Christopher gehabt haben.

Danach wird es zwei Monate lang still um die Nazi-Familie.

Karin Ritter: “Ich will nicht mit denen unter einem Dach wohnen, in der Wohnung, wo wir jetzt hinsollen”

Nun bittet Familienoberhaupt Karin Ritter erneut um Hilfe: Die Familie soll zwangsumgesiedelt werden, die Baufirma habe die Sanierung wieder aufgenommen. Karin Ritter will aber nicht ausziehen – und das, obwohl sie sich seit Jahren über ihre Wohnsituation beschwert.

Sie müsse in eine Wohnsiedlung umziehen, bis die alte Obdachlosenwohnung saniert sei. Das bedeutet: Karin Ritter müsse in der Zeit mit ihren Söhnen Norman und Christopher zusammenleben.

Und das will sie auf keinen Fall: “Ich will nicht mehr mit denen unter einem Dach wohnen, in der Wohnung, wo wir jetzt hinsollen. Dann geht das wieder los mit der Sauferei und der Randaliererei.”

Sieben Polizeifahrzeuge und 27 Beamte müssen bei der Wohnungsräumung dabei sein

Dann gibt es plötzlich einen Großbrand in dem Gebäude, in das Familie Ritter ziehen soll. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus.

Doch es hilft alles nichts: Familie Ritter muss ausziehen. Sieben Polizeifahrzeuge und 27 Beamte stehen bereit, um die Familie aus dem Haus zu holen. Karin protestiert: “Ich bin krank”, raucht dabei Zigarette.

Auch acht Stunden später steht sie immer noch in ihrer bereits leergeräumten Wohnung. Unter Protest verlässt sie als Letzte die Obdachlosenunterkunft.

In Köthen regt sich bereits Protest gegen den Umzug der Ritters: In unmittelbarer Nähe des vorübergehenden Wohnorts liegt nämlich eine Grundschule.

(ak)