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12/09/2018 09:58 CEST | Aktualisiert 14/09/2018 13:01 CEST

Werner Patzelt: Einige Bemerkungen zu einem HuffPost-Artikel über mich

Werner J. Patzelt antwortet auf einen HuffPost-Artikel

ullstein bild via Getty Images

Mit Journalisten arbeite ich seit vielen Jahren vertrauensvoll und effektiv zusammen. Umso mehr empören mich Vertrauensbrüche. Einen solchen werfe ich Lennart Pfahler vor, vollzogen durch seinen Artikel mit der – inzwischen ein wenig korrigierten – Überschrift “Verglich er Merkel mit Goebbels? Politologe Patzelt erklärt seine Chemnitz Theorie“.

Herr Pfahler bat mich um Informationen zu einem von mir verfassten und von ScienceFiles.org verbreiteten Aufruf (derzeitige Unterschriften: gut 36.500).

Dessen Inhalt: Regierungssprecher und Kanzlerin sollten dazu beitragen, die Widersprüche zwischen ihren Aussagen zu den Chemnitzer Ereignissen sowie den Aussagen der für Chemnitz zuständigen Polizei, Staatsanwaltschaft und Regionalzeitung aufzuklären.

Alle einschlägigen Informationen lieferte ich rasch. Pfahler bat dann detailliert um Bestätigung, ob er eine Reihe meiner Aussagen richtig verstanden habe; ich korrigierte umgehend etliche Missverständnisse.

Aus alledem machte Pfahler einen verleumderisch gerahmten (“geframten“) Artikel, in dem er obendrein den Sinn meines Aufrufs in dessen Gegenteil verkehrte und außerdem den Lesern nahelegte, ich hätte Angela Merkel mit Joseph Goebbels “verglichen“.

Unter diesem Link lest ihr die Antwort von HuffPost-Redakteur Lennart Pfahler auf die Vorwürfe von Werner Patzelt.

Pfahler tut nämlich so, als bezweifelte ich den Wahrheitsgehalt von Berichten, es sei bei den Chemnitzer Protestdemonstrationen zu empörende Szenen gekommen, darunter “Hetzjagden” und “Zusammenrottungen” im derzeit bevorzugten “schwachen” Sinn dieser Worte. Doch ganz im Gegenteil habe ich deren Videonachweise anhand eines Aufrufs auf meiner Facebook-Seite gesammelt und auf meinem Blog dokumentiert.

Richtig ist nur, dass ich in den vorliegenden Videos keine “Hetzjagden” und “Zusammenrottungen” im bislang – auch von Polizei, Staatsanwaltschaft und Chemnitzer Journalisten – verwendeten “starken” Wortsinn erkannte.

Also bat ich, wie zuvor schon der Journalist Alexander Wendt, den Regierungssprecher und die Kanzlerin:

Man möge entweder jene Videos veröffentlichen, auf denen sich Hetzjagden und Zusammenrottungen im lange Zeit in aller Selbstverständlichkeit verwendeten “starken” Wortsinn fänden; oder man möge mitteilen, welche Formen ungebührlichen, geschmacklosen oder sonst wie verwerflichen Veraltens man fortan ebenfalls, nämlich in einem “schwachen” Sinn, als “Hetzjagden” und “Zusammenrottungen” bezeichnen solle.

Daraus machte Herr Pfahler die folgende “Chemnitz-Theorie”:

Patzelt bezweifelt die Existenz schlimmer Chemnitzer Vorgänge, verlangt deshalb von der Kanzlerin dreist Beweise für angeblich bloße “Behauptungen” zu Hetzjagden, und bezichtigte die Regierungschefin letztlich der Lüge.

Beweis dafür: die Verwendung einer Theoriegrafik zur sogenannten “Lügenspirale”, hinterlegt auch noch mit einem Bild des Nazi-Großlügners Goebbels. Eben das wäre ein “Vergleichen” der Kanzlerin mit Goebbels, was in der Alltagssprache eben auch “Gleichsetzen” heißt. Gleichsetzungen heutiger Politiker mit Nazi-Verbrechern gehen aber wirklich nicht.

Keinerlei Folgen für diese Darstellung hatte es, dass ich Pfahler doch ausdrücklich geschrieben hatte, die Präsentation des Aufrufs stamme nicht von mir, sondern von SciencFiles. Auch hielte ich das – mir anfangs gar nicht aufgefallene – Goebbels-Bild für völlig unangebracht. Inzwischen ist es denn auch entfernt worden, und war auf meine Initiative.

Doch die Wahrheit zur Hauptlinie der Darstellung zu machen, hätte schlecht in jene Rahmenerzählung gepasst, die den ganzen Text prägt. Die handelt vom verharmlosenden AfD-Versteher Patzelt, der sich nun glücklicherweise unmöglich gemacht hat:

“Doch nun könnte er es damit übertrieben haben”! Also werde man hoffentlich nicht länger erleben müssen, dass er in TV und Hörfunk erklären “darf”, warum die Rechte in Deutschland im Aufwind ist (nämlich wegen unserer fehlerhaften Migrations- und Integrationspolitik) und welche Fehler dabei die CDU gemacht hat (nämlich: als Partei ausschließlich der Mitte zum rechten Rand hin jene Repräsentationslücke aufreißen zu lassen, in der sich nun die AfD breitmacht).

Fazit: So geht Verleumdung. Und man begreift auch ihren Zweck. Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis diese Saat in vielen Kommentaren und Tweets aufging. Denn vom kleinen Grünen Kasek bis zum großen Dichter Böhmermann animierte Pfahlers Text zum Verbreiten falscher Behauptungen.

Doch keiner sollte gleich wieder “Lügenpresse” rufen. Nicht nur kommen individuelle Fehlleistungen immer wieder vor. Sondern ich habe ja Gelegenheit, hier die Dinge wieder geradezurücken, und gewiss nicht zur Freude von Herrn Pfahler. Ferner ist mein ausführlicher Blog-Beitrag zum ganzen Vorgang verlinkt.

So geht gute journalistische Praxis; und eine noch bessere hätte gar nicht erst den Anlass zu einer so scharfen Kritik geschaffen.