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20/12/2017 19:30 CET | Aktualisiert 20/12/2017 21:10 CET

"Stell dich nicht an", sagt er und packt mich - was passierte, als ich einen Millionär getroffen habe

"Magst du Sex?", fragt er mich.

Was bisher geschah:

Da mir bewusst geworden ist, dass ich als Journalistin arm sterben werde, habe ich beschlossen, eine Woche lang einen Millionär in München zu suchen. Mein Ziel: reich heiraten. Die bekannte Millionärsgattin Irina Beller hat mir am ersten Tag meiner Suche Tipps gegeben, wie ich meinen Millionär finden kann. Schon am ersten Abend habe ich einen potenziellen reichen Ehemann gefunden - und er wollte ein Date mit mir...

Im Video oben stellt sich die Autorin vor und erklärt, wie sie auf die Idee kam, nach einem Millionär zu suchen. 

Es ist Morgens und ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich bin mit Kopfschmerzen von zu viel Wein und zu wenig Schlaf aufgewacht. Und als die Erinnerungen an den gestrigen Abend aufkommen, fühle ich mich leicht schäbig.

Ich ekel mich vor mir selbst, aber noch viel mehr vor den Männern, die mir Alkohol ausgegeben und mich angemacht haben, obwohl sie verheiratet sind.

“Die waren so eklig, einer hat mir beim Abschied noch an den Hintern gefasst”, erzählt mir Franzi, mit der ich am Abend zuvor mit den Millionären am Tisch saß.

Dann fällt mir ein, dass ich heute eventuell ein Date mit einem von ihnen habe. Mir wird schlecht. Sein schweres Parfum habe ich immer noch in der Nase. Und seine Sätze mit dem italienischen Akzent im Ohr.

“Ruf mich an. Ich will dich sehen. Wo auch immer du willst.”

Ich krame seine Karte aus der Tasche und google ihn. Im Internet ist fast nichts über ihn zu finden. Er scheint einen ganz guten Beruf zu haben, aber dass er ein richtiger Millionär ist, bezweifle ich. Ich bin beruhigt. Also muss ich mich auch nicht mit ihm treffen.

Mit einer Kollegin gehe ich ins “Hugo’s”

Denn wie lautet eines der Mottos meines Vorbilds, der Millionärsgattin Irina Beller? “Wieso sollte man einen armen Mann heiraten, wenn es auch reiche Männer gibt?”

Recht hat sie. Außerdem hat sie mir auch geraten, nicht gleich den erstbesten reichen Mann zu nehmen. Meine Millionärssuche geht also weiter.

Ich überrede eine Kollegin, nach der Arbeit mit mir in das Münchner Promi-Lokal “Hugo’s” zu gehen. Freunde aus München haben mir geraten, dort nach Millionären zu suchen. Auch laut Internet sollen sich dort Fußballspieler, Schauspieler und sehr spendable Männer aufhalten, unter anderem Loddar Matthäus.

Und der steht ja ohnehin auf dunkelhaarige Frauen, wie man weiß. Und viel Geld hat er auch.

Im Hugo’s habe ich eine Woche vorher einen Tisch reservieren lassen - wer nicht auf der Liste steht und nicht reich aussieht, kommt angeblich nicht rein. Vielleicht ist die Gästeliste aber auch nur ein weiteres Mittel, damit sich die Menschen im Hugo’s ein bisschen exklusiver und wichtiger fühlen, als sie es in Wahrheit sind.

Unser Sitznachbar sieht aus wie von “Gossip Girl”

Zwei blonde Hugo’s-Mitarbeiterinnen in wuchtigen Pelzmänteln, die ihre dünnen Beinchen noch dünner aussehen lassen, begrüßen uns mit einem strahlenden Lächeln.

Sie führen uns durch einen warm beleuchteten Gang in das Restaurant. Kaminfeuer knistert auf Fernsehbildschirmen an der Wand. Von der Decke hängen weiße Christbaumkugeln. Das Restaurant ist gut besucht. Pelzmäntel erfreuen sich bei den Gästen größter Beliebtheit.

➨ Mehr zum Thema: Ich bin 25 und suche einen reichen Mann - diese Tipps hat mir eine Millionärsgattin gegeben 

Neben uns sitzt ein Mitte-30-jähriger Mann, der aussieht, als wäre er der Upper-East-Side-Serie “Gossip Girl” entsprungen. Das kamelfarbene Einstecktüchlein in seinem Anzug hat die gleiche Farbe wie seine Hornbrille.

Daneben sitzt ein junger Mann mit unnatürlich glänzender Haut und im maßgeschneiderten Anzug, ihnen gegenüber ein kräftiger Mann mit Stiernacken. An seinem Handgelenk trägt er die größte Armbanduhr, die ich je gesehen habe. Gleich drei Männer also - und alle drei scheinen reich zu sein.

Auf ihrem Tisch steht ein Eiskübel mit einer Champagner-Flasche. Vor ihnen stehen weitere leere Flaschen.

“Deutsche sind wie Würfel”, sagt der Stiernacken

Meine Wingwoman Meltem und ich haben es hier laut Internet möglicherweise mit der Elite Deutschlands zu tun. Im Gang entdecken wir einen der Hauptdarsteller aus der RTL-Sendung “Alarm für Cobra 11”. Ich befürchte, es handelt sich eher um die Möchtegern-Elite Deutschlands.

Stilecht bestellen wir uns eine Trüffel-Pizza und stoßen mit zwei Hugos an. Gestern habe ich gelernt, durch welchen plumpen Trick reiche Männer anzulocken sind und wende ihn erneut an: Ich proste dem Stiernacken neben mir zu.

Es funktioniert schon wieder.

Er lächelt und stößt sofort mit mir an.

“Deutsche sind wie Würfel”, haucht der Stiernacken in mein Ohr. Sein Atem riecht nach Trüffel-Pizza. Ich rücke mit dem Stuhl ein bisschen weg.

“Wie Würfel?!”, frage ich verständnislos.

“Ja”, sagt der Stiernacken. “Deutsche haben den Charme eines Würfels. Sie sind auch meistens irgendwie würfelförmig.”

Mr. Einstecktuch liebt meine Wingwoman

Er starrt Meltem und mich an.

“Ihr seid keine Würfel. Ihr seid wahrscheinlich nicht deutsch. Ich auch nicht. Ich bin Kroate.”

Ich befürchte mittlerweile, dass er ein bisschen verrückt ist und sehe fragend zu Mr. Einstecktuch. Aber er ist damit beschäftigt, Meltem, die offensichtlich gerade auf die Toilette flüchtet, mit verklärtem Blick zu verfolgen.

“Ich liebe diese Frau”, sagt er über Meltem und rückt seine Brille zurecht. “Physikalisch betrachtet ist es unmöglich, ein schlechtes Foto von ihr zu schießen.”

Jetzt bin ich mir ganz sicher, dass irgendetwas mit diesen Männern nicht stimmt. Nicht nur physikalisch betrachtet.

“Achtung, der Typ neben dir liebt dich”, schreibe ich Meltem auf WhatsApp. Ich bin mir nicht sicher, ob sie heute Abend noch von der Toilette zurückkehren wird.

Der Stiernacken packt mich an der Taille

“Sag ihr bitte, dass ich sie liebe”, sagt Mr. Einstecktuch.

Er hat offensichtlich nicht bemerkt, dass ich das bereits getan habe.

“Auch, wenn sie schon verlobt ist”, sagt er traurig.

“Verlobt?”, frage ich irritiert.

“Ja, mit dem Manager des 4-Jahreszeiten-Hotels.”

Ich kann ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Natürlich muss eine gute Wingwoman erzählen, dass sie verlobt ist.

“Ja, ein netter Kerl”, sage ich.

“Aber sie haben nie lange zusammen gewohnt”, sagt er. “Diese Ehe kann nicht gut gehen.”

“Sie lieben sich”, sage ich.

“Aber ich liebe sie mehr”, sagt Mr. Einstecktuch verzweifelt.

➨ Mehr zum Thema: Ich wollte nach Büroschluss einen Millionär aufreißen - so lange hat es gedauert 

Der Stiernacken leidet offenbar unter einem leichten Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom und packt mich plötzlich an der Taille. Ich erschrecke mich und zucke zurück.

“Was ist denn los mit dir?”, fragt er. “Stell dich doch nicht so an. Reagierst du immer so, wenn Männer dich anfassen?”

“Bei Männern wie dir schon”, sage ich und rücke noch etwas weiter von ihm weg.

“Ist er Millionär?” - “Kann man so sagen”

“Sag mal, weißt du nicht, wer er ist?”, fragt mich Mr. Einstecktuch streng.

“Nö, wer bist du?”, frage ich den Kroaten.

“Nenn mich einfach Rudi”, sagt er.

Mr. Einstecktuch lacht.

“Wer ist er denn?”, frage ich ihn.

“Er ist ziemlich bekannt”, behauptet Mr. Einstecktuch.

“Ist er ein Millionär?”

“Kann man so sagen.”

Auch meine Wingwoman, zurück von der Toilette, hat keine Ahnung, wer Rudi sein könnte. Mr. Einstecktuch zeigt sie die kalte Schulter. Der starrt deshalb mit leerem Blick wortlos vor sich hin.

“Warum sagt er eigentlich die ganze Zeit nichts?”, frage ich Rudi und deute auf den gestriegelt aussehenden Mann mit der glänzenden Haut, der schon die ganze Zeit über schweigt.

“Er ist mein Manager”, behauptet Rudi.

Meltem und ich sehen uns zweifelnd an.

“Magst du Sex?”, fragt er mich

Als eine hübsche blonde Bedienung den Nachbartisch abräumt, mustert Rudi sie von oben bis unten. “Warum arbeitest du hier?”, fragt er sie. “Du gehörst nicht hierher.”

Die Bedienung lächelt nur höflich. “Ich produziere Filme”, sagt Rudi. “Ruf mich an.”

Er drückt ihr eine Karte in die Hand. Die Bedienung steckt sie unbeeindruckt ein. Ich frage mich, ob Rudi vielleicht Porno-Produzent ist.

“Was produzierst du für Filme?”, frage ich ihn.

“Lass uns nicht über meine Arbeit sprechen”, sagt Rudi. “Lass uns lieber über dich sprechen. Bist du auf der Suche?”

“Kann man so sagen”, erwidere ich.

“Magst du Sex?”, fragt er.

Jetzt bin ich mir ganz sicher, dass er Porno-Produzent ist.

Er hat bündelweise 100-Euro-Scheine dabei

Ich reagiere nicht auf seine Frage und mache stattdessen heimlich ein Foto von ihm. Ich schicke es verschiedenen Freunden auf WhatsApp, aber niemand weiß, wer er ist.

So berühmt kann er also nicht sein. Möglicherweise lügen sie einfach.

Als die Bedienung mit der Rechnung kommt, zückt Rudi sein Portmonee. Darin liegt ein ganzes Bündel 100-Euro-Scheine. Ich bin mir sicher, dass er das Portmonee extra so hält, dass ich das Geld darin sehen kann. Ungefähr drei von den Scheinen zieht er aus dem Portmonee und knallt sie auf den Tisch.

Ich bin allerdings eher irritiert. Dass jemand so viel Bargeld mit sich führt, ist eher ungewöhnlich. Habe ich jetzt also meinen zukünftigen Ehemann gefunden? Und: Was für dunkle Machenschaften, die ihm so viel bares Geld einbringen, könnte er ausüben?

Die Autorin hat eine Woche lang versucht, einen Millionär zu finden. Ihre Suche könnt ihr auch auf Instagram verfolgen. Die Fortsetzung folgt morgen.